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Iin Mittelalter hat die Sage von den Strigen und Vam-piren keine selbständige Form, sie vermischt sich mitdem Glauben an Hexen; es sind nicht die Leichname,die aus den Gräbern aufstehen und die Lebendigen tödteuwollen, sondern die Ilexen selbst, die sich in Thiereverwandeln oder wenigstens durch Hülfe eines Dämonsin solche verwandelt zu sein scheinen, besonders inKatzen, und durch die kleinsten Oeffnungen in Thiirenund Fenstern hiudurchzuschlüpfen wissen, sich an dieWiegen der kleinen Kinder heranschleichcn. Hauptquellefür diese Gestaltung des Wahns ist die früher oft erwähnteSchrift von Barthol. de Spina: De strigibus apologiaerga Ponzinibium, dann Willich: Possint ne veneficaere vera sese in catos atque canes vertere ahpic hircoinequitare. 1547. — Es war damals dem Glauben desVolkes unmöglich, sich irgend ein durch seine Neuheitund Plötzlichkeit wunderbares Ereigniss, als welchesz. B. ein schneller Tod immer betrachtet wurde, ohneEinwirkung der Hexen zu denken, und so wurden dieHexen die Träger und Vermittler auch dieser Sage, wiedie Erscheinung sich häufig wiederholt, dass, wo einWunderglaube vorwaltend dicGeinütber in Anspruch nimmt,die übrigen Sagen in den Hintergrund gedrängt, theilweiseverbleichen, theilweise ihre Selbständigkeit verlieren undnur noch als Zierarten benutzt werden. Bei den eigent-lichen Hexenschriftstellern des Mittelalters habe ich keinenFall von Vampirismus in der Weise der alten Sagegefunden. Ranft (1. c. §. 56) erzählt von HerculesSaxouicus {de plica Cap. XI.), „dass, als im Jahre1572 in ganz Polen die Pest herrschte, der Leichnameiner gewissen Weibsperson aus dem Dorfe Rliezur inder Vorstadt zu Lemberg an der Kirche der Erhöhungdes Kreuzes begraben wurde. Bald darauf fing die Pest anin den benachbarten Häusern zu wüthen. Diejenigen,so es anging, muthmaassten, es müsse dieses Weibeine Hexe gewesen sein. Es ward der Körper wiederansgegraben und nackend befunden. Jedweder schlossdaraus, sie müsse ihre Kleider gefressen haben. Sie