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Der Wahnsinn in den vier letzten Jahrhunderten / nach dem Französischen des Calmeil bearbeitet von Dr. Rud. Leubuscher
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Geschichte mit Vernunft untersuchte, so fiele alles Wun-derbare gleich weg. Es war ein melancholisches, geilesund geiziges 3Iädchcn, das, durch Wollust und Geld-begierde verleitet, sich mit einem unbekannten Kerl ab-gegeben hatte; bei oder gleich nach der That war ihrdie Furcht angetreten, dass sie nach den vielen damalsim Schwange gehenden Erzählungen und Tcufelshistorienmit dem Teufel selbst zu thun gehabt; zumal da sich derKerl verlaufen hatte. Die Furcht machte, dass sie sichbesessen glaubte, wobei sie ihre Einbildung mit Betrugund Gaukelei auszierte, um noch mehr Geld zu bekommen.Das Geld hatte sie tlieils von dem Kerl, und nachhervon gutherzigen Leuten, die ihr Mitleiden durch Almosen-geben bezeugen wollen, erhalten. Es blieb nach derErzählung wirkliches Geld, so wie es zu der Zeit in derMark coursirte, anstatt dass, nach den gewöhnlichenHexengeschichten, dergleichen Geld in Scherben oderSteine verwandelt wird. Wenn sie das Geld in der Handwies, steckte sic cs geschwind ins Maul und that alswenn sic es kaute und herunterschluckte, um cs wiederhervorholen zu können. Als man es ihr wegnahm, sohörte ihr Vorrath auf; sie nahm aber Nadeln und behieltsic im Munde, bis sie selbst der Possen endlich über-drüssig wurde. L.~\

11. Die Dämonomanie in Lothringen. (158095.)

Die Hauptnachrichten über den Teufelswahn inLothringen sind in dem Werke von Remigius ent-halten, welches 1596 in Köln erschien. Nach ihm sindin dem Zeiträume von fünfzehn Jahren blos in Lothrin-gen, wo er Kriminalprokurator war, 900 Unglücklichewegen ihres angeblichen Verkehrs mit dem Teufel gc-tödtet worden. In der Schilderung, durch die sichRemigius bemüht, den wirklichen Verkehr mit demTeufel nachzuweisen, werden die schon zum Oefternerwähnten Data wieder vorgebracht. Der Teufel giebtihnen Pulver, Salben, Gifte verschiedener Art; das Geld