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diese endlich ihre Maske fallen und ergossen sich inSchmähungen gegen die Nonne.
[Die Sccnen in der Mark Brandenburg, die Cal-mcil nach Simon Goulard [Ilisloires admirablcsTom. 1. p. CO.) mitthcilt, berichtet Möhsen 1 ):
„Zu Friedeberg in der Neumark wurden 1593 sechs-zig und nach und nach 150 Menschen vom Teufel be-sessen, die in der Kirche vielen Unfug verübten, sodass der Prediger M. Heinrich Lcmrich, der sich vorherviel mit diesen Leuten abgegeben und unterredet hatte,sich einstmals selbst auf der Kanzel, da er davon pre-digte, wie ein Besessener geberdete, und auch dafürgehalten wurde; welches die Macht des Teufels nochmehr in Ansehen brachte. Deswegen wurde von demKonsislorio anbefohlen, in allen Kirchen in der Marköffentliche Gebete zur Befreiung der Menschen von derGewalt des Teufels anzustellen; das Uebel wurde aberdadurch nicht gehoben. Es nahm vielmehr den Wegeiner ansteckenden Krankheit des Verstandes. Wennan einem Orte ein'Besessener war, so fanden sich gleichmehrere, die sich ebenso hatten und aus Einbildung mitfortgerissen wurden. Wüsste man nicht in neuern Zei-ten die Geschichte der Nonnen zu Loudun und derzwanzig Stück Besessenen zu St. Annaberg (C hri-s t i a n II ö pner’s Acta privata, betreffend diejenigeKrankheit, womit Personen unterschiedenen Geschlechtsund Alters zu St. Aunaberg von 1713 — 1719 über-fallen worden. Leipzig 1720.) im Erzgebirge und soviele andere Begebenheiten dieser Art, so würde mansolches für unwahrscheinlich halten. In Spandow bekamein llutmachergeselle 1594 einen ähnlichen Paroxysmus,und in kurzer Zeit wurden etliche dreissig bis vierzigMenschen damit befallen, die allerlei Gaukeleien undKontorsiouen machten, unter denen Einige, wie Mond-süchtige oder wie Wurm kranke, auf den Schornsteinen,
1) Geschichte der Wissenschaften in der Mark Brandenburg.Berlin 1781. S. 501.