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der eigentliche Tliäter zu sein. Es ist, jedoch nicht un-möglich, dass sich die Sache auch anders verhalte. Alsder Vater Cornier auf das Geschrei seines Kindes hinzu-eilt, sieht er zwei Wölfe, die von dem schon zerfleisch-ten Körper fortfliehen. Wie wären die Wölfe sogleichdazu gekommen, wenn Roulet das Kind umgebracht,oder wie würde Roulet seine Beute sogleich verlassenhaben“? Es ist wahrscheinlich, dass wirkliche Wölfe dasKind Überfällen, getödtet und angefressen haben; wiedies in jenen mit dichten Waldungen bedekten Gegendenhäufig genug geschah; dass Roulet gerade in der Nähe indemselben Gehölze lag, und da er der Ueberzeugung war,dass sein Kousin und sein Bruder sich ebenso wie er inWölfe umwandeln könnten, die entfliehenden Wölfe fürseine Verwandten gehalten habe, die sich gar nicht andemselben Orte befänden. Während die beiden Wölfeverfolgt wurden, mag Roulet die günstige Gelegenheitbenutzt haben, an den Ucberblcibseln des Leichnams sei-nen Hunger zu stillen, wobei er seine Hände und seinGesicht mit Blut besudeln musste.
14. Marthc Brossicr 1 ). (1599.)
Im Frühling des Jahres 1598 verlicss Marthc Bros-sicr, die Tochter eines Tuchhändlers aus Romorant in inSolognc, mit ihrem Vater und ihren Schwestern ihre Ilei-math; sie erbat sich auf ihrem Wege überall geistlicheHülfe, um den Dämon auszutreiben, der in ihr sässe undheftige Konvulsionen verursachte. Schaarcnweise strömteihr das blindgläubige Volk zu. — Miron, Bischof vonAngers, und der Official von Orleans unterwarfen sie einersehr genauen Prüfung. Es schien ihnen, dass der Teu-fel gar Nichts mit ihrer Krankheit zu thun habe, dasssie ihre Besessenheit blos simulire. Unter Strafe der Ex-
1) Die von C a I in e i t noch vorher mitnetheilte Geschichte von derHinrichtung des Aupetit, Pfarrers von Payas in Limousin, ent-hält nichts wesentlich Neues. Kr läugnct erst Alles und erstnachdem er auf der Tortur gelegen hatte, gestellt er seinenUmgang mit dein Teufet.