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Der Wahnsinn in den vier letzten Jahrhunderten / nach dem Französischen des Calmeil bearbeitet von Dr. Rud. Leubuscher
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ihnen vom Himmel kommen sollte. Ein Kolonel machteeinen Angrill' auf eine Schaar von Fanatikern, die sichin den Klüften des Berges Cheilharet versammelt hatte.Während nun von der Höhe der Felsen Steine auf dieInfanterie und Dragoner herabregneten, gingen die Pro-pheten und Prophetinnen den Truppen wüthend entgegen,bliesen aus Leibeskräften auf sie los und schrieen dabeimit lauter Stimme: turtara, tartara! Sie glaubten fest,das würde hinreichen, um die Soldaten in die Fluchtzu schlagen, aber als sie sahen, dass diese sich inihrem Vorrücken nicht stören licssen und dass die Be-geistertsten ebenso gut wie die Andern niedergeworfenwurden, ergriffen sic die Flucht *). Die Erscheinung,dass die Propheten glaubten, mit der blossen Kraft ihrerWorte oder mit ihrem Athem eine Armee in die Fluchtzu schlagen, wiederholte sich mehrmals. Es kam vor,dass eine jimge Proplietinn sich wie eine Schlange zi-schend auf die Soldaten warf, so dass man sie tödtenmusste, um ihren Angriffen und ihrer Wuth ein Endezu machen. Ein Anderer bat die Soldaten, ihn todt zuschlagen, damit er sofort in den Himmel komme. Währendeines Gefechts, wo die Soldaten fast blos niedermetzel-ten, stellte sich die Prophetinn Sarra, die Tochter desTheomanen Beraud, vor die Musquetiere, blies und schrieaus Leibeskräften: tartara! Als ihr Vater schon ge-fallen und sie selbst gefährlich verwundet war, behauptetesie doch noch, den heiligen Geist in sich zu tragen,und erst nach sechzig Stunden, als sie gut gegessenund geschlafen hatte, fing sie an, zur Besinnung zukommen. Ihr Vater Beraud ist ein sehr charakteri-stischer Fall von Wahnsinn. Es war ein Mann vonsechszig Jahren, Ackersmaun, für sein Alter noch starkund rüstig. Anfänglich hatte er sich ganz vernünftigbenommen, war von den Versammlungen fern gebliebenund hatte seine Kinder sogar möglichst davon zurück-

1) linieys, IJistoire du fauatisme de notre tcinps. 3 Vol. inl$uo. Tom. 1. p. ISO.