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Gotttwld Ephraim Messing.
X. Ich merke noch eine Befremdung desSpence an, welche deutlich zeiget, wie weniger über die Grenzen der Poesie und Malerei)muß nachgedacht haben.
„Was die Musen überhaupt betrifc, sagt 5er, so ist es doch sonderbar, daß die Dichter inBeschreibung derselben so sparsam sind, weitsparsamer, als man es bei Göttinnen, denen sieso große Verbindlichkeit haben, erwarten sollte."
Was heißt das anders, als sich wundern, 10daß, wenn die Dichter von ihnen reden, sie esnicht in der stummen Sprache der Maler thun?Urania ist den Dichtern die Muse der Stern-kunst: aus ihrem Namen, aus ihren Verrich-tungen erkennen wir ihr Amt. Der Künstler, 15um es kenntlich zu machen, muß sie mir einemStäbe auf eine Himmelskugel weisen lassen:dieser Stab, diese Himmelskugel, diese ihreStellung sind seine Buchstaben, aus welchener uns den Namen Urania zusammensetzen 20laßt. Aber wenn der Dichter sagen will: Uraniahatte seinen Tod längst aus den Sternen vor-hcrgesehen lStatius Lhebais 8, 551. 552):
„Doch es halte Urania längst aus der Sterne
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Tod ihm verkündet." - - —
warum soll er, in Rücksicht auf den Maler,dazusitzen: Urania , den Radius in der Hand,die Himmeskugel vor sich? Wäre es nicht, alsob ein Mensch, der laut reden kann und darf, 30sich noch zugleich der Zeichen bedienen sollte,welche die Stummen im Seraglio des Türkenaus Mangel der Stimme unter sich erfundenhaben?
Eben dieselbe Befremdung äuffert Spence 35nochmals bey den moralischen Wesen, oder den-jenigen Gottheiten, welche die Alten den Tu-genden und der Führung des menschlichen Lebensvorsetzten. „Es verdienet angemerkt zu werden,sagt er, daß die römischen Dichter von den 40besten dieser moralischen Wesen weit wenigersagen, als man erwarten sollte. Die Artistensind in diesem Stücke viel reicher, und werwissen will, was jedes derselben für einen Auf-zug gemacht, darf nur die Münzen der römi- 45schen Kayser zu Rathe ziehen. — Die Dichter-sprechen von diesen Wesen zwar öfters, als vonPersonen; überhaupt aber sagen sie von ihrenAttributen, ihrer Kleidung und übrigem An-setzn sehr wenig." - 50
Wenn der Dichter Abstracto personisiret, sosind sie durch den Namen, und durch das, was-er sie thun lässt, genugsam characterisiret.
Dem Künstler fehlen diese Mittel. Er mußalso seinen personifirten Abstractis Sinnbilder 55zugeben, durch welche sie kenntlich werden.Diese Sinnbilder, weil sie etwas anders sind,und etwas anders bedeuten, machen sie zu alle-gorischen Figuren.
Eine Frauensperson mit einem Zaum in derHand, eine andere an eine Säule gelehnet, sindin der Kunst allegorische Wesen. Allein dieMäßigung, die Standhaftigkeit bey dem Dichtersind keine allegorischen Wesen, sondern bloß per-sonisirle Abstracto.
Die Sinnbilder dieser Wesen bey dem Künst-ler bat die Noth erfunden. Denn er kann sichdurch nichts anders verständlich machen, wasdiese oder jene Figur bedeuten soll. Wozu aberden Künstler die Noth treibet, warum soll sichdas der Dichter aufdringen lassen, der von dieserNoth nichts weis?
Was Spencer; so sehr befremdet, verdienet,den Dichtern als eine Regel vorgeschrieben zuwerden. Sie müssen die Bedürfnisse der Ma-lerey nicht zu ihrem Reichthums machen. Siemüssen die Mittel, welche die Kunst erfundenhat, um der Poesie nachzukommen, nicht alsVollkommenheiten betrachten, aus die sie neidischzu seyn Ursache hätten. Wenn der Künstlereine Figur mit Sinnbildern auszierct, so erhebeter eine bloße Figur zu einem höher» Wesen.Bedienet sich aber der Dichter dieser malerischenAusstafsirunge», so macht er aus einem höher»Wesen eine Puppe.
So wie diese Regel durch die Befolgung derAlten bewähret ist, so ist die geflissentliche Ueber-tretung derselben ein Lieblingsfehlcr der neuernDichter. Alle ihre Wesen der Einbildung gehenin Maske, und die sich auf diese Maskeradenam Besten verstehen, verstehen sich meistentheilsauf das Hauptwerk am wenigsten: nehmlich, ihreWesen handeln zu lassen, und sie durch dieHandlungen derselben zu charakkerisiren.
Doch giebt es unter den Attributen, mitwelchen die Künstler ihre Abstracto bezeichnen,eine Art, die des poetischen Gebrauchs fähigerund würdiger ist. Ich meine diejenigen, welcheeigentlich nichts Allegorisches haben, sondern alsWerkzeuge zu betrachten sind, deren sich- dieWesen, welchen sie beigeleget werden, falls sieals wirkliche Personen handeln sollten, bedienenwürden oder könnten. Der Zaum in der Handder Mäßigung, die Säule, an welche sich dieStandhaftigkeit lehnet, sind lediglich allegorisch,für den Dichter also von keinem Nutzen. DieWage in der Hand der Gerechtigkeit ist es schonweniger, weil der rechte Gebrauch der Wagewirklich ein Stück der Gerechtigkeit ist. D,eLeyer oder Flore aber in der Hand einer Musedie Lanze in der Hand des Mars, Hammer undZange in den Händen des Vulcans, sind ganzund gar keine Sinnbilder, sind bloße Instru-mente, ohne welche diese Wesen die Wirkungen,die wir ihnen zuschreiben, nicht hervorbringenkönnen. Von dieser Art sind die Attribute,welche die alten Dichter in ihre Beschreibungenetwa noch entflechten, und die ich deswegen
Eodinus nur Nicht entweder in der Figur, oder i» dem Name», oder gar in beyden geirrct hat. Er wußte viel.leicht, was er die Beste, trage» sahe, nicht besser zu Iiemien, als eil, Tyinyainnn: oder hörte es ei» Tymranumnennen, und konnte sich nichts anders dabey gedenken, als das Instrument, welches wir eine Heerpankc nennen.Umpanr» waren aber auch eine Art von Rädern:
.. Dorther Speichen in's Rad und dorther Rollen der Lastfuhr ltvinp-ma)
Kündet der ländliche Mann."
(VirgilS Landbau 2, 444.l llnd einem solchen Rade scheinet mir das, was sich an der Pesta des Fabr et t izciqcr, und dieser Mclcl rte für eine Handinnhlc bält. sehr ähnlich zu scpn.