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den Montfaucon') nennen. Sie fanden ohneZweifel zwischen dem Kunstwerke und der Be-schreibung des Dichters eine so besondere Ueber-einstimmung, daß es ihnen unmöglich dünkte,daß beyde von ohngefehr auf einerley Umständesollte» gefallen seyn, die sich nichts weniger, alsvon selbst darbieten. Dabey setzten sie voraus,daß, wenn es auf die Ehre der Erfindung unddes ersten Gedankens ankomme, die Wahrschein-keic für den Dichter ungleich größer sey, als fürden Künstler.
Nur scheinen sie vergessen zu haben, daßein dritter Fall möglich sey. Denn vielleichthat der Dichter eben so wenig den Künstler,als der Künstler den Dichter nachgeahmt,sondern beyde haben aus einerley ältern Quellegeschöpft. Nach dem Macrobius würdePisander diese ältere Quelle seyn können.")Denn als die Werke dieses griechischen Dichtersnoch vorhanden waren, war es schulkundigtpueris ckecanlnlui»), daß der Römer die ganzeEroberung und Zerstörung Jliums, sein ganzeszweites Buch, aus ihm nicht sowohl nachgeah-met, als treulich übersetzt habe. Wäre nunalso Pisander auch in der Geschichte des Lao-koon Virgil's Borgänger gewesen, so brauch-ten die griechischen Künstler ihre Anleitung nichtaus einem lateinischen Dichter zu hohlen, unddie Muthmaaßung von ihrem Zeitalter gründetsich auf nichts.
Indeß wenn ich nothwendig die Meinungdes Marliani und Montfaucon behauptenmüßte, so würde ich ihnen folgende Ausfluchtleihen. Pisander's Gedichte sind verloren;wie die Geschichte des Laokoon von ihm erzehletworden, lässt sich mit Gewißheit nicht sagen;es ist aber wahrscheinlich, daß es mir eben denUmständen geschehen sey, von welchen wir nochitzr bey griechischen Schriftstellern Spuren fin-den. Run kommen aber diese mit der Erzeh-lung des Birgils im geringsten nicht überein,sondern der römische Dichter muß die griechische
Tradition völlig nach seinem Gutdünken umge-schmolzen haben. Wie er das Unglück des Lao-koon erzehlet, so ist es seine eigene Erfindung;folglich, ivenn die Künstler in ihrer Boxstellung5 mit ihm harmoniren, so können sie nicht wohlanders, als nach seiner Zeit gelebt, und nachseinem Vorbilde gearbeitet haben.
Quin tus Calaber lässt zwar den Lao-koon einen gleichen Verdacht, wie BirgtI,10 wider das hölzerne Pferd bezeigen; allein derZorn der Minerva, welchen sich dieser dadurchzuziehet, äussert sich bey ihm ganz anders DieErde erbebt unter dem warnenden Trojaner;Schrecken und Angst überfallen ihn: ein bren-15 ncnder Schmerz tobet in seinen Augen; seinGehirn leidet; er raset; er verbündet. Erst, daer blind noch nicht aufhört, die Verbrennungdes hölzernen Pferdes anzurathen, sendet Mi-nerva zwei schreckliche Drachen, die aber bloß20 die Kinder des Laokoon ergreisfen. Umsonststrecken diese die Hände nach ihrem Vater aus;der arme blinde Mann kann ihnen nicht helffe» ;sie werden zerfleischt und die Schlangen schlu-pfen in die Erde. Dem Laokoon selbst geschieht25 von ihnen nichts; und daß dieser Umstand demQu intus nicht eigen, sondern vielmehr all-gemein angenommen müsse gewesen seyn, be-zeuget eine Stelle des Lykophron, wo dieseSchlangen das Beywort der Kindcrfresser führen.30 Sdar er aber, dieser Umstand, bey den Grie-chen allgemein angenommen, so würden sichgriechische Künstler schwerlich erkühnt haben,von ihm abzuweichen, und schwerlich würde essich getroffen haben, daß sie auf eben die Art35 wie ein römischer Dichter abgewichen wären,wenn sie diesen Dichter nicht gekannt hätten,wenn sie vielleicht nicht den ausdrücklichen Auf-trag gehabt hätten, nach ihm zu arbeiten. Aufdiesem Punkte, meine ich, müßte man bestehen,40 wenn man den Marliani und Montfauconvertheidigen wollte. Virgil ist der erste undeinzige'"), welcher sowohl Vater als Kinder von
kupplsnxlnt :mx rdntigultss o»pligusen I, n 212 . „Es scheint, daß Agesander, PolhvornS und Athenodorus,welche sie (die Gruppe» gemacht Naben, um die Wette gearbeitet haben, um ein Denkmal zu hinterlasse»,' welches derunvergleichlichen Beschreibung des Laoten» von Birgil entsprechen mochte," u. s. w.
->»> lbatornnl. s, 2, „Soll ich, was allgemein bekannt ist, erwähnen, was Birgil von den Griechen entnommenhat t daß er sich den Tbcokrit zum Muster seiner Hirtengedichte genommen t und daß er selbst im Landbau die An-zeichen des Sturms und des schönen Wetters aus den Phänomenen des AratuS gezogen t oder baß er die ZerstörungTrojas mit seinem Simon und dem hölzernen Pferd, und allem Ilcbrigen, welches das zweite Buch ausmacht, bey.nahe wörtlich von Pisander abgeschrieben hatt der unter den griechischen Dichtern durch sein Werk hervorragt, das,mit der Hochzeit des Jupiter und der Juno beginnend, alle Geschichten, welche sich in sämmtlichen mittleren Jahr-hunderten bis znr Zeit des Pisander selbst zugetragen haben, in Eine Reihe gebracht und aus den geschiedenenKlüften der Zeiten ein einziges Werk gemacht hat, in welchem unter den übrigen Geschichten auch der UntergangTroja« auf diese Weise erzählt ist. Indem Birgilius diese« getreu übersetzte, hat er seine» Untergang der JlischenStadt fabrizirt. Doch ich übergehe Dieses und Achnlichcs, als etwas, da« schon den Knaben vorgcpredigt wird."
*"i Ich erinnere mich, daß man da« Gemählde hier wieder anführen könnte, welches Enmolp bey dem P etrv»auslegt. Es stellte die Zerstörung von Troja, und besonders die Geschichte des Laokoon, vollkommen so vor, als sieVirgil erzehlet; und da in der nehmlichen Gallerte zu Neapel, in der es stand, andere alte Gemählde von, ZcuriS,ProtogcneS, ApellcS Ware», so ließe sich vermuthe», daß es gleichfalls ein altes griechisches Gemählde gewesensey. Allein man erlaube mir, einen Romandichter für keinen Historien« halten zu dürsten. Diese Gallcrie, unddiese« Gemählde, und dnscr Eumolp habe», allem Ansehe» nach, nirgends als in der Phantasie des Pctrons cristirel.Nichts verräth ihre gänzliche Erdichtung deutlicher, als die offenbaren Spuren einer beynahe schnlcrmäßigc» Nach-ahmung der Virgili schcn Bcschzeibung. Es wird sich der Mühe verlohne», die Vergleichung anzustellen. SoVirgil (Acneid. >1. 1!)g-AI.):
>, Noch ein grösserer jetzt und weit grannvollercr AnblickStellt sich den Elenden dar, und verwirrt die besremdcten Herzen:
Priester, gezogen durch LooS, war Laokoon dort dem NcptnnuS.