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Der Wahnsinn in den vier letzten Jahrhunderten / nach dem Französischen des Calmeil bearbeitet von Dr. Rud. Leubuscher
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Pare ist der Vater der französischen Chirurgie;Fernelius ist eben so sehr durch seine medicinischenSchriften, wie durch seine Bemühungen, die Grösse derErde auf experimentelle Weise und durch Berechnungzu bestimmen , berühmt geworden. Wie konnte der Trossder Aerzte zu einem klaren Bewusstsein kommen, wennsolche Männer ihnen im Irrthum vorangingen?

Bodin, der durch sein Werk über die Republik,durch seine diplomatischen und juridischen Fähigkeitenund Kenntnisse in der Achtung seiner Zeitgenossen sehrhoch stand, verlangt um jeden Preis das Blut der Teufels-anbeter. Er schleudert Anklagen gegen Wier, Car-dan, Porta; aber das Blut seiner Schlachtopfer hätteleicht auf sein eigenes Haupt zurückfallen können, dennauch er selbst wurde angeklagt, dem Teufel geopfert zuhaben. In seinerDämonomanie*) vertheidigt erAlles, was von den Inquisitoren über den Verkehr derMenschen mit bösen Geistern gesagt worden war, mitBeredtsamkcit und scharfer Dialektik; sein Werk ist eineArt Rüstkammer für die spätem Schriftsteller geworden.

Bodin bemüht sich unablässig, zu beweisen, dassdie Teufelsverehrer nicht unvernünftig , dass ihre Aus-sagen durch keine Störung der Sensibilität begründetsind; von dem Augenblicke an, wo die übernatürlichenWesen, abgefallene und nicht abgefallene Geister, sichgleichsam verdichten und auf die Seele der menschlichenKreaturen aufpfropfen, wird ihre Wirksamkeit auf dieSinnesapparate ebenso unbestreitbar, als der Eindruck,den wir in jedem Augenblicke von den äussern Objektenempfangen. Von diesem Gesichtspunkte aus sind die kirch-lichen Richter, welche die angeblich Melancholischen ver-brennen, ebenso in ihrem Rechte, wie der Magistrat,welcher die Gesellschaft gegen die Schandthaten gewöhn-licher Verbrecher beschützt. Im ersten Buche erzähltBodin weitläuftig die Beobachtung von einem Menschen,der durch anhaltende Meditation und Kontemplation, bei

Bodin, De la dömonomanie des soreiers. Paris. In 4°. 15H2.