84
cismen, die den Teufel austrciben sollten, waren ohneErfolg. Bei längerer Dauer der Krankheit fingen dieKinder endlich an zu brechen; sie entleerten dabei Nägel,Nadeln, Wolle, alte Leimvandstücke, Fetzen von Haut undandere fremde Körper, die sie heimlich heruntergeschlun-gen hatten. Sie kletterten wie Katzen auf den Mauernund Dächern umher, sprachen in unverständlichen Zun-gen und hatten einen so abschreckenden Blick, dass sieKeiner ohne Furcht ansehen konnte. Das war mehr alshinreichend, um sie für Besessene zu halten. Beim An-blick von manchen Frauen machten sie eigentlnimlichcGesten, und solche Frauen wurden für Hexen gehalten.So erzählt II or st in Bckkcr’s bezauberter Welt *). —Die wissenschaftliche und pathologische Analyse der an-geführten Erscheinungen zeigt eine zusammenhängendeReihe von hysterischen und nymphomanischen Zufällen,die wir nicht erst nochmals im Einzelnen nach einanderaufführen wollen. Die Anfälle treten bei den Nonnengewöhnlich paroxysmenweise auf, bei Vielen ist das Be-wusstsein selbst auf der Höhe des Anfalls nur theihveiseaufgehoben. In dem Kloster Uvertet sollen die Gliederder Kranken auch ausser der Zeit des Paroxysmus oftvon allgemeinem Zittern befallen gewesen sein, wie beider Chorea; die Koordination der Bewegungen war gestört.Es ist sehr leicht möglich, dass der lange fortgesetzteGebrauch des Rübensaftes eine derartige Wirkung miterzeugt habe; es ist bekannt, dass die Beimischung derKörner einer der cochlear'ta verwandten Pflanze zu denNahrungsmitteln oft Konvulsionen verursacht hat a ).
1) Cf. S. Goulard, Histoires admirables et inämorables etc.Tom. 1. Paris 1600. p. 46 et sqq., der die ganze Reibe hyste-rischer und krankhafter Affektionen hauptsächlich nach Wiermitthcilt; über die Krankheit in Amsterdam führt er einen Au-genzeugen, Adrian Nicolai, Kanzler von Geldern, an;1555 wurden auch in Rom im Waisenhause ungefähr 70 Mäd-chen von Dämonomanie befallen und blieben länger als zweiJahre in diesem Zustande.
2) Wahrscheinlich Rapkanus raphanistrum, ebenfalls aus der Fa-milie der Crucifercn, deren Beimischung unter’s Getreide undunter’s Brot die Raphanie (Kriebelkrankheit) erzeugen soll. L.