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Bodin glaubt, dass die nymphomanischc Aufregung zurwirklichen Vermischung mit Thiercn Veranlassung ge-gehen habeaber es ist durch Nichts bewiesen, dassdie Katzen und Hunde, welche die Nonnen auf ihrenBetten sahen, mehr als Sinnestäuschungen gewesen seien.Eine Geisteskranke (von Calmeil seihst beobachtet)behauptete lange Zeit, Alfen und Hunde besuchten siejede Nacht, und sie würde eines Tages eine Tracht von'filieren gebären. ■— Anna Lemgon hatte zuerst die Em-pfindung, als ob ein anderes Wesen in ihrem Innern zusprechen schiene, dann wurde daraus der Teufel. — Alsanaloges Beispiel für die Krankheit der Findelkinder inAmsterdam führt Calmcil aus seiner eigenen Beobach-tung folgenden Fall an: In einer Schule wurde ein jungerMann in. Folge einiger Excesse von heftigen Konvulsionenbefallen, und sechs oder sieben seiner Mit-Eleven hattenMühe, ihn im Anfalle vor Verletzungen zu behüten. Erlag ausgestreckt auf dem Rücken mit geschlossenen Augen,hatte fortwährend Krämpfe der Schlingmuskeln, strecktebald einen Arm, bald ein Bein aus, schrie heftig, unddann kam auf einmal eine allgemeine, gewaltsame Er-schütterung des ganzen Körpers. Der Anblick machteden tiefsten Eindruck auf die Zuschauer. Schon nachvier und zwanzig Stunden befanden sich fünf Andere ineinem ähnlichen Zustsndenach wenigen Tagen waren csschon zehn, und wenn man nicht sorgsam auf die Ab-sonderung der Kranken bedacht gewesen wäre, so würdedas Uebel sich wahrscheinlinli noch weiter verbreitet ha-ben. — Dass die Kinder in Amsterdam simulirt haben,ist nicht wahrscheinlich- es ist kein isolirtes Faktum,sondern wir finden eben an vielen Orten zu gleicher Zeitdieselben Erscheinungen wieder. Das Verschlingen vonunverdaulichen Stoffen ist in den heutigen Irrenhäuserngar nicht selten. Calmcil fand bei der Sektion einer Irrenden ganzen Darmkanal von Anfang kis zu Ende mit Strohvollgestopft. In den Stuhlgängen einer Irren fand er mitDr. Pouzin mehr als zwanzig Kiesel von der Grösseeiner Kastanie.