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meine Mutter haben mir eine Salbe gegeben, ich weissnicht woraus sic bestand. Fr. Bist du durch die Ein-reibung mit dieser Salbe Wolf geworden? A. Nein, dochich habe das Kind Cornicr getödtet und aufgezehrt; ichwar Wolf, als ich cs verzehrte. Fr. Warst du Wolf, alsman man dich festnahm? A. Ich war Wolf. Fr. Warstdu als Wolf verkleidet? A. Ich war so angekleidet, wieich es jetzt bin, aber mein Gesicht und meine Händewaren blutig, weil ich eben von dem Fleische des Kin-des gegessen hatte. Fr. Waren die Fiissc und Händezu Wolfsklaucn geworden? A. Ja. Fr. War der Kopfzum Kopf eines Wolfes und der Mund grösser geworden?A. Ich weiss es nicht; ich habe meine Zähne gebraucht;ich habe noch andere Kinder aufgezchrt ; ich bin auchbeim Sabbat gewesen.
Der Lieutenant crimincl verurtheilte Roulct zumTode. Er appellirtc an das Parlament zu Paris, und die-ser Gerichtshof erkannte, es steckte mehr Tollheit in demarmen Unglücklichen, als Zauberei und Bosheit, und be-fahl , Roulct auf zwei Jahre in das zur Aufbewahrungvon Irren bestimmte Hospital von St. Gcrmain des Preszu stecken, damit er dort unterrichtet und zur Erkennt-niss Gottes zurückgcführt würde, die er in seiner bitternArniuth ausser Acht gelassen
Es scheint sicher, dass das Kind Cornicr von denWölfen verzehrt worden ist; es lässt sich aber die Frageaufwerfen, ob cs von lloulet oder von den Wölfen ge-tödtet worden sei? Es ist leicht denkbar, dass Roulct,der blutarm war, seit acht Tagen in den Wäldern her-umirrte, wahrscheinlich vom Hunger gequält, halb wahn-sinnig, seines klaren Bewusstseins schon verlustig, sodass er glaubt, zu Zeiten Wolf werden zu können, sichauf das Kind gestürzt und es getödtet habe. Seine Händesind mit Blut besudelt, er selbst gesteht den Mord desKindes, er erkennt die Personen, welche den Leichnamdes Kindes den Wölfen entrissen haben; so scheint er
1) De laue re, I.’incrc'diilitö et mecreaiice du sortile^e i>luinemcit couvaincue. tu 4° 1622. i>. 7Sä ct sq.