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Wir haben der Spuren des Yampirismus im Alter-tliume schon einmal Erwähnung gethan. Ueber die Stri-gen, Lamien und Empusen vergleiche hauptsächlich dasschon oft citivte Werk von Sold an S. 43. Bekanntist die Anekdote aus dem Alterthume, wo der berühmteApollönius von Tyaua auf einer seiner Reisen seinenSchüler Menipp antrifft, wie er gerade im Begriff steht,sich mit einem wunderschönen, aber ganz unbekanntenWeibe zu vermählen. Ein glänzendes Mahl ist bereitet,Apollonius aber erkennt durch die schöne Verhüllung dieKinpuscnnatur, und trotz ihrer flehentlichen Bitten mussdas schöne Weib öffentlich gestehen, dass sie eine Ein-puse sei. Damit verschwindet das ganze Gastmahl, undihres Zaubers beraubt, erscheint sie in sclieusslicherGestalt. — So erscheinen diese Phantasmen den Grie-chen als schöne Weiber. Sie verwandeln sich noch inandere Gegenstände; so sagt die eine Empuse zu Me-phistopheles: In Vieles könnte ich mich verwandeln,doch euch zu Ehren, habe ich jetzt, das Esclsköpfchenaufgesetzt. Als sie Mephistopheles fassen will, habensie sich unter seinen Händen in eine Schlange, in einel'hyrsusstange mit einem Pinienapfel als Kopf u. s. w.'verwandelt. In der scheusslichen Form, als auferstan-dene Leichname, welche das Blut ihrer Verwandten aus-saugen, kommen die Vampire in jüdischen Traditionenvor. Eine Menge von Gebräuchen bei den Begräbnissender Juden basiren auf diesem Glauben. Man giebt denTodten ein Messer in die Hand, damit sie sich gegenAngriffe vertheidigen können; mau legt einen Erdklossunter das lvinn und schlägt die Zipfel des Leichentuchesein, damit sie am Kauen des Tuches verhindert werden.Auch bei Christen soll später der Gebrauch vorgekommensein, so wie Rolle nhagen aus Sachsen erzählt, dass manden Todten einen Stein oder Pfennig in den Mund legte,„damit, wenn derselbe im Grabe zu beissen anfange, er aufden Stein und Pfennig beisse und sein Gebiss verderbe” 1 ).
1) M. Michael Ranfts, Piakoni zu Nebra, Traktat von demKauen und Schmatzen derTodten in Gräbern u.s. w. Leipzig 1734.