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Der Wahnsinn in den vier letzten Jahrhunderten / nach dem Französischen des Calmeil bearbeitet von Dr. Rud. Leubuscher
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einen Andern vorangehen lassen wollte, und versicherte,die Mutter Gottes forderte sie jedesmal auf, voran zugehen,weil sie Gottes Gemahlinn sei; demüthig aber weigertesie sieh dessen und sagte: „0 heilige Jungfrau, wenndu nicht Christus geboren hättest, so würde ich nichtseine Frau geworden sein; es ziemt der Mutter meinesGemahls, voranzuschrcitcn.” Sehr häufig befand sie sichin einem ecstatischcn Zustande. Ihr Gesicht war bleich,alle Glieder wurden starr, sie konnte sich gar nicht be-wegen, cs war, als ob die Finger keine Gelenke hätten.Das Volk war überzeugt, dass sic Wunder thun könne.Der König liess sie nach Madrid kommen. Der Inquisitor-general und andere hohe Geistliche unterhielten sich vielmit ihr; ein Thcil war überzeugt, sie sei vom heiligenGeiste erfüllt; Andere hielten sie für fanatisch und vonTäuschungen befangen , aber für keine Simulantinn. Auchdie Kommissarien des Papstes fanden nichts Verdächtigesan ihr; man beschloss zu warten, bis die Vorsehung zuerkennen gäbe, ob der sic beherrschende Geist von Gottoder dem Teufel wäre. So entging sie dem Scheiter-haufen oder ewigem Gefängniss. Die ganze llcihe vonllallucinationen des Gesichts, des Gehörs als pathologischzu betrachten und an eine Heilung ihrer Exaltation zudenken, war in der dumpfen Zeit nicht möglich 1 ).

3. Mordmonomanie. Peter Burgot und Michel Ver-dung klagen sich des Mordes und der Lykauthropiean und werden in Poligny verbrannt. (1521.)

Burgot, der mit Michel Verdung zusammen der Zau-berei und der Verwandlung in Wehrwölfe angeklagt ist,legt vor dem Inquisitor Boin folgende Geständnisse ab:„Ich gehöre seit beinahe neunzehn Jahren zur Sekte derTeufelsanbeter. Bei einem Jahrmarkt in Poligny, wo einUnwetter meine Ileerde aus einander gesprengt hatte, kam

1) Llorente, Histoire critiijae de l’inquisftion. Tom. I. p. 361.