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Christian Fürchtegott Gcllert.
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selben; und wie können sie das, da sie keinenReiz an ihnen finden? Sie bleiben auf derOberfläche der Gelehrsamkeit; sie erfüllen ihrGedächtniß mit Worten und Begriffen der Ge-lehrten, ohne daß ihr Verstand dadurch gebildet,oder angebauet wird. Und was brauchen siezu ihren Absichten mehr, als die Figur derWissenschaft, als die Miene der Gelehrsamkeit,eine geringe Kenntniß der Sprachen, und das
werden von Andern für rühmlich erkläret, diedoch weder gut, noch nützlich, ja die der Weltoft schädlich sind. Wag ist, um nur ein ein-ziges Beyspiel zu geben, die fruchtbarste Quelleder Freygeistern und des Scharfsinns, den manangewendet hat, die Religion zu bestreiken?dcnstentheils eine ungezaumte Begierde nachRuhm, ein Geiz auf die Ansprüche eines großen
Verstandes, der ru stolr, sich von gemeinen , - - - -
Meynungen regieren zu lassen, die Einsichten 10 Echo etlicher Lehrbücher, wenn ste nur sur dre-ganzer Nationen übertreffen will; eine Begierde, s°s, .--der lenes Amt, für diese reiche Pfründe,
sich alles zu erlauben und bey dem Kützel der für zene Genchlsstelle, für diesen Titel, für ,ene
Ungebundenheit noch' die Ehre eines großen Verbindung m.t einem angesehenen Hause für
Geistes zu eelanaen ^ den Hunger, oder für die Eitelkeit studilen?
Leute die aus den aewöbnlichen Absichten 15 Also, dürfte man sagen, brauchen wir keinesiudiren. bestrafen sich in^em künftigen Leben mittelmäßigen Gelehrten? Also sollen nur die
--st selbst. Die Bewunderuna der Beyfall der besten Köpfe studiren? Einbildung! Wie sol-
Welt sind ^cht allezeit so zuverlässiger len geringe Aemter besetzt weichen? Mit großen
Lohn der Gelehrsamkeit - und man versagt denen Geistern. Winden sich diese dazu schicken .
di° Ehre am ^ ver- 20 Und wo sind denn d,e großen Geister?
rathen, daß sie dieselbe sucben und daß sie bloß Ich will erstlich zugeben, daß die Welt
aus Ehrgeiz die Wiffenschaftcii getrieben haben. mittelmäßige Gelehrte nöthig hat. Aber ge-
2hre Absicht ihr Herz gibt in ihre Arbeiten, langen denn die Gelehrten dieser Art nur zu
w ihre Art zu denke? über und ein stolzer niedrigen Aemtern? Haben sie nicht oft dasTon verräth^ gemeiniglich den Geist eines sol- 25 Glück, oder Unglück, m höhere zu ^-n r»ch°n Gelehrten, und empört die Gemüther wider denen sie keine Eigenschaft, als d ° Ve weg,w>hn. Wie unruhig müssen wir nicht am Ende heit besitzen. Ringen nicht d l 6.
werden, wenn wir sehen, daß uns die G-lehr- nach großen Stellen, die °m wen gst--» w'ffen
samkeir nicht zu den Stufen der Ehre oder des was Kunst und Wissenschaft ist; und^ab n sieReichthums erhebt, die wir beständig im Auge 30 nicht in ihrer Unverscham hett, Nwder-S°h°bt haben! Werden wir nicht die Welt trächtigkeit die starkstn, Mittel, wich ige Aemter
lassen, weil wir sie für undankbar ansehen; an sich zu reißen? Sie entziehen Andern, d e
und werden wir nicht gelehrte Menschenfeinde geschickter und bescheidner sind, als sie, die
""dm, weil wir nach unsern Gedanken so un- Stelle, zu welcher sie gcbohren waren, und ,n
glücklich ohne Belohnung gearbeitet zu 35 der sie den größten Nutzen wurden gestiftet
haben? Gesetzt aber, daß man seine Endzwecke haben. Ist es denn ein geringes Verbrechen
^reicht, wird nicht die unreine Quelle unsers gegen oie Republik, ein Amt zu verwa en, aFleißes in alle unsere Kenntnisse einstießen, und man nicht verwalten kann .sie vergiften; und, wenn sie auch uns nicht Es ist auch so gewiß nicht daß zu geringe»
schadet, doch der Welt schaden? Ein stolzer, 40 Aemtern nur mittelmäßige Gelehrte gehören,
ein geiziger, ein eitler Gelehrter, ist ein be- Dürfen diesenigen, die das gemeine Volk offen-
schwerliches, und für die Ruhe seiner Mitbürger sich lehren, nur Halbgclehrte seyn, weil sie un-
gefährliches Geschöpf. Er verhindert den Nutzen, geschickte Zuhörer unterrichten? Oder Mren
den seine Wissenschaften stiften könnten, indem sie nicht aus diesem Grunde um so viel meyr
er sie verhaßt, oder verächtlich macht; und sein 45 Einsicht, Gründlichkeit, Verstand un sv -'Beyspiel verführt nur desto mehr, je mehr seine tigkeit im Vortrage haben, um die Wavrneiien
gelehrten Verdienste schimmern. Wie oft wer- der Religion desto glücklicher in den Veriranv
den wir endlich unsern Fleiß auf unnöthige, solcher Menschen überzutragen, die ldn seltenoder doch nicht auf die löblichsten Dinge wenden, geübt haben, und ihn deswegen nicht gebrauchenwenn wir bloß unsern Leidenschaften bey dem 50 können? Kann man behaupten, daß zu demStudiren dienen! Wie leicht werden wir unser sorgfältigen Unterrichte der Jugend auf Schu-Genie verkehren, und es nicht zu der Art der lcn, nur ein düstrer Kopf mit Wörtern undWissenschaften, zu der es uns neigt, anwenden, Sentenzen gehört? Die Verständigsten unterbloß weil wir bey einer andern unsre Absicht den Gelehrten sollten zu diesen Bedienungengewisser, oder eher zu befriedigen hosten! Der 55 gezogen, und durch Belohnungen von allep ArtGedanke: diese Wissenschaft ist die Mvdewisten- darinnen erhalten werden,
schaft unsrer Zeiten, diese Kunst lohnt mit Ohne Genie, und aus niedrigen Absichten
reichern Einkünften, die Wichtigkeit derselben studiren, heißt die Wissenschaften verunehren,verspricht uns frühere Ehrenstellen, die Schwie- sich selbst beschimpfen, die Ordnung der Natur
rigkeit einen größern Namen; dieser Gedanke 60 und der Welt umkehren. Jener würde einwird uns der Ruf werden, sie zu wählen. Wir guter Landmann, ein glücklicher Kaufmann, ein
werden eilen, die Früchte zu brechen, ohne die wackerer Soldat geworden seyn. Er studirte,
Zeit der Reife und unsrer Kräfte abzuwarten. ich weis nicht, warum, und er ist ein elenderMan bedenke ferner, daß die Meisten, die Gelehrter. Er will seinem Amte ein Genüge
sich aus unedlen Absichten dem Studiren wid- 65 thun, und er peiniget sich selbst, aus Mangelmen, wenig oder gar kein Genie haben. Ver- der Kräfte, oder er wird träge, weil ihm das
lassen von dem, was man Geschmack an den Studiren eine Last ist, und vernachlässiget seine
Wissenschaften, was man Neigung zu ihnen Pflichten- Viele solcher Elenden bleiben be-nennt, dringen sie nie in das innere Wesen der- ständig, oder doch lange Zeit, ohne Beförderung,