15
wesen und den Ilcxenglaubcn, aus dem immer und immerwieder der Wahnsinn emporwucherte, nicht unmittelbarstürzen. Die Vorstellung von der Persönlichkeit undMacht des Teufels war noch lebendig und wirksam.„Gutes und Böses, im Moralischen wie im Physischenzu erklären, dazu dienten die Begrilfe, die man sichvon Gott und dem Teufel bildete; auf sie und ihre Gei-ster führte man die Erscheinungen unmittelbar zurück,wo dem durch Philosophie und Naturkunde nicht ge-schärften Blicke das psychologische Fundament oder dieMittelbarkeit der Wirkungen sich entzog.” (Soldan,Geschichte der Ilcxenprozesse. Stuttgart 1843. S. 295.)Wie Luther mit dem Teufel zu kämpfen hatte,, ist be-kannt,.
Wir halten unserm Zwecke nicht für angemessen,diese Betrachtungen weiter fortzuführen. Die natür-lichen Erscheinungen waren bei dem unvollkommenenZustande der Wissenschaften grossenthcils unbegriffenund unverständlich; je geringer aber der Kreis des Na-türlichen, desto grösser wurde 'der Kreis des Ueber-natiirlichen, denn das Streben des menschlichen Geistesbegnügt sich nicht mit dem Gcständniss seiner Unwissen-heit ; was er nicht als klares Bild erfassen kann, will
sei, wieder begnadige, so errviederte er, dass er die Hölle zuseinen Küssen sähe und dass die Klammen an ihn herauf undüber seinem Kopfe zusammenschlügen. Durch die Anwendungvon hypnoticis und sudorifteis und tröstlichen Zuspruch über-zeugte er sich endlich , dass die Schreckbilder Idos in seinerKiubildung wurzelten. — Endlich lernte Nider noch einenProfessor kennen, einen Mann mit ausgezeichneten Fähigkeiten,der von der Neigung zum Selbstmorde gequält wurde und mehr-mals versucht hatte, sich mit einem Messer zu tödten. Oftsagte sich der Unglückliche seihst unter Thriinen : ist es nichtseltsam, dass ich von einem solchen Drang beherrscht werde,obgleich ich mich vernünftig fühle und das Bewusstsein habe,sonst meinem Willen gebieten zu können, aber doch nicht fähig,den einen Gedanken in mir zn unterdrücken? Religiöser Zu-spruch, fügt Nider hinzu, war hei diesem Manne erfolglos, weiler von einer Manie befallen war,-die von dem physischen Zu-stande her rührte (Calineil p. 122.).
Und trotz solcher Erfahrungen und Kenntuiss war Nider vonder Wirklichkeit des Hexenwesens überzeugt und vermochtenicht den Wahnsinn wiederzuerkeunen.