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Dächern und Brunnen mit Lebensgefahr herumkrochen.Der llath Hess eiserne Ringe in den Mauern befestigenund die Besessenen dieser Art mit Ketten daran fest-schliessen, wodurch das Uebel etwas gemindert wurde.Die Geistlichen bestärkten diese armen Leute in ihrerverrückten Einbildung und brauchten sie, ihre Lehrsätzevon der Gewalt des Teufels zu bestätigen. Lökcl hatdie Geschichte der Besessenen mitgctheilt. War ein geist-licher Amtsbruder gelinder in seinen Predigten umd lärmteund polterte nicht über die neuen Moden und redete nichtdem Teufel und seiner Gewalt das Wort, so wurde ervon dem Teufel durch die Besessenen selbst ermahnt,,seine Gemeinde mit mehreren! Eifer zu bestrafen und mitErnst anzugreifen, wie solches dem Superintendenten zuSpandow, Albrccht Colerus, begegnete, welchen derIlutmachergesclle deshalb zu vermahnen von einem Engelwollte Befehl erhalten haben. L ö k e 1 sagt ganz ver-nünftig, dass dieser Mensch wahnsinnig gewesen undvon dem Henker ein Brandmark verdient hätte. DasUnwesen in Spandow machte indess so viel Aufsehen,dass Churfürst Johann Georg die vornehmsten Theologenvon Berlin und Frankfurt dahin schickte, um die Sachezu untersuchen. Ihre Bedenken sind nach damaliger Ein-sicht abgefasst. —
In Frankfurt an der Oder hatte der Teufel auch seinSpiel. Eine Fischerstochter aus Lebus begegnete 1536einem Soldaten auf dem Felde, der gegen Versprechung,ihr viel Geld zu geben, sie zu seinem Willen beredete;wie seine Begierdcu befriedigt wurden, bemerkte sie,dass er grässliche Augen machte und Hörner hatte; sieüberzeugte sich, dass sie mit dem Teufel zu thun ge-habt, weil sie den Kerl seitdem nicht wieder gesehen.Von der Zeit an geberdete sie sich als eine Besesseneund wurde nach Frankfurt gebracht. Das Auffallendewar: wenn sie mit den Händen an der Wand strich, sobekam sie die Hand voll Geld. — Die Geschichte wurdein allen Hexenbüchern aufjrenommen und machte damalssehr viel Aufsehen.” Möhsen meint, wenn man die