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Christian Ludwig Liscov.
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Gelehrter dasjenige worauf er seine Gedan- wendig an den Fenstern sitzen bleiben. Ist nun
ken vornehmlich zu richten gewöhnet ist, allent- die Kälte draußen mäßig, so erblicken wir sie
halben. in der Gestalt eines Wassers, und es heißt, die
Ich fastete also den Entschluß, mich an alle Fenster schwitzen. Ist es aber sehr kalt, sodwse wachende Träumer nicht zu kehren; son- 5 verlieret das Wasser, durch die gewaltsame Zu-bern zu versuchen, ob ich nicht durch eigenes sammendrückung, seine Mäßigkeit und aus demNachsinnen der Natur hinter die Künste kom- Schweige der Fenster wird ein förmüches E,s."eil, und die wahre Ursache der wunderbaren ' Da nun also dieses Eis aus den Ausdun-
Figuren auf meiner qefrornen Fensterscheibe er- stungen der in einem Zimmer befindlichen Cörper
gründen könnte. 10 entstehet: so ist es klar, daß man alles, was
Die Mühe,' so mich diese Untersuchung ge- an diesem Eise merkwürdiges ist, aus den Aus-kostet hat, ist gewiß groß gewesen; aber sie ist dünstungcn, woraus es entstanden, erklären
mir auch durch die vortreffliche Entdeckung, die müsse.
ich gemacht habe/ mehr als doppelt belohnet Die Ausbildungen sind nicht alle einer Art;
worden. Ein jeder der mich kennet, wird mir 15 sondern, nach Beschaffenheit der Cörper, unter-das Zeugniß geben' daß ich gar nicht prahlhaft schieden. Es muß also das aus selbigen an denbin. Ich halte von mir mäßiglich, und habe Fenstern entstehende Eis, nach dem unterscheid
mich ausser dem Nothfall, noch niemalen selbst der Ausdünstungen, auch unterschiedene Gestal-
gelobet. Ich will es auch jetzo noch nicht thun, ten bekommen; und folglich ist der Grund allerin der festen Hoffnung, daß Sie, mein Herr, 20 Figuren, die man auf einer Fensterscheibe sehenmeine Scharfsinnigkeit erkennen werden, ohne kann, in dem Unterscheid der Ausdünstungendaß ich nöthig habe, mit Hindansetzung der mir zu suchen. ^ ^
angebohrnen Sittsamkeit, Ihnen die Wichtigkeit Meine Fensterscheibe ist auch eine Fenster-
und Vorlrefflichkeit der von mir entdeckten neuen scheide, und mit gewissen Figuren bemahlet,
und nützlichen Wahrheiten anzupreisen. Die 25 Wenn ich also wissen will, warum drese Figu-That mag für mich reden; und wofern Sie je- ren so, und nicht anders, geworden sind: so
malen etwas gehöret und gelesen haben, das muß ich nothwendig auf ihren Ursprung zurück
mit den tiefsinnigen Gedanken, die ich über gehen, und untersuchen, wie die Ausdünstungenmeine gesrorne Fensterscheibe gehabt habe, nur beschaffen gewesen, aus welchen sie entstanden sind.einigermaßen in Vergleichung zu ziehen ist: so 30 So dachte ich, mein Herr, und diese Er-gebe ich Ihnen die Freyheit, inskünftige nichts danken reuen mich noch nicht. Denn wie ein-
von mir zu halten. faltig sie auch, beim ersten Anblick, scheinen:
So bald demnach die Gesellschaft, die ich so sind doch die Folgen, die ich ganz unge-bey mir gehabt, aus einander gegangen war, zwungen daraus gezogen habe, so herrlich, sosieng ich an zu grübeln; nicht zwar, was doch 35 vortrefflich, so nützlich, daß ich es nicht aus-die seltsamen Figuren meiner Fensterscheibe vor sprechen kann. Nachdem ich diesen Grund ge-Geheimnisse in sich fassen möchten: denn diesen leget hatte, war es mir leicht, hinter die Wahr-Wahn, daß die Figuren etwas sonderliches zu heil zu kommen.
bedeuten hätten, hatte mir der Ritter Cockburn Ich hatte den Lag vorher eine große Ge-
schon genommen; sondern nur, woher dieselben 40 sellschast gelehrter Leute von allerhand Art beyentstanden? mir gehabt. In einer solchen Gesellschaft wird
Ich wußte, daß nichts ohne Ursache ge- gemeiniglich viel geredet. Ich gerieth also aufschichr, und daß also auch ein zureichender Grund die Gedanken, daß der Athem dieser gelehrtenvorhanden seyn müßte, warum die Figuren Versammlung ein grosses zu den wunderbarenmeiner Fensterscheibe so wunderbar geworden. 45 Figuren meiner Fensterscheibe beygetragen habe.Ich bilde mir ein, daß ich diesen Grund ent- wo nicht gar die einzige Ursache derselben ge-decket habe. Wesen sey; und diese Gedanken kamen mir um
Sie wissen, mein Herr, daß die Fenster nur so viel gegründeter vor, je unstreitiger es ist,frieren, wann es sehr kalt ist, und daß sie nicht daß die stärkste Ausdünstung des menschlichenfrieren, als in einem Zimmer, das bewohnet so Cörpers durch den Athem geschiehet. Die Aus-und geheizet wird. Die Ursache davon ist diese, dünstungen aber der in einem Zimmer besindli-weil eine warm gemachte Stube mehr Ausdün- . chen Cörper sind die Ursache, warum die Fen-stungen hat, als ein Zimmer, das nicht geheizet , ster bey kaltem Wetter mit Eis beleget werden,wird. Ich setze demnach voraus, daß das Eis, Ich hatte also glücklich entdecket, was es
welches wir zur Winterszeit an den Fenstern 55 vor Dünste gewesen, welche verursachet, daßwahrnehmen, von nichts anders, als von den meine Fenster gefroren. Aber darum wußte ichAusdünstungen der in dem Zimmer befindlichen noch nicht, woher die seltsamen und nachdenk-Eörper, entstehet. Es ist keine Zeit des Jahres, lichen Figuren entstanden. Ich mußte also weiterda nicht solche Ausdünstungen vorhanden; aber nachsinnen: Sollte nun meine Mühe nicht ver-bey gelindem und warmem Wetter bleiben sie 60 geblich seyn, so war es nöthig, daß ich dieunsichtbar, weil nichts ist, das ihre Ausbreitung Natur der Ausdünstungen, die den Stoff zuund Verfliegung verhindert. Sie zerflattern also den seltsamen Figuren meiner Fensterscheibein der Luft, ohne daß wir derselben anders, abgegeben hatten, genauer untersuchte. Ichals etwan durch den Geruch, wahr werden. Im that es, und befand, daß diese Ausdünstungenaber, wann die Kälte groß ist, können 65 in dem Athem der in meiner Stube versamm-ste sich mcht so ausbreiten. Sie suchen zwar leten Gelehrten bestanden; daß dieser Athemals sonst, eine Oeffnung; aber größtentheils von ihnen gegangen sey, wann sieihnen den Ausgang. Zu- gesprochen, um ihre Gedanken auszudrücken,rucke können sie nicht: so müssen sie also noth- Aus diesen unstreitigen Wahrheiten machte ich