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Der Wahnsinn in den vier letzten Jahrhunderten / nach dem Französischen des Calmeil bearbeitet von Dr. Rud. Leubuscher
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138
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Delancre sah ihu sieben Jahre nach seiner Verurtei-lung; er fand ihn klein, sehr scheu, er wagte Niemandenins Gesicht zu sehen; die Augen tiefliegend, die Zähnelang, breit und nach hinten stehend, die Nägel schwarz,lang und an einzelnen Stellcu abgenutzt; sein Verstandschien ganz eingetrocknet, er konnte die einfachsten Dingenicht begreifen. Er erzählte Delancre, dass er frü-her als Wolf umhergeschweift wäre, und gestand, er hättejetzt noch Neigung, das Fleisch kleiner Kinder zu ver-zehren, am liebsten das kleiner Mädchen, weil es zarterwäre. Zweimal hätte ihn in seiner Gefangenschaft derHerr vom Walde besucht, er hätte ihn aber durch dasZeichen des Kreuzes verjagt J ). Grenier starb in sei-nem zwanzigsten Jahre im Kloster des cordeliers.

2. Eine Frau glaubt mit einem Incubus Umgang zuhaben; das Parlament in Paris veriirtlicilt sie zumTode. (1606.)

Unter dem Vorsitze von Seguier und Mole bestä-tigte das Parlament in Paris ein Todesurtheil, welches einRichter in der Auvergne gegen eine alte Frau ausgespro-chen hatte. Sie hatte folgende Geständnisse abgelegt 1 2 ):

Vor ungefähr einem halben Jahre schien, als ich ander Seite meines Mannes eingeschlafen war, etwas aufunter Bett zu fallen; ich wachte erschreckt auf. In ei-

1) Delancre 1. c. p. 305. 308.

Calmeil bezweifelt die Wirklichkeit der von Grenier ver-suchten und verübten Jiordthaten. Es ist ihm unwahrscheinlich,dass ein Knabe seines Alters es gewagt haben sollte, wirklichKinder und sogar Thiere anzufallen. Es ist sicher, dass Jeanin seinem Wahnsinn manche Aussagen erdichtet; der Berichtüber seinen Vater zeugt dafür, eben so die Angaben der Mit-schuld von andern Nachbarn, die Erzählung, wie ihn der Teu-fel eingeweiht. Aber er hat noch später im Kloster frischesFleisch mit Gier verschlungen, und den Faktis der Mordinono-rnanie gegenüber, die wirklich existirt, wie dergleichen Fälleauch in unsern Zeiten Vorkommen, kann ich das Raisounemcntvon Calmeil nicht für richtig halten. L.

2) Delancre, Increduliti et jm6cr6ance etc. p. 791, 792, 793.