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Friedrich Gottlicb Klopstvck.
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zu vergleichen, in welchen Wörtern von denen,wo das Zeichen fehlt, das h, und in welchendie Verdoplung gebraucht werden solte, würdeschwerer seyn, als darüber überein zu kommen,daß man ein allgemeines Zeichen der Dehnung ein-führen wolte. Welches Zeichen? Nicht die Verdop-lung ; das h auch nicht. Vielleicht einen Ovalzugunter den Selbstlauten. Es käme hier darauf an,den Zug so zu machen und so anzubringen, daßdas Luge nichts dabey zu erinnern hätte. Doch ehwir zu einem allgemeinen Zeichen der Dehnung,und zur Weglaffung ungehörter Buchstabenkommen, wird wol noch viel Zeit hingehn. Daslezte haben schon manche thun wollen: aber esist ihnen mislungen, weil sie es auf Einmal 15haben ganz thun wollen. Vielleicht würd eseher gelingen, wenn man nach und nach immerein wenig in der Sache vornäme. Ist dieß zuhoffen: so ist es auch gut anzufangen. Womit?Das ist fast gleichgültig. Wen» es nun einengäbe. dessen Luge z. E. durch kommt, nimmteben so sehr beleidigt würde, als jezo eines jedenLuge durch Freundschafft, Kraffl (welchesvor kurzem noch da war) würde beleidigt wer-den ; und dieser also lieber komt nimt, als 25kommt nimmt schriebe: so würde man esihm wenigstens denn doch wol verzeihen, daßer ein so grillenhaftes Auge härte, und daherauf die angeführte Art schriebe. Luch würdeman wol nicht sagen können, daß er mit zuVielem auf Einmal ansinge, wenn er zugleichdas tz, als etwas, das kein Deutscher aus-sprechen könte, wenigstens in diesem Jahrhun-derte nicht ausgesprochen hätte, ganz verwürfe.Wer kann denn settsen oder gar settst aus- 35sprechen? Glaubt es einer zu können, so wirder gefragt: Ob er mag, und wenn er möchte,
darf? Der Einwurf, daß, wenn man z. E.nicht setzen, /andern sezen schriebe, das ebei der Aussprache gedehnt werden meiste, wirdihm etwa deswegen kein Einwurf zu seyn schei-5 nen, weil Niemand darauf verfallen wird, dase da zu dehnen, wo er es nie zu dehnen pflegt,und weil er es vor der Schreibverkürzung z infet-sen z. E. sehr gut ungedehnt aussprechenkann; hingegen aber tsen in sett-zen nicht10 aussprechen darf, wenn er es auch könte, odergar möchte.
So weit ginge etwa einer im Anfange;und andern, die wie er glaubten, daß die Recht-schreibung ein Ding fürs Ohr, und nicht fürsAuge wäre, überließe er, nach und nach zuversuchen: 1. Mehr Verdoplungen wegzu-lassen. (Der versteht nichts von der Ableitung,welcher glaubt, daß sie bey dieser Weglaffungleide.) 2. F oder v zu wählen, und das ph20 nicht mehr zu brauchen. 3. Das q ohne u zuschreiben, oder es wegzuwerfen, und, wo esdann nötig wäre, aus das k ein u folgen zulassen. 4. Das th und dt wegzuwerfen. 5. Desc und y nicht ferner zu schonen, und 6. einallgemeines Zeichen der Dehnung festzusezen.Nachdem wir nun längere oder kürzere Zeitmit diesen Veränderungen zugebracht hätten,würden wir mit den Franzosen und Englän-dern, die etwan auch alsdann noch ihre Aller-30 leyzeichen haben möchten, auch in diesenNebendingen, die aber gleichwol mit zur Sachegehören, früher oder später zur Richtigkeit kom-men. Entfernt könte diese zu machende Nich-tigkeit wol noch so ziemlich seyn, weil wir jezoso gar noch nicht einmal mit einander einiggeworden sind, ob wir uns Teutsche oderDeutsche schreiben wollen.
Johann Joachim Winckelmann.
I. Erinnerung über die Lctrachtung der Werke der Linnst.
Willst du über Werke der Kunst urtheilen,so siehe anfänglich hin über das, was sich durchFleiß und Arbeit anpreiset, und sey aufmerksamauf das, was der Verstand hervorgebracht hat:denn der Fleiß kann sich ohne Talent zeigen,und dieses erblicket man auch wo der Fleißfehlet. Ein sehr mühsam gemachtes Bild vomMaler oder Bildhauer ist, bloß als dieses, miteinem mühsam gearbeiteten Buche zu vergleichen.Denn, wie gelehrt zu schreiben nicht die größteKunst ist, so ist «in sehr fein und glatt aus-gepinseltes Bild allein kein Beweis von einemgroßen Künstler. Was die ohne Noth gehäuftenStellen vielmals nie gelesener Bücher in einerSchrift sind, das ist in einem Bilde die An-deutung aller Kleinigkeiten. Diese Betrachtung
wird dich nicht erstaunen machen über die Lor-55 berblätter an dem Apollo und der Daphne vomBernini, noch über das Netz an einer Statuein Deutschland vom ältern Adam aus Paris.Eben so sind keine Kennzeichen, an welchen derFleiß allein Antheil hat, fähig zur Kenntniß00 oder zum Unterschiede des Alten vom Neuen.
Gieb Achtung, ob der Meister des Werks,welches du betrachtest, selbst gedacht oder nurnachgemacht hat; ob er die vornehmste Absichtder Kunst, die Schönheit, gekannt, oder nach65 den ihm gewöhnlichen Forme» gebildet: oderund ob er als ein Mann gearbeitet, oder alsKind gespiclet hat.
Es können Bücher und Werke der Kunstgemacht werden, ohne viel zu denken; ich schließe