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Johann Joachim Winckelmann.
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Helden; Kopf, Arme und Beine und das obersteder Brust fehlen.
Der erste Anblick wird dir vielleicht nichts,als einen verunstalteten Stein entdecken: ver-magst du aber in die Geheimnisse der Kunsteinzudringen, so wirst du ein Wunder derselbenerblicken, wenn du dieses Werk mit einem ru-higen Auge betrachtest. Alsdann wird dir Her-kules wie mitten in allen seinen Unterneh
andern verschlungen, und aus derselben wiederumhervorgewälzet wird: eben so sanft aufgeschwcl-let und schwebend gezogen flieset hier eine Mus-kel in die andere, und eine dritte, die sichzwischen ihnen erhebet, und ihre Bewegung zuverstärken scheinet, verlieret sich in jene, undunser Blick wird gleichsam mit verschlungen.
Hier möchte ich stille stehen, um unserenBetrachrungen Raum zu geben, der Vorstellung
münzen erscheinen und der Held und der Gott 1» ein immerwährendes Bild von dieser Seite ein-
werden in diesem Stücke zugleich sichtbar werden. zudrücken; allein die hohen Schönheiten sind
Da, wo die Dichter aufgeboret haben, hat hier m einer unzertrennlichen Mittheilung,
der Künstler angefangen: Jene schwiegen, so- Was für ein Begriff erwachset zugleich hieher
bald der Held unter die Götter aufgenommen, aus den Husten, deren Festigkeit andeuten kann,und mit der Göttin der ewigen Jugend ist ver- 15 daß der Held niemals gewanket, und nie sich
wählet worden; dieser aber zeiget uns denselben beugen muffen! ^
M einer vergötterten Gestalt, und mit einem In diesem Augenblicke durchführt mein Geist
gleichsam unsterblichen Leibe, welcher dennoch die entlegensten Gegenden der Welt, durch welche
Stärke und Leichtigkeit zu den großen Unter- Herkules gezogen ist, und ich werde bis an
nehmungen, die er vollbracht, behalten hat. 2V die Gränzen seiner Mühseligkeiten, und bis an„ Ich sehe in den mächtigen Umrissen dieses die Denkmale und Säulen wo sein Fuß ru-
Leibes die unüberwundene Kraft des Besiegers hete, gefuhret durch den Anblick der Schenkel
der gewaltigen Riesen die sich wider die Götter von unerschöpflicher Kraft, und von einer den
empöreten, und in den phlegräischen Feldern Gottheiten eigenen Lange die den Held durch
von ihm erleget wurden; und zu gleicher Zeit 25 hundert Länder und Volker bis zur Unsterblich-stellen mir die sanften Züge dieser Umrisse, die keit getragen haben. Ich fmg an diese ent-das Gebäude des Leibes leicht und gelenksam fernten Züge zu überdenken, da mein Geist zu-machen, die geschwinden Wendungen desselben rückgerufen wird durch einen Blick auf seinenin dem Kampfe mir dem Achelous vor, .der Rücken. Ich wurde entzücket, d da ich diesenmit allen vielförmigen Verwandlungen seinen 30 Körper von hinten ansähe, so wie ein Mensch,Händen nicht entgehen konnte. der, nach Bewunderung des prächtigen Portals
In jedem Theile dieses Körpers offenbaret an einem Tempel, auf die Höhe desselben ze-uch, wie in einem Gemälde, der ganze Held in führet würde, wo ihn das Gewölbe desselben,
einer besonderen That, und man siehet, so wie welches er nicht übersehen kann, von neuem in^e richtigen Absichten in dem vernünftigen 35 Erstaunen setzet.
Baue eines Pallaftes, hier den Gebrauch, zu Ich sehe hier den vornehmsten Bau der
welcher That ein jedes Theil gedienet hat. Gebeine dieses Leibes, den Ursprung der Mus-
Ich kann das Wenige, was von der Schul- kein, und den Grund ihrer Lage und Bewegung,ter noch zu sehen ist, nicht betrachten, ohne mich und dieses alles zeiget sich wie eine von dererinnern, daß auf ihrer ausgebreiteten Stärke, 40 Höhe des Berges entdeckte Landschaft, überwie auf zwey Gebirgen, die ganze Last der welche die Natur den mannichfaltigen Reich-himmlischen Kreise geruhet hat. Mit was thum ihrer Schönheiten ausgegasten. So wiefür einer Großheit wächset die Brust an, und die lustigen Höhe» derselben sich mit einemwie prächtig ist die anhebende Rundung ihres sanften Abhänge in gesenkte Thäler verlieren,Gewölbes! Eine solche Brust muß diejenige 45 die hier sich schmälern und dort erweitern: sogewesen seyn, auf welcher der Riese Antäus mannichsallig, prächtig und schön erheben sichund der dreyleibigc Geryon erdrücket worden. hier schwellende Hügel von Muskeln, um welcheKeine Brust eines drey- und viermal gekrönten sich oft unmerkliche Tiefen, gleich dem Stromeolympischen Siegers, keine Brust eines spar- des Mäanders, krümmen, die weniger demramschen Kriegers von Helden geboren, muß 50 Gesichte, als dem Gefühle, offenbar werden,sich so prächtig und erhöhet gezeiget haben. Scheinet es unbegreiflich, außer dem Haupte,
Fraget diejenigen, die das Schönste in > der in einem andern Theile des Körpers eine den-Natur der Sterblichen kennen, ob sie eine Seite kende Kraft zu zeigen, so lernet hier, wiegesehen haben, die mit der linken Seite zu ver- die Hand eines schöpferischen Meisters die Ma-gleichen ist. Die Wirkung und Gegenwirkung 55 terie geistig zu mache» vermögend ist. Michihrer Muskeln ist mit einem weislichen Maaße Keucht, es bilde mir der Rücken, welcher durchvon abwechselnder Regung und schneller Kraft hohe Betrachtungen gekrümmt scheinet, einwunderwürdig abgewogen, und der Leib mußte " Haupt, das mit einer frohen Erinnerung seinerdurch dieselbe zu allem, was er vollbringen wol- erstaunenden Thaten beschäftiget ist; und indemien, tüchtig gemacht werden. So wie in einer 60 sich so ein Haupt voll von Majestät und Wcis-anhebenden Bewegung des Meeres die zuvor heil vor meinen Augen erhebet, so fangen siche Fläche in einer lieblichen Unruhe mit an in meinen Gedanke» die übrigen mangel-splelenden Wellen anwachset, wo eine von der haften Glieder zu bilden: es sammlet sich ein
» - M „n »lrmc und Beine fehlen. Z. 1. als eine" unzesormtcu St Siegers
Lesarten. S. tA. 3. 2. Keys Brust, -lru" Mischen UebeewiuderS. Z. sv. ,partmn,che^ ^
tafle»: A. tz. Jene schweigen -c. Z. «2. geruhet. 2^ ,„pichen", was ei» Drucksehlcr zu sein ' demZ. ,i2. Statt ..Ueblichcu" hat d,e Ausgabe neu L n jz So wie dessen lusttge >c. ..
Z. 12. sind hier ohne Gränzen und in einer unzcrtrcKopfe, Z. 52. ..des Körpers" fclüt. Z. 53. Kraft Zu legen,