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kranke um die Ruthe, um die Hoden, Frauen um dieBrustwarze Bänder herumschnüren, bis Geschwulst undEntzündung dieser Theiie darnach cintritt. Wir habendieselbe Erscheinung in Schlachten, wo die Wunden erstam Ende des Gefechts anfangen zu brennen, und die schla-gendsten Beispiele in der Geschichte der Flagellanten.Bei vielen Konvulsionärs in Paris erklärt sich die Wuth,mit der sie nach Martern verlangten, durch den Exalta-tionszustand ihrer Geschlechtsorgane. Es wird nämlichauch von ihnen berichtet, dass sich Viele ohne Rückhaltden zügellosesten Ausschweifungen hingaben, aber immernoch unter dem Deckmantel der Religion. Gott habe dieAbsicht, sagten sie, dass seine Kirche, ehe sie erhöhtwerde, durch den Schmutz und durch tiefe Erniedrigunghindurchgehe.
Unverwundbar waren die Konvulsionärs keineswegs;sehr Viele von ihnen bekamen grosse Ekchymosen (Blut-austretungen) und Kontusionen an allen Thcilen, wo dieSchläge hingefallen waren. Dass aber die fürchterlichenSchläge sie nicht mehr verwundeten, lag zum Thcil daran,dass sie sich blos in den Krampfanfällen so behandelnlicssen; die allgemeine Anspannung der Muskeln, diestarke Auftreibung des Leibes musste die Heftigkeit derSchläge bedeutend abstumpfeu. Ausserdem bediente mansich zu den Schlägen gewöhnlich sehr umfangreicherKörper mit glatten oder abgerundeten Oberflächen, diebei weitem nicht so gewaltsam einwirken, als biegsame,schmale Körper mit scharf abgeschnittenem Ende, wieStricke oder Geissein.
Die wunderbaren Heilungen von Kranken, welchedurch die Kraft des Diakonus Paris zu Stande gekommensein sollten, durch Berührung der Erde seines Grabes,eines Holzsplitters von seinem Bette, durch das Trinken
lind noch einen halben Zoll von hinten her in die rechte Lungehineiugetriehen. — Der Kranke musste mehrere Minuten zu-gebracht haben, um das Messer so tief in die Brust hineinzn-schicben, und musste langsam mit den Fingern nachgebohrthaben. L.