55
einen für einen Nagel passenden Ort, um sicli daran auf-zuhängen. Da kommt seine siebenjährige Tochter dazuund fragt ihn, was er mache. Ohne aber zu antworten,gellt er wieder in die Stube, wohin ihm ein kleinererKnabe folgt und ihn um Brot bittet. Er lässt sich da-zu von dem Mädchen ein Messer bringen und tödtet da-mit die beiden Kinder und ein kleineres in der Wiege.Die zurückkehrende Mutter stirbt in dem plötzlichenSchreck. Der Mörder wird festgenommen, erst mit Zan-gen gezwickt und dann lebendig gerädert J ).
Ein Italiener, Namens Barthelemi, hatte in Venedigdurch einen Prozess sein ganzes Vermögen verloren, undin der vcrzweiflungsvollcn Aussicht, dass seine drei Töch-ter ohne Vermögen sich später doch nicht anständig wür-den verheirathen können, sondern prostituiren müssten,fasste er den Entschluss, sie noch als Kinder zu tödten,was er in einer Nacht wirklich ausführte, nachdem er sichdazu von einem Barbier ein Rasirmesser geborgt. Manfand bei dem einen Mädchen die Hand zur Hälfte zer-schnitten, weil sie sich wahrscheinlich zur Wehre ge-setzt hatte. Der Mörder war nach Tyrol entflohen undsoll sich dort von der Höhe eines Felsens herabgeslürzthaben 1 2 ).
Die Frau von Georg Wedering aus Halberstadt, 24Jahr alt, immer bescheiden und sittsam, war am 25stenNovember 1557 von einem Mädchen entbunden worden.Als das Kind am andern Tage getauft worden war, wurdedas Bett der Mutter am Abend plötzlich leer gefunden.Es hatte Niemand ihre Entfernung bemerkt. Die er-
1) Andrö Honsdorf, Thöätre d’exemples rapportes par'S i m o nGoulard. T. 1. des Histoires admirables etc. p. 11 —14.
2) Goulard 1. c. p.45.
Ich habe eine Frau in der Cbaritö gekannt, deren BiographieIdeler mitgetheilt hat, die aus Eifersucht ihre Kinder tödtenwollte. Ihre Schlussfolgerung war die, dass ihr Mann sie dochfortschaffen und umbringen wolle, dass ihr Mann dann abereine Andere heiratlien und ihre Kinder so eine Stiefmutter be-kommen würden. Der Tod sei aber besser, als eine böse Stief-mutter. L.