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Gotthold Ephraim Lessing.
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XX. Ich lenke mich vielmehr wieder inmeinen Weg, wenn ein Spaziergänger anderseinen Weg hat.
Was ich von körperlichen Gegenständen über-haupt gesagt habe, das gilt von körperlichenschönen Gegenständen um so viel mehr.
Körperliche Schönheit entspringt aus der über-einstimmenden Wirkung mannigfaltiger Theile,die sich auf einmal übersehen lassen. Sie er-fordert also, daß diese Theile neben einanderliegen müssen; und da Dinge, deren Theueneben einander liegen, der eigentliche Gegen-stand der Mahlere» sind, so kann sie, und nursie allein, körperliche Schönheit nachahmen.
Der Dichter, der die Elemente der Schön-heit nur nach einander zeigen könnte, enthaltsich daher der Schilderung körperlicher Schön-heit, als Schönheit, gänzlich. Er fühlt es,daß diese Elemente, nach einander geordnet,unmöglich die Wirkung haben können, die sie,neben einander geordnet, haben; daß der con-rentrirende Blick, den wir nach ihrer Enume-ration auf sie zugleich zurück senden wollen,uns doch kein übereinstimmendes Bild gewähret;daß es über die menschliche Einbildung gehet,sich vorzustellen, was dieser Mund, und dieseNase, und diese Augen zusammen für einenEffect haben, wenn man sich nicht aus derNatur oder Kunst einer ähnlichen Compositionsolcher Theile erinnern kann.
Und auch hier ist Homer das Muster allerMuster. Er sagt: Rireus war schön; Achilleswar noch schöner; Helena besaß eine göttlicheSchönheit. Aber nirgends läßt er sich in dieumständlichere Schilderung dieser Schönheitenein. Gleichwohl ist das ganze Gedicht aus dieSchönheit der Helena gebauet. Wie sehr würdeein neuerer Dichter darüber luxurirt haben!
Schon ein Constantinus Manasseswollte seine kahle Chronike mit einem Gemähldeder Helena auszieren- Ich muh ihm für seinenVersuch danken. Denn ich wüßte wirklich nicht,wo ich sonst ein Exempel auftreiben sollte, auswelchem augenscheinlicher erhelle, wie thörigt essey, etwas zu wagen, das Homer so weislichunterlassen hat. Wenn ich bey ihm lese-')
„Es war das Weib sehr schön, mir schönenAugenbraunen, sehr schönfarbig, schönwangig,schönen Gesichts, großäugig, schneeweiß, leb-haften Blickes, lieblich, eine mit Grazien ge-
füllte Flur, weißarmig, zart, eine vollkommenduftende Schönheit, das Antlitz herrlich weiß,die Wange rosig, das Antlitz reizend, die Au-genlieder jugendlichblühend, eine ungeschmückte5 Schönheit, ungeschmückt, mit eigener Farbe,hat feurige Rosenfarbe ihre Weiße überzogen,wie wenn man das Elfenbein in glänzendenPurpur tauchen wollte, der Hals lang, schnee-weiß, weswegen erdichtet wurde, baß die sicht-10 bar gewordene Helena schwanenerzeugt sichnenne;"
so dünkt mich, ich sehe Steine auf einen Bergwälzen, aus welchen auf der Spitze desselben„ ein prächtiges Gebäude aufgeführet werden soll,die aber alle auf der andern Seite von selbstwieder Herabrollen. Was für ein Bild hinter-läßt er, dieser Schwall von Worten? Wiesahe Helena nun aus? Werden nicht, wenntausend Menschen dieses lesen, sich alle tausendeine eigene Vorstellung von ihr machen?
Doch es ist wahr, politische Verse einesMönches sind keine Poesie. Man höre alsoden Ariost, wenn er seine bezaubernde Alcinaschildert «Rasender Roland 7, 11 -15):o „Was kunstcrfahrne Maler je erfunden,Reicht an die Schönheit ihrer Bildung nicht.Die blonden Haare, lang und aufgewunden.Besiegen selbst des Goldes glänzend Licht.
„ , Mit Rosen haben Lilien sich verbunden,o Und überstreu'« ihr zartes Angesicht.
Die heitre Stirn' in ihres Masses ReineScheint wie geformt aus glattem Elfen-beine.
35 Von schwarzen Bogen fein gekränzet, regenZwei schwarze Augen, nein! zwei Sonnen
sich,
Im Blicken liebreich, sparsam im Bewegen,Und um sie her fliegt Amor freudiglich.
40 Von dort versendet er der Pfeile Regen,Entwendet dort die Herzen sichtbarlich.
Von diesen senkt die Nase sich hernieder,
Und nichts an ihr wär' auch dem Neid zu-wider.
45 Dann kommt der Mund, von Grübchen
eingeschlossen,
Und mit natürlichem Carmin bestreut.
Bald von der Lipp' enthüllt und bald ver-schlossen,
50 Sind hier die schönsten Perlen aufgereiht.
r-nnwemllum Oliron. v. 2«. Die Frau Dacicr war mit diesem Portrait des»> «onstantwun 2 - . sehr Wohl zufrieden. Sie führet nach dem Mczcriac auch die Beschrei-
Mauasscs, bis am M Irenas von der Schönheit der Helena geben. In der ersteren kömmt
Lungen an, welche Darc Ph h DareS sagt nehmlich von der Helena, st- habe ein Mahimotu) zwischen
ein Zug vor, der s s ' „schtz Schönes? Ich wollte, das, die Französinn ibre Meinung dar-
den Augen raunen ,..,ta hier für verfälscht, und glaube, daß Dares von dem
über gesagt hatte. - , nmaoirüan und bey den Lateinern glabella hieß. Die Augcnbrauuc» der Helena,
reden wollen, was ^ d-n ^ y «^flndert. Der Geschmack
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hielt die Mittelftraße ; die Augenbraunen seines geliebten Mädchens waren weder merklich getrennet noch vo .g ueinander verwachsen, sie verliefen sich sauft in einem e.nz.g-n Punkte. Er ,agt zu dem Künstler, welche, sie mähsollte (Ode M>:
„ Nicht verwachsen, »echt gespaltenSei der Augenbraunen Bogen,
Wie sie selbst st- hat, verbunden
Leise nur; die Augenlider
Kränze rings mit dunkeln Wimvcrn.'