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ersten Angriffen der Soldaten auf die kalvinistischen Ver-sammlungen im Vivarais: „Eine Prophetinn, die man ge-fangen «renommen hatte, rief fortwährend: Schneidetmir die Arme, die Beine ab, ich werde keinen Schmerzempfinden; sie weigerte sich, Nahrung zu sich zu neh-men, aus Furcht, den heiligen Geist zu beleidigen, dersie ernährte. Ihr Bruder war ebenso wahnsinnig, als sieselbst. Er machte die seltsamsten Schilderungen vomTeufel; der heilige Geist sprach durch seinen Mund; erwollte ein grosserer Prophet sein, als Moses; er wollteSteine in Brot verwandeln; endlich behauptete er, selbstdie Person Jesu Christi darzustcllen. — Als sich einmaldie Truppen anschicktcn, auf die Versammelten zu feuern,wollten Mehrere entfliehen, aber die Propheten schaltensie Verdammte und sagten ihnen, dass sie Alle den hei-ligea Geist besässen, und dass die Soldaten den Gläubi-gen, die unter dem Schutze der heiligen Engel ständen,Nichts anliaben könnten, und dass sie doch Alle in’sParadies kämen. So sagten Einige, dass sic sich vonEngeln, wie von Insektenschwärmen, umgeben sähen;Andere sahen die Engel, weiss wie Schnee und von derGrösse eines Fingers, um sich herumflattern; Einige er-blickten ihren Priester in einem weissen Gewände amHimmel einherschreiten. Als die Truppen wirklich feuer-ten, wankte der Ilaufe zuerst, theilte sich; sie umarmteneinander und hauchten sich in den Mund, um sich denheiligen Geist mitzutheilen; dann schritten sie muthigvorwärts in dem Gedanken, dass sie unsterblich und un-verwundbar seien, oder wenigstens nach wenigen Tagenwieder auferstehen würden. Es sollen damals an 300 —400 getödtet und verwundet worden sein. — Die tapferstenOfficiere Ludwigs XIV. erklärten, nie etwas Aehnlichesgesehen zu haben, u'nd dass sie eine solche Verachtungdes Lebens und der Schmerzen ohne Wahnsinn für un-möglich hielten. Auch nach dem Zeugnisse von Brueyswaren die kalvinistischen Theomanen ganz ausser Stande,die Folgen ihrer wahnsinnigen Entschlüsse zu berechnen;sic zweifelten keinen Augenblick an dem Beistände, der