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5. Der Mesmerismus. Konvulsivische Erscheinungenu. s. w. werden von Mesmer der Einwirkung einesallgemeinen Fluidums zugeschrieben.
Unter die functionellen Störungen, welche durchihre aussergewöhnliche Erscheinung Erstaunen erregen,gehören auch die Symptome des sogenannten thierischenMagnetismus. Sie scldiessen sich passend den Erschei-nungen der Besessenheit, der Bezauberung u. s. w. an;hier wie dort ist es eine Störung der Sensibilität, welcheauf das Centralorgan zurückwirkt und Störungen derIntelligenz, der Bewegung hervorruft, oder eine auf-geregte Phantasie, die vom Centralorgane aus die übri-gen Systeme der Nerventhätigkeit zu seltsamen Erschei-nungen anregt. Man war am Ende des achtzehntenJahrhunderts noch nicht befähigt, sich die von Mesmerhervorgebrachten Erscheinungen natürlich zurechtzulegen ;die Erfolge der Magnetiseure wurden noch ebenso, wiedie der Zauberer, der Exorcisten, einer geheimuissvollenfernliegenden Macht zugeschrieben. Mesmer 1 ), derim Jahre 1778 (im Februar) in Paris auftrat, verküudetepomphaft, dass er ein mächtiges Mittel in Händen habe,den Organismus umzu formen und alle Krankheiten zuheilen. Bald strömte eine grosse Zahl von Kranken inseinem Hause zusammen. Es sind meistens Frauen,die an hysterischen Zufällen leiden; auch die Männer,die sich einfinden, leiden mehr an einem allgemeinen,unbestimmten Unwohlsein. In einem grossen Saalemüssen Alle schweigend Zusammenkommen; in der Mittesteht ein hölzerner Kasten ( bcujuet ) mit eisernen Hakenan seinem Deckel, mit denen sich ein Theil der Kran-ken in Verbindung setzen muss. Alle sind durch einenStrick, der um ihren Körper geschlungen ist, mit'ein-ander verbunden} die eigentliche Kommunikation aber wird
1) Cf. Kluge, Versuch einer Darstellung des animalischen Ma-gnetismus als Heilmittel. Berlin 1811. Einleitung S. 48.