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Christi die Macht des Bösen zerstöre. So kam es, dassbei dem Kampfe des Christenthums mit dem Ileidenthumedie Götter des letztem für jene bösen, unheimlichen Wesenerklärt wurden, die aber bei dem Vorschreiten des Chri-stenthums immer mehr verdrängt wurden, in abgelegeneHöhlen und Klüfte flüchten mussten, wie im Mittelalternoch der Venusberg als die letzte Zufluchtsstätte derheidnischen Götter erscheint. Daneben bildete sich indessvielfach untermischt mit nordischen und griechischen my-thologischen Anschauungen der christliche Teufelsglaubeimmer weiter aus. — Die astrologischen und magischenKünste verbreiteten sich durch die Bekanntschaft der christ-lichen Gelehrten mit den Mauren in Spanien, mit den Völkerndes Orients. Die arabische Literatur, die damals manchenSchatz, den das Abenlaiul nicht kannte, oinschloss, bargauch eine Menge von dunkeln und geheimnissvollcn Lehren.Auch die unsinnigen Träumereien der jüdischen Kabbalatrugen viel dazu bei, die Nekromantie im Abendlande zuverbreiten l 2 ), das durch die Kreuzzüge bald in fortwäh-rende, innigere Berührung mit dem Oriente kam. DieKreuzzüge scheinen besondes den Gebrauch von Anuile-ten, den Glauben an die Kraft von Edelsteinen nach Eu-ropa gebracht zu haben. AVir sehen bald Astrologen anden Höfen der christlichen Könige, wie auch die sarace-nischen Fürsten Sterndeuter an ihrem Hofe hielten. Fürdas Jahr 1184 wurde der Untergang der Welt verkündet,eine verheerende Pest ilenz für 1187; aber weder die Nicht-erfüllung solcher Vorhersagungen, noch die wissenschaft-lichen Gründe, mit denen Einzelne gegen die abergläubischeNeigung ankämpften (Abälard, Johannes von Sa-lisbury, später Petrarca), vermochten den Stromnur im Geringsten aufzuhalten 3 ). Albertus magnus,
1) 1188 wurde das Edikt erlassen, dass bei Krönung Richards I.weder Weiber noch Juden gegenwärtig sein dürften (Meiners1. c. S. 192).
2) Eine sehr übersichtliche, alphabetisch geordnete Aufzählungder verschiedenen Arten der Zauberei findet sich in: l’Inere-dulitd et mescrdance du sortilege plainement convaincue par
De lauere. jYlDCXXII. Traictd ciuciuiesme p. 247.