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Der Wahnsinn in den vier letzten Jahrhunderten / nach dem Französischen des Calmeil bearbeitet von Dr. Rud. Leubuscher
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die seit ihrem vierzehnten Jahre im Kloster eingcschlos-sen war, war zuerst von der Nymphomanie befallenworden. Sie glaubte, mit einem Incubus Umgang zuhaben, und obwohl sie sich mit einer heiligem Stola zu-deckte, um die fleischliche Annäherung des D ämons ab-zuhalten, konnte sie gewisse schimpfliche Bewegungendoch nicht unterlassen. Die zunächst Befallene war ihreBettnachbarinn; sie bekam fürchterliche Konvulsionenund schwatzte unverständliches Zeug durcheinander undthat als ob sie verdammt wäre. Von da kroch dieAnsteckung weiter. Wier, der die Sache selbst anOrt und Stelle untersucht hat, erklärt sic für Wahn-sinnige. Er fügt die Vermuthung hinzu, dass jungeMänner sich früher ins Kloster cingcschlichcn und mitden Nonnen Umgang gehabt hätten, und dass ihre spä-tere Entfernung und Ausschliessung aus dem Klosterdie cigcnthiimliche Form der Paroxvsmen bei den Nonnenhervorgerufen.

[Calmeil erzählt noch nach Cardan (De varletalererutn ) und Bodin (1. c. p. 160.) von einer Krankheit,die 1554 in Rom 80 Mädchen befiel. Es waren Jü-dinnen, die vor Kurzem getauft worden waren; sie glaubtenalle Sprachen reden zu können. Als sie Bodin exor-cisirte, so antwortete der Teufel aus ihnen, dass ihn dieandern Juden aus Aerger über die Taufe in die Mäd-chen hineingeschickt hätten. Man hoffte durch dieseAussage des Teufels den Papst zu vermögen, die Judenverbrennen zu lassen. Zum Glück für die Juden bewiesein Jesuit dem Papste, Menschen besässen nicht dieMacht, den Teufel in andere Menschen zu schicken.

Als Anhang zu der Nymphomanie der Nonnen magnoch ein anderer Fall von Erotomanie, den Wier be-obachtet, Platz finden (1. c.). Einem Mädchen, welcheseiner vornehmen Dame im Kloster diente, war ihr Ge-liebter untreu gewordeti, wodurch sie tief erschüttertund traurig wurde. Als sie sich einmal eine Streckeweit vom Kloster entfernt hatte, so trat ihr ein Dämonunter der Gestalt eines schönen Jünglings entgegen,

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