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Gotthold Ephraim Lessiiig.
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Hörnern, und so erschien er ohne Zweifel inallen seinen Tempeln, denn die Hörner warenein Sinnbild, welches sein Wesen mir bezeich-nete. Nur der freye Künstler, der seinen Bac-chus für keinen Tempel arbeitete, ließ diesesSinnbild weg; und wenn wir unter den nochübrigen Statuen von ihm keine mit Hörnernfinden'), so ist dieses vielleicht ein Beweis, daßes keine von den geheiligten sind, in welchen erwirklich verehret worden. Es ist ohnedem höchstwahrscheinlich, daß auf diese letzteren die Wuthder frommen Zerstörer in den ersten Jahrhun-derten des Christenthums vornehmlich gefallenist, die nur hier und da ein Kunstwerk schonte,welches durch keine Anbetung verunreiniget war.
Da indeß unter den aufgegrabenen Antikensich Stücke sowohl von der einen, als von derandern Art finden, so wünschte ich, daß man denNamen der Kunstwerke nur denjenigen beilegenmöchte, in welchen sich der Künstler wirklich alsKünstler zeigen können, bey welchen die Schön-heit seine erste und letzte Absicht gewesen. Allesandere, woran sich zu merkliche Spuren gottes-dienstlicher Verabredungen zeigen, verdienet die-sen Namen nicht, weil die Kunst hier nicht umihrer selbst willen gearbeitet, sondern ein bloßes
Hülfsmittel der Religion war, die bey den sinn-lichen Vorstellungen, die sie ihr aufgab, mehrauf das Bedeutende, als auf das Schöne sahe;ob ich schon dadurch nicht sagen will, daß sie5 nicht auch öfters alles Bedeutende in das Schönegesetzt, oder aus Nachsicht für die Kunst undden feinern Geschmack des Jahrhunderts, vonjenem so viel nachgelassen habe, daß dieses alleinzu herrschen scheinen können.
10 Macht man keinen solchen Unterschied, sowerden der Kenner und der Antiquar beständigmit einander im Streite liegen, weil sie einandernicht verstehen. Wenn jenkr, nach seiner Einsichtin die Bestimmung der Kunst, behauptet, daß15 dieses oder jenes der alte Künstler nie gemachthabe, nämlich als Künstler nicht, freiwillignicht: so wird dieser es dabin ausdehnen, daßes auch weder die Religion, noch sonst eineausser dem Gebiete der Kunst liegende Ursache,20 von dem Künstler habe machen lassen, von demKünstler nehmlich als Handarbeiter. Er wirdalso mit der ersten mit der besten Figur denKenner widerlegen zu können glauben, die die-ser ohne Bedenken, aber zu großem Aergernisse25 der gelehrten Welt, wieder zu dem Schütte ver-dammet, woraus sie gezogen worden* **).
"> Der sogenannte Bacchus in dem Mediccischcn Garten zu Rom (beym Möntfaucon 8u,,,,l. nux >1»t. I,p. 231) hat kleine aus der Stirne hcrrorsprossendc Hörner; aber es giebt Kenner, die ihn eben darum lieber zu einemFaune machen wollen. In der That sind solche natürliche Hörner eine Schändung der menschlichen Gestalt, undkönnen nur Wesen geziemen, denen man eine Art von Mittelgestalt zwischen Menschen und Thier ertheilte. Auchist die Stellung, der lüsterne Blick nach der über sich gehaltenen Traube, einem Begleiter deS WcingoticS anstän-diger, als dem Gottc selbst. Ich erinnere mich hier, was Clemens AlcrandrinuS von Alexander dem Großensagt. Es war Alexanders ausdrücklicher Wille, daß ihn der Bildhauer mit Hörnern vorstellen sollte: er war esgern zufrieden, daß die menschliche Schönheit in ihm mit Hörnern beschimpft ward, wenn man ihn nur eines gött-lichen Ursprunges zu seyn glaubte.
