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Christian
folgenden Schluß, den ein jeder, der fähig ist,oon der Slärke und Schwäche eines Beweiseszu urtheilen, nothwendig für bündig und un-umstößlich erkennen muß
Unsere Gedanken sind Bilder der Dinge, 5so ausser uns sind: Die Worte, die wir spre-chen, sind Bilder unserer Gedanken. Sprechenist nichts anders, als den Athem auf eine ge-wisse Art von sich lassen. Der Athem bestehetin gewissen Ausdünstungen. Folglich sind die 10Worte, die wir sprechen, nichts als Ausdün-stungen unsers Cörpers. Da nun aber dieWorte Bilder unserer Gedanken, und die Ge-danken Bilder der Dinge, die ausser uns sind:so sind auch die Ausdünstungen unsers Mundes, 15wann wir sprechen, Bilder der Dinge, dieausser uns sind. Wann nun diese Ausdünstun-gen, durch die Kälte zusammengedrücket, sicht-bar werden: so werden auch die Gedanken,deren Bildniß diese Ausdünstungen vorstellen, 20sichtbar. Werden die Gedanken sichtbar; somüssen wir auch nothwendig die Bilder derDinge, die ausser uns sind, und von welchenwir reden, in diesen sichtbar gewordenen Aus-dünstungen erblicken- L. II- ') 25
Nach dieser tiefsinnigen Betrachtung warmir alles auf meiner Fensterscheibe klar unddeutlich. Ich erinnerte mich der geführten Re-den und war also im Stande, fast von einerjeden Figur meiner gesrornen Fensterscheibe eine 30gründliche Ursache zu geben.
Wir hatten von der Mathematik, Astrono-mie, Chymie, und Mythologie, von der he-bräischen, arabischen, chinesischen und malaba-rischen Sprache, vom Festungsbau, von Co- 35meten, von Donner und Blitz, und ich weißnicht, von wie viel andern Dingen geredet.Der 1). Bromley, der in den Figuren meinerFensterscheibe so hohe Geheimnisse gefunden,hatte uns eine lange Stelle aus seiner Erklä- 40rung der Offenbarung Johannis vorgelesen, inwelcher von der grossen Hure, die auf denWassern sitzet, und von der Zahl des Thiersgehandelt wurde.
Alle diese schöne Raritäten sehen Sie auf 45meiner gefrornen Fensterscheibe- Zwar in ziem-licher Unordnung: aber dieses ist kein Wunder:ich wundere mich vielmehr, daß eine solcheMenge Ausdünstungen von so unterschiedenerArt nicht noch auf eine wunderlichere und ver- 50wirrtere Weise vermischet worden. Es ist mei-nes Bedünkens, noch ziemlich ordentlich herge-gangen, und ausser dem Thiere mildem Mcn-schenkopf, den Bockshörnern und dem Ratzen-schwanze, wüßte ich keine einzige Figur auf der 55ganzen Fensterscheibe, deren Ursprung ich nichterklären wollte. Vielleicht ergründe ich auchnoch, woher dieses Thier entstanden- Da esmir mit meiner Fensterscheibe so weit gelungenist, so verzage ich an nichts. oo
Es ist mir schon mit den musicalischen Notenso gegangen- Anfangs wußte ich in der Thatnicht, was ich daraus machen sollte. Ich er-innerte mich nicht, daß wir von der Musik ge-
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redet hatten, und wunderte mich also ungemein,wo diese deutlichen Roten hergekommen- End-lich siel mir bey, daß ein Sänger aus derOpera, der mit einem von der Gesellschaft,welcher ein Poete war, etwas zu reden, gehabthatte, auf einige Minuten in meiner Stubegewesen war. Da verschwand meine Verwun-derung, und ich bin gewiß versichert, daß mandie Ursache dieser Noten in diesem Sänger su-chen muß. Es sey nun, daß er mit dem Poe-ten, ohne daß ich es gewahr worden, von derMusik geredet, oder daß die Ausdünstungenseines Cörpers überhaupt so harmonisch gewe-sen, daß sie nicht anders, als in der Gestaltdes Anfangs einer Arie, sichtbar werden können.Ich will mir darüber den Kopf nicht zerbrechen;sondern zu wichtigern Dingen schreiten.
Den 1). Bromley,*) der, als ein Geistlicher,keinen Widerspruch vertragen kann, und inson-derheit in seinen Erklärungen der OffenbarungJohannis ebenso verliebt ist, als der bekannteJurieu war, hat es sehr geschmerzet, daß ichdie Figuren meiner gesrornen Fensterscheibe ausnatürlichen Ursachen zu erklären gesucht, unddadurch die vortrefflichen und erbaulichen Ge-danken, die er darüber gehabt hat, umgestoßenhabe. Er hat sich demnach bemühet, meineErklärung lächerlich zu machen.
Sie werden sehen, mein Herr, daß alles,was er zu dem Ende gesagt, nichts heiffe:Aber die Aufrichtigkeit, die ich in der Unter,suchung meiner Fensterscheibe bisher gewiesenhabe, erfordert, daß ich Ihnen auch von denEinwürfen, die man mir gemacht hat, Nach-richt gebe.
Er frug mich neulich ganz höhnisch: Warumdann, wenn die Figuren meiner Fensterscheibebloß von dem Athem der in meiner Stubeversammleten Gelehrten entstanden, nicht alleFenster so bemahlet worden? Und was danndie einzige Scheibe sonderbares an sich ge-habt habe, wesfails alle die gelehrten Ausdün-stungen sich auf derselben versammlet? Ich ant-wortete ihm kürzlich: Es sey darum geschehen,weil sie zerbrochen gewesen. Denn da die Luftden stärksten Zug nach der in der Fensterscheibebefindlichen Oeffnung gehabt: so sey es keinWunder, daß alle Ausdünstungen mit dahingerissen worden; und weil nun wegen der Mengeder Dünste ein Gedränge entstanden: so sey esgar was Natürliches, daß ein gut Theil der-selben zurücke bleiben müssen; und zwar ebenauf der zerbrochenen Fensterscheibe, als zu wel-cher sie sich alle gedrungen, und also auch sonstnirgends, als auf derselben, die Verwandelungleiden können. Ich erläuterte das, was ichgesagt hatte, mit dem Gedränge einer MengeVolks, das zu einer Thür hinaus will, und dergute 0. Bromley verstummete.
Sonst hat niemand wider meine Erklärungetwas einzuwenden gehabt: Und wie wäre esauch möglich, da sie so gründlich ist? Michbeucht, ich habe mit unwidertreiblichen Gründendargethan, daß die Figuren meiner Fenster-
ls »rat Uuinnnütiuixlui» , d. i. was zu beweise» war.
"> ES ist wirklich ei» ». Bromley in England, der über die Offenbarung Johannis geschrieben hat; welchesich aber zu der Zeit, als ich dieses schrieb, nicht wußte.