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Johann Joachim Wmckelmann.
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... mit der Göttinn der Weisheit schwanger >>.,und Augenbraunen, die durch ihr Winken ihrenWillen erklären: Augen der Königinn derGöttinnen mit Großheit gewölbet, und einMund, welcher denjenigen bildet, der dem ge- 5liebten Branchus die Wollüste eingeflößet. Seinweiches Haar spielet, wie die zarten und flüs-sigen Schlingen edler Weinreben, gleichsam voneiner sanften Lust bewegt, um dieses göttlicheHaupt: es scheint gesalbet mit dem Oel der 10Götter, und von den Gratien mit holder Pracht"uf seinem Scheitel gebunden. Ich vergesse allesandere über dem Anblicke dieses Wunderwerksder Kunst, und ich nehme selbst einen erhabenenStand an, um mit Würdigkeit anzuschauen. 15Mir Verehrung scheint sich meine Brust zu er-weitern und zu erheben, wie diejenige, die ichwie vom Geiste der Weissagung aufgeschwellersehe, und ich fühle mich weggerückt nach Delosund in die Lyrischen Hayne, Orte, welche Apollo 20nut seiner Gegenwart beehretc : denn mein Bild
scheint Leben und Bewegung zu bekommen, wredes Pygmalions Schönheit. Wie ist es möglich,es zu malen und zu beschreiben! Die Kunstselbst müßte mir rathen, und die Hand leiten,die ersten Züge, welche ich hier entworfen habe,künftig auszuführen. Ich lege den Begriff,welchen ich von diesem Bilde gegeben habe, zudessen Füßen, wie die Kränze derjenigen, diedas Haupt der Gottheiten, welche sie krönenwollten, nicht erreichen konnten. Mit dieserBeschreibung und insbesondere mir dem Aus-drucke im Gesichte des Apollo reimet sich derBegriff eines Apollo auf der Jagd ganz undgar nicht, als welchen der Bischof Spence indieser Statue finden will. Findet aber jemandhier den Drachen Python nicht erhaben genug,so deute man den Stand dieses Apollo auf denRiesen Tityus, welcher von ihm, da er kaumein Jüngling war, erschossen wurde, weil dieserder Lalona, dessen Mutter, Gewalt anthunwollte.
Gotthold Gphraim Lessing
1. Laokoon, oder über die Grenzen der Malerei und Poesie.
„Sie unterscheiven sich in den Gegenständen und in der Art ihrer Nachahmung."
P lularch.
Mit beiläufigen Erläuterungen verschiedener Punkte der alten Kunstgeschichte.
N o r r e d e.
Der erste, welcher die Malerei und Poesiemit einander verglich, war ein Mann von sei-nem Gefühle, der von beiden Künsten eine ähn-liche Wirkung auf sich verspürte. Beide, empfander, stellen uns abwesende Dinge als gegenwärtig,den Schein als Wirklichkeit vor; beide täuschen,und beider Täuschung gefällt.
Ein zweiter suchte in das Innere diesesGefallens einzudringen, und entdeckte, daß esbei beiden aus einerlei Quelle fließe. DieSchönheit, deren Begriff wir zuerst von kör-perlichen Gegenständen abziehen, hat allgemeineRegeln, die sich auf mehrere Dinge anwendenlassen: auf Handlungen, auf Gedanken sowohl,als auf Formen.
Ein dritter, welcher über den Werth undüber die Vertheilung dieser allgemeinen Regelnnachdachte, bemerkte, daß einige mehr in derMalerei, andere mehr in der Poesie herrschten;daß also bei diesen die Poesie der Malerei, beijenen die Malerei der Poesie mit Erläuterungenund Beispielen aushelfen könne.
Das erste war der Liebhaber; das zweite derPhilosoph; das dritte der Kunstrichter.
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Jene beide» konnten nicht leicht, weder vonihrem Gefühl, noch von ihren Schlüssen eurenunrechten Gebrauch »machen. Hingegen bei benBemerkungen des Kunstrichters beruhet das Meiste50 in der Richtigkeit der Anwendung auf den ein-zelnen Fall; und es wäre ein Wunder, da esgegen Einen scharfsinnigen Kunstrichter fünfzigwitzige gegeben hat, wenn diese Anwendungjederzeit mit aller der Vorsicht wäre gemachtworden, welche die Wage zwischen beiden Künsten gleich erhalten muß.
Falls Appelles und Protogenes, inihren Verlornen Schriften von der Malerei, dieRegeln derselben durch die bereits festgesetzten00 Regeln der Poesie bestätiget und erläutert haben,so darf man sicherlich glauben, daß es mit derMäßigung und Genauigkeit wird geschehen seyn,mit welcher wir noch itzr den Aristoteles,Cicero, Horaz, Quintilian, in ihren65 Werken, die Grundsätze und Erfahrungen derMalerei auf die Beredsamkeit und Dichtkunstanwenden sehen. Es ist das Vorrecht der Alten,keiner Sache weder zu viel, noch zu wenigthun.