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sprach schmeichelnd zu ihr, erzählte ihr alle Geheim-nisse ihres frühem Geliebten, die Gespräche, die er miteiner Andern geführt, unterstützte sic freundlich aufeinem schwierigen Wege und lud sie endlich ein, ihnan einen gewissen Ort zu begleiten. Wie aber soll ichdahin gelangen, fragte das Mädchen, wo nur Sümpfesind 1 ? Da verschwand Jener plötzlich und das Mäd-chen fiel in Raserei, wo sie fortwährend von einemDämon sich verfolgt glaubte, der sie durch das Fensterentführen wollte. Sie wurde vollkommen geheilt undheirathetc ihren frühem Geliebten. Wier sagt, dassder Teufel die ihm so günstige Gelegenheit, den medi-iabundus animi moeror ob amorts impotent iam zu einemStreiche benutzt habe. Wir erkennen den Fall als eineErotomanie mit einer Ilallucination. Dass nicht einewirkliche Begebenheit, etwa ein Mann, der dem Mäd-chen aufgclauert, dahinter gesteckt habe, schlicsse ichaus der Seltsamkeit der Erscheinung; der Mann giebteinen Sumpf als den Ort der Zusammenkunft an, erverschwindet plötzlich; endlich, der Hauptinhalt seinesGesprächs ist die Mittheilung der Liebkosungen, die derUngetreue einer Andern zugewendet. Das sind geradedie Gedanken, die das trauernde Gemütli des Mädchensmit sich hcrumträgt, sich zur eigenen Qual ausmalt, diees nach aussen hin als einen lebendigen Mann verkörpert.
L.h
d) Hystcro-Dämonopathie unter den Findelkindern inAmsterdam 1 ). (1566.)
Gegen das Ende des Winters 1566 wurde dergrösste Thcil der Findelkinder in dein Hospital von
1) Die wunderliche Krankheit, welche um dieselbe Zeit (_lö6o amTodteufeste'J eine gewisse Nicole Obry oder Aubry, eine jungeFrau von 16 .Jahren, seit drei Monaten verheirathet, befiel, isthier ebenfalls zu erwähnen. Die Kranke ist unter dem Namen:die Besessene von Uvcrvins oder Vervins, sehr bekannt. DieKrankheit erregte ein ungeheures Aufsehen. In Laon, wo Nicoleauf einem hohen Gerüste mit grosser Feierlichkeit exorcisirt