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Trotz aller Qualen wurden sie aber dick und fett. Diejungem Mädchen hatten einfache persönliche Anfechtun-gen vom Teufel: sie sahen Teufel unter der Form vonKatzen, unter der Form der Köchinn des Klosters, odermit den Zügen der Mutter und des Bruders derselben.Die Köchinn des Klosters, Else (Kanicnsis, Wicr),wurde nämlich allgemein als die Urheberinn des ganzenUnheils, als eine ausgemachte Hexe betrachtet. Siewar zwar selbst den nämlichen Anfällen wie die Nonnenunterworfen, man beschuldigte sie aber der Simulation,damit sie durch ihre Krankheit desto besser ihr Verbre-chen verbergen könne. Sie wurde mit ihrer Mutter fest-genommen, mul gestand, sie habe Gift unter die Nah-rungsmittel der Nonnen gemischt, widerrief aber ihreAngabe auf dem Scheiterhaufen und wollte Alles durchBeschwörung zu Stande gebracht haben. — Nach ihremTode wuchs die Kühnheit des Teufels; die Dämonopathieverbreitete sich auf die Umgegend des Klosters. Eskamen wunderliche Konvulsionen vor; einer will aufeinem schwarzen Bocke zu einer Frau in der Nachbar-schaft reiten; auch in dem nahen Flecken IIowcl undnoch in einem andern Nachbarorte ereigneten sich ähn-liche Krankheitsfälle. Es wurden, wie überall, auchhier mehrere unglückliche Weiber von den Besessenenanaeklaot, die den Wahnsinn der Besessenen mit Ge-fängniss und ihrem Tode büssen mussten.
c ) Hysterische Konvulsionen, Nymphomanie und Dämono-pathie in Köln. (1561.)
Um das Jahr 1560 litten fast alle Nonnen in demKloster Nazareth in Köln an heftigen hysterischen An-fällen. 1564 nahmen die Anfälle an Heftigkeit zu; siewarfen sich oft auf den Rücken und machten ganz ge-meine Bewegungen 1 ). Eine junge Nonne, Namens Gcrtrude,
1) Prosternebantur saepcumnero dcorsum, infima corporis partcsuecnssata ad emn modom, qui Veneri solct adscribi, oculis in-terim clausis, qui postea cum pudore aperiebantur, quum veluta multo labore respirarent. (Wi e r 1. c. Lib. IV. cap. XU.) h.