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Der Wahnsinn in den vier letzten Jahrhunderten / nach dem Französischen des Calmeil bearbeitet von Dr. Rud. Leubuscher
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78
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Unmittelbar nach der peinlichen Frage starb sic. Diehysterischen Anfälle der Nonnen von Uvertet hörtennach drei Jahren auf; man untcrliess damals, Fremdeals Zuschauer zuzulassen 1 ). Die Sache soll nach W i e rso gekommen sein: Die arme Frau hatte sich in derFastenzeit von den Nonnen ein Viertel Salz, was un-gefähr drei Pfund wog, geborgt, und hatte kurz vorOstern ungefähr doppelt so viel wiedergegeben; seitdemfanden die Nonnen in ihren Schlafzimmern weisse Ku-geln, die wie mit Zucker überzogen aussahen, abersalzig schmeckten, von denen kein Mensch wusste, wosic hergekommen waren.

b) Hystero-Dämonopathie im Kloster Kentorp. Das Uebelverbreitet sich in die Nachbarschaft 2 ). (1552.)

Das Kloster Kentorp (prope urbem Jlammoncm )in der alten Mark wurde der Schauplatz einer wunder-lichen Krankheit. Einzelne Nonnen in dem Kloster warenaus den vornehmsten Familien entsprossen. Im Anfängewurde blos eine geringe Zahl der Nonnen von Konvul-sionen befallen; dann verbreiteten sich durch psychischeKontagion die Nervenzufälle auf die Ucbrigen. Im An-fälle selbst und bald nach dem Paroxysmus, bei Man-chen auch in der Zwischenzeit, hatte der Athem einenÜbeln Geruch. Wenn der Anfall ausbrach, so verlorensic den Gebrauch ihrer Vernunft, obgleich sie ein theilweises Bewusstsein behielten, sticssen ein heftiges Ge-schrei aus, wanden sich in den heftigsten Konvulsionen,und empfanden die Sucht zu beissen. Die Muskelndes Pharynx waren von dem Krampfe mit ergriffen.

1) Wier, De praestigiis etc. Lib. IV. cap. X. In demselbenKapitel erzählt Wier von den Nonnen in einem Kloster derheil. Brigitte, die in ihren Anfällen manchmal von so heftigenKontraktionen des Pharynx gequält wurden, dass sie nicht essenkonnten. Hier war eine Nonne von dem Uebel zuerst befallenworden, die um einer unglücklichen Liebe willen ius Klostereingeschlossen worden war. L.

21 Wier, De praestig. daemon. Lib. IV. cap. XI, Bodin,Dämonomanie des sorciers. In 4°. 1482. p. 161.