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Fanatismus hineiugezogen. Die Krankheit verbreitetesich mit ungeheurer Schnelligkeit. Nach Brueys gabes Versammlungen, an denen drei- bis viertausend Men-schen Theil nahmen 1 ). Madame von ß . Wittwe einesParlamentsrathes von Grenoble, war durch die Impro-visationen einer Prophetinn, Namens Isabcau, inspirirtworden; der Intendant des Dauphine begleitete sie zuihrem Wohnsitze bei Liveron. Auf dem Wege dahinsteckte sic durch ihre Improvisationen an dreihundertPersonen an 2 ). — Für einen Propheten, den man
festnahm, erstanden sogleich zwanzig andere.
Die Theomanen im Dauphine machten es bei ihrenWahrsagungen fast ebenso wie die alten Sibyllen. Wenndiese den Hauch der Begeisterung ankommen fühlten,so riefen sie aus: „Siche, Gottes Geist durchdringt uns!”Dann fielen sie um, warfen sich in konvulsivischen Be-wegungen hin und her, und fingen noch mit dem Schauinain Munde au zu prophezeien. Um das Jahr 1700waren es in den Ccvenncn besonders Frauen und Kinder,welche der psychischen Ansteckung anheimficlen. „Ineiner Stadt schienen alle Frauen und Mädchen wie vomTeufel besessen”, sagt der Marquis von Villars, derendlich den Krieg gegen die Kamisarden beendete 3 ).
Es waren die Kinder, dieselben Kinder, welche diePapisten ihren Eltern entrissen und in ihrer Religionerzogen hatten, die als neu erstandene Propheten ihreEltern wieder aus ihrer geistigen Lethargie herausriittelten.Die Papisten suchten sie zu verdächtigen, als wenn sievon Betrügern und Lügnern cinstudirt wären. Man liessEinzelne durchpeitschen, Andern wurden die Fusssohlcnverbrannt, aber umsonst; die Zahl der jungen Prophetenwuchs und stieg in den Cevennen uud in Nieder-Langucdocbald bis in die Tausende. Der Indendant der Provinz fragtedie medicinische Fakultät von Montpellier um Rath 4 ),
1”) Brueys I. c. Tom. I. p. 145, 168.
2) Ibitl. Tom. I p. 131-
3) Yie du marechal de Villars p. 325.
4) Le theätre sacre des Cevennes etc. iu 12 m(J * Londrcs 1707. p 17.