Buch 
Der Wahnsinn in den vier letzten Jahrhunderten / nach dem Französischen des Calmeil bearbeitet von Dr. Rud. Leubuscher
Entstehung
Seite
65
JPEG-Download
 

65

sich herübergezogen, bestätigt und bekräftigt durch dieallgemein herrschende Furcht, durch die Erzählungen vonTeufelsanfechtungcu, die von Munde zu Munde gingen.Beweis für diese Erklärung ist ihm die Müdigkeit, diesie am andern Morgen gespürt hätten. Die Anwendungvon betäubenden und schlafmachenden Salben als Erklä-rung zu Hülfe zu nehmen, ist ihm nicht zulässig. Spinaerwähnt allerdings die Geschichte einer Ilexe, die ver-sprach, den Sabbat vor Aller Augen zu besuchen, wennman ihr erlaubte, sich einer gewissen Salbe zu bedienen.Sobald sie sich eingerieben hatte, fiel sie wie todt nieder,blieb starr, regungslos, und erzählte nach einigen Stun-den, als sie wieder zum Bewusstsein kam, beim Sabbatgewesen zu sein. Calmeil hält die Phantasieeu derAngeklagten für die Erzeugnisse eines katalcptisclien oderecstatischeu Zustandes; er citirt dabei noch einen Fallaus Spina von der Frau eines Notars bei der Inquisitionin Como, die bisher immer ein frommes, gottesfürchtigesLeben geführt hatte und von ihrem Manne an einemFreitage ganz nackt und unbeweglich auf einer Mistgrubegefunden wird. Als sie zu sich kommt, erzählt sie eben-falls vom Sabbat. Um der Gefahr des Verbrennens zuentgehen, stürzt sie sich dann in’s Wasser. — Calmeilkanu Hecht haben, aber aus dem Geständniss der Ange-klagten ist seine Ansicht nicht unwiderleglich zu demon-striren. —

Die Anwendung von Salben geht durch die ganzeIlexengeschichte hindurch. Wier (De praestigiis dae-momtm etc. 1577. Lib. III. cap. 17.) giebt ihre Zu-sammensetzung nach der magia naturalis des JoannesBaptista Porta (lib. II.) an: „Puerorum pinguedinemaheneo vase decoquendo ex aqua capiunt, inspissando,quod ex elixatione ultimum novissimumque subsidet ; cumhac immiscent eleoselinum, aconitum, frondes populneaset fuliginem. Vel aliter sic: Sium, acorum vulgare,pentuphyllon, vespertilionis sanguinem, solanum somni-ferum et oleum.” Oel oder Fett soll blos deshalb ange-wendet werden, damit die Poren geöffnet werden und dieC a 1 m e i J. 5