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Friedrich Gottlieb Klopstock.
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grammatischer, bisweilen recht feiner Schwäzer,aber kein Grammatiker. Er walte freylich gerndie Sprachähnlichkeil und die selbstge-machte Wortbestimmung zu einer Artvon Mächten erheben, und sie dem Tyrannen 5hier und da entgegen stellen; aber sein Bestre-ben bleibt ohne Wirkung, und diese kleinenMächte können wider den Tyrannen nichtsausrichten. Soll die Sprachähnlichkeil gelten,so muß sie's in ihrem ganzen Umfange: und 10der wäre kein geringerer, als daß wir lauterRegeln ohne Ausname bekämen. Die meistenvon dcney, die sich unter uns an Untersuchungender Sprache gewagt haben, lieben nichts sosehr, als selbstgemachte Wortbestimmungen; aber 15sind die denn darum in der Sprache auch vor-handen, weil man sie ihr andichtet? JedeSprache ist gleichsam ein Behältnis der eigen-sten Begriffe eines Volks. Was würde in unserBehältnis nicht alles hineingeworfen, und was 2»nicht herausgenommen worden seyn, wenn manda nur so nach Belieben schallen und waltenkönnte? Aber es geht nun einmal damit nicht,und die Nation denkt, wie sie denkt, und nichtwie es die wol haben möchten, die vornämlich 25deßwegen, weil sie die Sprache nicht kennen, soviel Langes und Breites über Bedeutungen,welche die Wörter nicht haben, Hererzählen.
Ganz anders ist es mit denjenigen, welchenicht durch Regeln und Bemerkungen, sondern 50durch Beyspiele, zu der Ausbildung der Sprachebeytragen. Diesen muß die Sprachähnlichkeileine Gesetzgeberin seyn; sie dürfen aber auchauf der andern Seite gewiß das Kleinere thun,nämlich den Bedeutungen derer Wörter, die sie 35lenksam finden, hier und da eine etwas ver-änderte Bedeutung geben, da ihnen das Grössere,nämlich neue Wörter zu machen, erlaubt ist.Und auch hier muß die Sprachähnlichkeit wenig-stens ihre oftgefragte Rathgeberin seyn; ich 40meine, daß man nur sehr selten nach den Vor-stellungen von der Schönheit der Sprachenüberhaupt verfahren dürfe. Wir müssen denBegrif, den wir uns von dem Sprachgebrauchszu machen haben, auseinander sezen. Sobald 45das Volk, die guten Geselschasten undScribenten <ich schlicsse hierdurch die Rednernicht aus, welche ihre Reden nur halten;, sobald diese übereinstimmen, so gilt gar keineWiderrede, und solt' es selbst gegen die Begriffe 50seyn, was durch diese Uebereinstimmung einge-führt wird. Wir sagen zum Exempel Aller-dings; es ist widersinnig Mehrheit und Ein-heit zusammen zu sezen; es solte Allerdingeoder Allesdings heissen; die Athenienser sag- 55ten zum Exempel die Thiere läuft (unterder Einschränkung, daß das Hauptwort ge-schlechtslos war >; dieß ist eben so widersinnig:aber gleichwol ist jenes deutsch, und diesesattisch-griechisch. Das Volk allein (der ganz 60geringe Mann wird beinah' niemals mit dar-unter begriffen) kann nur in w-nigen Fällenentscheiden, z. E. wenn es darauf ankamt, dieBeschäftigungen und die Werkzeuge des Hand-werkers oder des Ackermanns zu benennen. 65Damit wird gleichwol nicht gemxint, daß mandie Ausdrücke des Volkes in allen andern Punk-te» der Aufmerksamkeit völlig unwürdig haltensolle. In einigen Gegenden sagt es z. E. die
Syndicusse. Vielleicht endigen wir noch mitder Zeit kürzere Namen, als die Brutusse,eben so; aber mit den länger», als die Pom-piliusse wird es wohl nicht geschehn, weil sieschleppend seyn würden- Die guten Geselschaf-ten sollen natürlicher Weise viel mehr entscheidenkönnen. Weil sich aber bei uns fast Niemandetwas daraus macht, seine Sprache auch nurrichtig zu sprechen; und weil man sogar indenen Geselschasten, welche den Namen derguten vorzüglich verdienen, oft aus dem Fran-zösischen übersetzt, indem man deutsch spricht,und dieß wol so wörtlich thur, daß man denen,die nur deutsch wissen, völlig unverständlich ist;so würde es sonderbar seyn, wenn sich die Ge-selschaften mehr als das Volk anmaaffen wollen.Sie, und das Volk sagen z. E. lehre mir;und gleichwol ist lehre mich allein deutsch.Die guten Scribenten sind es also, aufderen Beyspiel es vornämlich ankamt. Wie gernüberliessen sie den Geselschasten einen Theil ihrerBürde. Aber diese wollen ja nun einmal nicht;am wenigsten wollen es die, welche man anHöfen sieht, und sie manchmal so ziemlich blind-lings für die besten hält. Man kann sich hiereine scheinbar schwere Frage einfallen lassen.Die südlichen Deutschen sezen gewöhnlich da dielang vergangne Zeit, wo die nördlichen diejüngstvergangne sezen; jene sagen, ich bingegangen, wo diese, und zwar Volk, Gesell-schaften und Scribenten i'ch ging sagen. Wersoll hier entscheiden? Weil auch die südlichenScribenten sagen ich ging: so wird die Sachedurch ihren Beytritt entschieden. Wie gebildeteine Sprache auch seyn möge; so ist in ihrdoch immer etwas vorhanden, das der Gebrauchnoch nicht festgesetzt hat. Indem hiervon dießoder das von Zeit zu Zeit festgesetzt wird, soist indeß wieder etwas aufgekommen, wobeiman von neuem schwankt. Hierher gehört z.E. ob man leisen Tritts oder leises Trittssagen solle; obgleich jeder stehendes Fußessagt. Bey rief oder rüste schwankt mannicht: denn es ist ausgemacht, daß beydes an-gehe. Hingegen ist bey pries und preiste dieFestsetzung des pries ganz nahe. Bey denHülfswörtern seyn und haben werde» wirwol nie zur völligen Fcstsezung gelangen. Ver-dient haben wir es wenigstens, daß es nie ge-schehe. Denn warum fanden wir nöthig, zueinerley Bedeutung zwey Hülfswörter anzu-nehmen. Der Grammatiker kann außerdem,daß er das Festgesetzte in so wenige und sokurze Regeln fast, als es der Vollständigkeitunbeschadet nur immer angeht, auch über dasFestzusezende seine Meinung sagen; aberwenn er glaubt, daß er die Sache dadurch ent-scheide, so irrt er sich. Denn er hat nur EineStimme. Er muß mit andern ehrlichen Leutengeduldig abwarten, was der Tyrann für einEndurtheil fällen werde- Ich habe den Kanzlei-styl mit Bedacht ausgelassen. Er gehört ebenso wenig zur Sprache, als die Mundartendazu gehören. Ob ein obersächsischer DichterTruz anstatt Troz seze; ein niedersächsischcrFach und Tag reime; ein schweizerischer inMusik die erste Sylbe lang ausspreche, oderob ein Kanzellist zu Jemanden eine tragendeNeigung habe, das ist alles einerley. So etwas