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einer gewissen Feierlichkeit in’s Werk gesetzt. — AmSchlüsse einer Versammlung endete der Prophet, der denVorsitz führte, gewöhnlich damit, dass er, nachdem erzu wiederholten Malen den Schrei der Barmherzigkeitausgestossen und eine gewisse Zahl von Psalmen hatteabsingen lassen, mit der Mehrzahl der Gläubigen sichauf die Erde hinwarf. Wenige Augenblicke später fühlteer dann den Sporn der Begeisterung. Nach Vollendungseines Vortrages näherte er sich den Neophyten, die erder Prophetengabe für würdig erachtete, und hauchte inden Mund des Einen mit den Worten: „Empfange denHauch des heiligen Geistes!” Sofort begann der neuErwählte wie durch Inspiration zu reden, und wenn ermit seiner Prophezeiung zu Ende war, so hauchte er denGeist wieder einem Andern ein u. s. w.
Diese neuen Propheten waren aber offenbar schonlange vorher krank, ehe man die Ceremonie mit ihnenvornahm. Die Meisten, welche sich dazu meldeten, hattenschon vorher die Annäherung des heiligen Geistes in sichempfunden. So ging er z. B. auf ihren Schenkel über,wenn sie den Kopf eines von Konvulsionen ergriffenenPropheten auf ihren Knieen hielten; der Schenkel schienihnen dann von Eisen zu sein, und ein Schauer durch-bebte den ganzen Körper. Sie fielen nicht blos in denVersammlungen um, sondern auch auf dem Felde und inihren Wohnungen; um glauben zu machen, dass in ihremHinfallen etwas Wunderbares und Göttliches liege, sagtensie, es ginge ein Schauer und Schwäche, wie bei Fie-berkranken, voran; sie mussten vorher ihre Arme undBeine dehnen und mehrmals gähnen; wenn sie auf derErde lagen, so hatten sie auch Konvulsionen; es tratihnen Schaum vor den Mund, ihr Bauch wurde aufgetrie-ben ; die Zufälle dauerten zuweilen mehrere Stunden, undzwar bei alten Leuten gemeiniglich längere Zeit, als beijungen J ). Das Hineinblasen in den Mund war also nichtdie Ursache ihrer Gehirnaffektion, sondern es ermuthigte
1) ßrueys 1. c. Tom. 1. p. 156.
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