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Der Wahnsinn in den vier letzten Jahrhunderten / nach dem Französischen des Calmeil bearbeitet von Dr. Rud. Leubuscher
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schon eine Menge von Kenntnissen besass, auf die wiruns jetzt so viel einbilden. Was aber die Wirkung derGeister auf den Organismus betrifft, so schliesst sichWillis hier ohne Rückhalt den Theologen an. DieSeele kann momentan fortgebracht werden, Dämonenkönnen sich in die Gänge des Nervensystems hinein-stehlen und hier innerhalb bestimmter Grenzen wirken.Die stimulirende Thätigkeit dieser schädlichen Wesenoder feiner Gifte, welche sie in den Organismus einge-führt habeu, bewirkt tausend Störungen, und besondersdiejenigen, die man bei den eigentlichen Besessenenbemerkt. Man darf nicht jedesmal bei ungewöhnlichenZufällen annehmen, dass der Teufel im Spiele sei, undgleich jedes alte Weib für eine Hexe halten, aber dieEinwirkung der Teufel existirt doch. So kam es, dassdie verschiedenen Aufschlüsse, die Willis über dasNervensystem gegeben, wirkungslos blieben, da er selbstdie mögliche Frucht wieder vernichtete.

1679 erschien das grosse Repertorium der patho-logischen Anatomie, das Sepulchretum des Bonetus,bald darauf die Medicina septentrionalis '), ziemlich voll-ständige Sammlungen von dem, was die Wissenschaftdamals enthielt und geleistet. Für unsern Gegenstandgiebt er nichts Neues, nur das, was Fe melius,Baillou, Sennert, Plater schon mitgetheilt. Beiden Beobachtungen über Manie und Melancholie ist diegrosse Bedeutsamkeit auffallend, die man früher denMilzkrankheiten bei Geistesstörungen zuschrieb. Wil-lis, Iligh more, Glisson, Bartholin hatten zwarschon darauf aufmerksam gemacht, dass man diesenEinfluss zu hoch anschlüge. Einzelne Fälle von Bonetzeigen, wie sehr man bei manchen partiellen Delirienan einen sympathischen Einfluss einer Krankheit des

1) Theopli. Boncti Sepulchretum sive Anat. practica etc. 1700.3 Vol. in fol. Medicina septentrionalis collatitia sive fteimedicinae nuperis annis a medicis anglis, germauis et danisemissae sylloge et syntaxis. 2 Vol. in fol. Genevae 1686.