**) Als ich oben behauptete, daß die alten Künstler keine Furien gebildet hätten, war es inir nicht entfalle»,daß die Furien mehr als einen Tempel gehabt, die obnc ihre Statuen gewiß nicht gewesen sind. In dem zu Ccryncafand Pausanias dergleichen von Holz; sie waren weder groß, noch sonst besonders merkwürdig; eS schien, daßdie Kunst, die sich nicht an ihnen zeigen können, es an den Bildsäulen ihrer Priestcrinnen, die in der Halle desTempels standen, einbringen wollen, als welche von Stein, und von sehr schöner Arbeit waren. Ich hatte eben sowenig vergessen, daß man Köpfe von ihnen auf einem Abraras, den EhifflctiuS bekannt gemacht, und auf einerLampe beym LicctuS zu sehen glaube. Auch sogar die Urne von Hetrurischer Arbeit beym GoriuS, auf welcherOrestes und Pyladcs erscheinen, wie ihnen zwey Furie» mit Fackeln zusetzen, war mir nicht unbekannt. Allein ichredete von Kunstwerken, von welchen ich alle diese Stücke ausschließen zu können glaubte, lind wäre auch dasletztere nicht sowohl, als die übrigen davon auszuschließen, so dienet es von einer andern Seite, mehr meine Meinungzu bestärken, als zu widerlegen. Denn so wenig auch die Hctrurischcn Künstler überhaupt auf das Schöne gearbeitet,so scheinen sie doch auch die Furien nicht sowohl durch schreckliche Gestchtszügc, als vielmehr durch ihre Tracht undAttributa ausgedrückt zu haben. Diese stoßen mit so ruhigem Gesichte vcm Orestes und Pyladcs ihre Fackeln unterdie Augen, daß sie fast scheinen, sie nur im Scherze erschrecken zu wollen. Wie fürchterlich sie dem Orestes undPyladcS vorgekommen, läßt sich nur aus ihrer Furcht, keineswegs aber aus der Bildung der Furien selbst abnehmenEs sind also Furien, und sind auch keine; sie »errichten das Amt der Furien, aber nicht in der Vorstellung vonGrimm und Wuth, welche wir mit ihrem Namen zu verbinden gewohnt sind; nicht mit der Stirne, die, wieCatull sagt, „der aushauchenden Brust Zorn trägt." Noch kürzlich glaubte Herr Winkelmann, auf einemCarniole in dem Stoschischcn Cabincttc, eine Furie im Laufe mit fliegendem Stocke und Haaren, und einem Dolchein der Hand, gefunden zu haben. (Bibliothek der schönen Wisscnsch. 3. Bd. gg.) Der Herr von Hagedornrieth hierauf auch den Künstlern schon an, sich dic;e Anzeige zu Stutze zu machen, und die Furien in ihren Gcnräldenso vorzustellen. (Betrachtungen über die Malcrcy S. 222.) Allein Herr Winkelmann hat hernach diese seineEntdeckung selbst wiederum ungewiß gemacht, weil er nicht gefunden, daß die Furien, anstatt mit Fackeln, auch mitDolchen von den Alten bewaffnet worden. Ohne Zweifel erkennt er also die Figuren, auf Münzen der StädteLyrba und Maffaura, die Span he im für Furien ausgiebt nicht dafür, sondern für eine drcygcstaltigc Hecatc; dennsonst fände sich allerdings hier eine Furie, die in jeder Hand einen Dolch führet, und es ist sonderbar, daß eben dieseauch in bloße» ungebundenen Haaren erscheint, die an den anderen mit einem Schleyer bedeckt sinv. Doch gesetztauch, cS wäre wirklich so, wie eS dem Herrn Winkelmann zuerst vorgekommen: so würde es auch mit diesemgeschnittenen Steine eben die Bewandtniß haben, die eS Mit der Hctrurischcn Urne hat, es wäre denn, daß sichwegen Kleinheit der Arbeit gar keine Gesichtszüge erkennen ließen, lleberdcm gehören auch die geschnittenen Steineüberhaupt, wegen ihres Gebrauchs als Siegel, ;chon mit zur Bildersprache, und ihre Figuren mögen öfterer eigen-sinnige Symbola der Besitzer, als frcywilliqc Werke der Künstler seyn.
Kurz, Pros. Lit.
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