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seine eigene Narrheit durch einen Mischmasch einigerBibelstellen heilig mul ehrwürdig zu machen '). DerBischof von Nimes giebt an, dass das Delirium der Theo-mauen zuerst in dem Gehirn eines Protestanten aufgekeimtsei, der die nach Genf geflüchteten Theologen besuchthabe.
In einzelnen Zügen finden sich Gebräuche der früherenAnabaptisten wieder. Nach der Angabe von Brueyswaren die ersten Theomanen weiter Nichts als Betrüger,die mit den Wundern der Apokalypse ein Spiel trieben,um die Unglücklichen und ihren Fanatismus auszubeuten.Nach ihm soll ein alter Bergbewohner, aufgehetzt voneinem Verein nach Genf geflüchteter protestantischerPriester, mitten im Gebirge eine Schule des Fanatismusgestiftet haben, wo er hauptsächlich durch anhaltendesFasten junge Menschen in Ecstase versetzte und aufImprovisationen über religiöse Gegenstände, als wenn sievom heiligen Geiste begeistert wären, hinleitete. Es istschon 'vor längerer Zeit die Bemerkung ausgesprochenworden, dass der Stifter der Schule wohl selbst ein Tlieo-mane gewesen sein mag. Uns scheint diese Voraussetzungbeinahe gewiss, und auch Flechicr widerspricht ihrnicht. Wahrscheinlich kam der erste Trupp von Pro-pheten von dem Berge Peyra im Dauphine. Es war einkrankhafter Trieb, der sie beseelte a ). Und gesetzt auch,der Stifter der Schule, der erste Theomane, wäre einBetrüger gewesen, was übrigens auch deshalb sehr un-wahrscheinlich ist, weil sich eine solche Krankheit inallen ihren Zügen schwer nachbilden lässt, so würdedaraus doch noch nicht folgen, dass die Theomanic derAndern simulirt gewesen sei. Die Zahl der Theomanensuchte man allerdings so viel als möglich zu vermehren.Wer für einen wirklichen Propheten gehalten werdenwollte, musste als solcher vor einer grossen Versamm-lung anerkannt sein, und die Anerkennung wurde mit
1) Flichier* Relation des fanatiques. Tom. 1. p. 370 .
2) Braejs I. c. Tom. 1. p. 103,