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Der Wahnsinn in den vier letzten Jahrhunderten / nach dem Französischen des Calmeil bearbeitet von Dr. Rud. Leubuscher
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phezeien und nahmen Tlieil an den Versammlungen derFanatiker. Die Kinder des Richters zu Vigan, der dieKalvinisten mit grossem Eifer verfolgte, überkam der hei-lige Geist. Unter den Kalvinisten selbst wurden zuwei-len diejenigen plötzlich von Konvulsionen befallen, dienoch kurz vorher über die Verdrehungen ihrer Glaubens-genossen gelacht und gespottet hatten.

In dieser Weise dauerte der Wahnsinn der Kalvini-sten in dem südlichen Theile von Frankreich, der in sei-nen äussern Erscheinungen noch am meisten Aehnlichkeitmit der Exaltation der Methodisten *) darbietet, nahe anzwanzig Jahre. Die grösste Höhe erreichte er 1689. DiePropheten wurden damals zu Hunderten hingemordet undausgerottet, aber alle Qualen, die man ihnen auferlegle,mehrten nur ihre Gluth. In den letzten Jahren des sieb-zehnten Jahrhunderts, wo äusserer Friede herrschte, konnteman das Fortbestehen der Theomanie noch jedesmal con-statiren, wenn die Kalvinisten sich schaarenweisc zu denVersammlungen, welche die Priester hielten, einfanden.Bei dem Vernichtungskriege im Anfänge des achtzehntenJahrhunderts, wo den eindringenden Truppen jeder lüss-breit Landes streitig gemacht wurde, erhoben sich Hau-fen von Propheten und Prophetinnen. 1701 wurden zwei-hundert Inspirirte auf einmal auf die Galeeren geschickt.Als 1704 Villars den Oberbefehl in Languedoc übernahm,fand er ganze Städte von Theomanen vollgestopft undCavalier’s Soldaten, des berühmten Führers der Kalvini-sten, erweckten überall, wo sic durchzogen, Staunen undVerwunderung. Auch in der Fremde, wohin viele Kalvi-nisten sich geflüchtet, dauerten ihre Anfälle, ihre Ecstasen,ihre Ilallucinationen noch fort. So erzählt Shaftesbu-ry 1 2 ) von den nach England geflüchteten Kalvinisten ausdem Jahre 1709. Die zurückgebliebenen Kalvinisten, vondenen ein grosser Theil die katholische Religion annahm,

1) GrAgoire, Histoire des sectes religienses T. 1.

2) Co oper Astley S li af t es h u r y , Lettre sor l’cntli oosiasmetrad. de l’anglais. 1709. in 12° p. 71.