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Handbuch der deutschen Prosa von Gottsched bis auf die neueste Zeit : historisch geordnete Sammlung von Musterstücken aus den vorzüglichsten Prosaikern unter Berücksichtigung aller Gattungen der prosaischen Schreibart, nebst einem literarisch-ästhetischen Kommentar / von Dr. Heinrich Kurz
Entstehung
Seite
129-130
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Johann Joachim Winckelmann.

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'Rhodus ein Sohn des Agesandcr gewesen,beweiset die Inschrift der ^ Base einer Statuein der Villa Albani, und die Statue des Lao-coon machet wahrscheinlich, daß auch Polydo-rus ein Sohn des Agesander gewesen sey,weil widrigenfalls sich nicht begreifen läßt , wresich drey Künstler,'ich will nicht sagen, in derArbeit an einer und eben derselben Statue thei-len können, sondern wie sie sich verglichen, daLaocoon, der Vater, eine weit wichtigere undrühmlichere Figur ist, als die beyden Söhnedesselben. Agesander wird folglich den Vaterausgearbeitet haben, und seine beyden Söhnedie Figuren der Söhne des Laocoon.

Die Statue des Laocoon stand ehemals indem Hause des Kaysers Titus, und eben daselbst(nicht aber, wie Nardini und andere vorgeben,in den sogenannten sieben Sälen, als den Wasser-behältern zu den Bädern) wurde sie entdecketin dem Gewölbe eines Saals, der ein Theil derBäder dieses Kaysers gewesen zu seyn scheinet,aber durch eben diese Entdeckung uns den eigent-lichen Ort des Kayserlichen Hauses zeiget, alswelches mit den Bädern vereiniget war. Hierstand Laocoon in einer großen Nische an demEnde des gedachten ausgemalten Saals, vondessen Gemälden sich noch itzo der irrig soge-nannte Coriolanus unter dem Gesimse erhaltenhat.

Plinius meldet, daß die drey Figuren descaoeoon aus einem einzigen Steine gehauenJ^wese», welches ihm also geschienen, weil mankeine Fugx bemerkte, nicht, daß es wirklich sogewesen-, denn ein paar tausend Jahre habenendlich fast unmerkliche Fuge entdecket,welche zeiget, daß der älteste von den zweenSöhnen nicht aus eben demselben Stücke Mar-mor, gearbeitet worden, aus welchem der Vaterund der jüngste Sohn gehauen sind. Den rech-ten Arm des Laocoon, welcher fehlet und vongebrannter Erde gemacht angesetzet ist, hat be-reits Michel Angelo zu ergänzen gedacht,und hat denselben in Marmor aus dem Gröb-sten gehauen entworfen, aber nicht geendiget;es lieget daher dieses Stück unten an derStatue.

Dieser mit den Schlangen umwundene Armwürde sich über das Haupc der Statue herüberbeugen, und es kann dieses -Künstlers Absicht

gewesen seyn, den Begriff des Leidens in Lao-coon, da dessen übrige Figur frey ist, durch dieAnnäherung dieses Arms zu dem Haupte, alsin zween verbundenen Begriffen, stärker zu5 machen, und durch die wiederholten Windungender Schlangen, hierher den größten Schmerzzu legen, welchen der alte Künstler mir demWohlstände und mit der Schönheit der Figur,da beydes hier herrschen sollte, abgewogen hat.-10 Es scheinet aber, es würde der über das Hauptgebogene Arm die vornehmste Aufmerksamkeit,die das Haupt verlanget, zertheilet haben, dader Blick zu gleicher Zeit auf die Schlangen-Gewinde um den Arm würde gerichtet gewesen15 seyn. Es hat Bernini daher den von ihmergänzten Arm in gebrannter Erde ausgestrecket,um das Haupt der Figur frey zu lassen, undum keinen andern Theil demselben oberwärts zunähern. — Die zwo Stufen unten an dem20 Würfel, auf welchem die Haupt-Figur sitzet,scheinen die Stufen zu dem Altare anzudeuten,wo dasjenige, was hier vorgestellet ist, geschah.

Da nun diese Statue unter so vielen kau-fenden der berühmtesten Künstler, die aus allen25 Orten von Griechenland nach. Rom gebrachtworden, hier als das Höchste in der Kunst ge-schähet worden: so verdienet dieselbe bey derniedrigern Nachwelt, die nichts vermögend isthervorzubringen, was diesem Werke nur e»t-30 fernter Weise könnte verglichen werden, destogrößere Aufmerksamkeit und Bewunderung. DerWeise findet darinnen zu forschen und der Künst-ler unaufhörlich zu lernen, und beyde könnenüberzeuget werden, daß in diesem Bilde mehr35 verborgen liegt, als das Auge entdecket, unddaß der Verstand des Meisters viel höher noch,als sein Werk, gewesen.

Laocoon ist eine Statue im höchsten Schmerze,nach dem Bilde eines Mannes gemacht, der die40 bewußte Stärke des Geistes gegen denselben zusammeln suchet; und indem sein Leiden dieMuskeln aufschwellet, und die Nerven anziehet,tritt der, mit Stärke bewaffnete Geist in deraufgetriebenen Stirne hervor, und die Brust45 erhebet sich durch den beklemmten Othem, unddurch Zurückhaltung des Ausbruchs der Em-pfindung , um den Schmerz in sich zu fassenund zu verschließen. Das bange Seufzen, wel-ches er in sich, und den Othem an sich zieht,

, „n.mlls "lmiu>", hat der Herr Cardinal Al-rander Albani im Iahe 1717 in einem großen

1) Zu Nettuno, ehemals . 1 ^ Statue entdecket, welche von schwarzgranlichcm Marmor

Gewölbe, welches un Meere rein derselben -ine Statue von weißem Marmor eingefüget, von weicher sich

ist, den man itzo Bigio nennet; e , welches eine Chlamys war, neben der Base fand: von der Figur

ein Stück einer hängenden mannllckieit Manttts - ^ . .

selbst war keine Spur zu finden. Auf der Bast befindet sich folgende Inschrift

oros , des NgesanderS Sohn, aus Rhorus, hat es gdmacht." Wir lernen aus dieser Inschrift, zSohn am Laocoon gearbeitet haben, und vermuthlich war auch Pvlhdvrus des Agesander"AthanodoruS kann kein anderer sehn, als der, welchen PiininS nennet. Es beweis

,, Alha >, odoros , des Agej

Vater und

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denn dieser AthanodoruS kann kein anderer sehn, als der, welchen Plinius nennet. Es beweget r-rdiese Inschrift, daß sich mehr Werke der Knust, als nur allen, dre,. wie Plinin« will. lBuch 1.) gestmhaben, auf welch- die Künstler das Wort „Gemacht" m vollendeter und bestimmter Zeit aeseNct. "-M

beweiset fcr

, .rvi— .... ,..,iv em (Ltück eines großen Werkes erho

Arven. auf welchem man itzo nur noch ein Stück eines Schildes, und eines Degens, unter demselben hängend,nbcremandcrgcworfene Stücke großer Steine vorgestellet stehet, an deren Fuße eine Tafel angelehnet liegt: >mZierlichst,t und Ausführung dieses Werkes ist kein anderes von nistn, die sich erhalten haben, zu vergleiche»steht dtlstelbe bei dem Bikdbauer Nai tbus.

Arbeit. aus welchem man itzo nur noch ein

Zierlichkeit und Ausführung dieses Werkes ist

- ........ die,es Lvcrres »I rein a

sieht dasselbe bei dem Bildhauer Barthol. Eavaccvvi

Kurz, Pros. «st

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