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Handbuch der deutschen Prosa von Gottsched bis auf die neueste Zeit : historisch geordnete Sammlung von Musterstücken aus den vorzüglichsten Prosaikern unter Berücksichtigung aller Gattungen der prosaischen Schreibart, nebst einem literarisch-ästhetischen Kommentar / von Dr. Heinrich Kurz
Entstehung
Seite
229-230
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Gotthold Ephraim Messing.

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hak es empfunden und angedeutet, daß es einerhabenes Ansehen giebt, welches bloß aus die-sem Zusätze von Größe in den Abmessungen derFüße und Schenkel entspringet. Den» wennAntenvr die Gestalt des Ulysses mit der Ge-stalt des Menelaus vergleichen will, so lässt erthn sagen (Jlias 3, 210. 11):nlEs) ragt im Stehn Menelaös empor mitmächtigen Schultern:

nicht zu grell und zu schneidend seyn muß, daßdie Opposita, um in der Sprache der Mahlerfortzufahren, von der Art seyn müssen, daß siesich in einander verschmelzen lassen. Der weiseund rechtschaffene Aesop wird dadurch, daßman ihm die Häßlichkeit des Lhersües gegeben,nicht lächerlich. Es war eine alberne Mönchsfratze,das ^Lächerliche" seiner lehrreichen Mährchen,vermittelst der Ungestaltheit, auch in seine Per-

10 son verlegen'zu"wo'llen'.^Denn ein mißgebilde-

Doch wie sich beide gesetzt, da schien eh und eine schöne Seele sind wie Oel

Odyffeus." und Essig, die, wenn man sie schon in einan-

nWann beyde standen, so ragte Menelaus schlägt, für den Geschmack doch unmer ge-ben breiten Schultern hoch hervor; wann Et tz^n. Sie gewähren kein Drittes:

beyde saßen, war Ulysses der ansehnlichere- Körper erweckt Verdruß, die Seele Wohl-

Ulysses also das Ansetzn im Sitzen gewann, wtt- fallen- jedes das seine für sich- Nur wenn

ches Menelaus im Sitzen verlor, so stt oas v : mißgebildete Körper zugleich gebrechlich und

Verhältniß leicht zu bestimmen, welches beyder . -- -hch ja wenn er die Seele in ihre» Wir-

Oberleib zu den Füßen und Schenkeln gehabt- hindert, wenn er die Quelle nachthei-

Ulysses hatte einen Zusatz von Größe m den - 8 gegen s>e wird : alsdenn slie-

Proportronen des erster», Menelaus m den -t g R»,-druß und Wohlgefallen in einander:Proportionen der letzter». „eue daraus entspringende Erscheinung

XXIIl. Em einziger unschicklicher Theil wellt Lacken sondern Mitleid, und der Ge-

kann dre übereinstimmende Wirkung vieler zur ist mch ey , dieses hochgeachtet

Schönheit stören. Doch wird der Gegenstand 8s.nlchn ' - . interessant. Der mißgebildete ge-darum noch nicht häßlich. Auch die Häßlichkeit 25 w mußte' seinen Freunden weit

erfodert mehrere unschickliche Theile, die wir brechliche P P echg„e und gesunde

ebenfalls auf einmal müsse» übersehen können, !^"ffnnte l) s»:niaen. — So wenig aber

wenn wir dabey das Gegentheil von dem em- die bloße Häßlichkeit lächerlich

pfindm sollen, was uns die Schönheit emps.n- ^ /den sowenig würde er es ohne dieselbe

Stümch würde auch die Häßlichkeit ihrem seyn. Die.IMchkeit; ^

Wesen nach kein Vorwurf der Poesie seyn kön- dieser Häßlichkeit >m s mächen,

nen; und dennoch hat Homer die äußerste Häß- Widerspruch , den beide - djx

lichkeit in dem Th-rsites geschildert, und sie nach die er von seiner eigenen Wicht g e,t heg r

ihren Theilen neben einander geschildert Wa- 35 unschädliche, eh" allem demuth g ^

rum war ihm bey der Häßlichkeit vergönnet, seines boshaften Geschwatzes: alles muß ßusam

was er bey der Schönheit so einsichtsvoll sich men zu diesem Zwecke wirken.« D tz

selbst untersagte? Wird die Wirkung der Häß- stand ist das „nicht Verderbliche , w ch „.

lichkeit durch dir aus einander folgende Enume- tel es (Poetik 5) unumgänglich z

ration ihrer Elemente nicht eben sowohl gehin- 40 lichen verlangt; so wie es uch 8 ,

dert, als die Wirkung der Schönheit durch die P, einer nothwendigen B-diNguug 'acht daß

ähnliche Enumeration ihrer Elemente vereitelt jener Contrast von keiner Wich g ^ ^

wirds . uns nicht sehr mteressiren muffe. Denn man

Allerdings wird sie das; aber hierin liegt nehme auch nur an daß dem herauch die Rechtfertigung des Homers. Eben 45 seine hämische Verkleinerung de gweit die Häßlichkeit in der Schilderung des Dich- theurer zu stehen gekommen war , u > ,

ters zu einer minder widerwärtigen Erscheinung anstatt mit ein Paar blutigen

körperlicher Unvollkornmenheiten wird/ und dem ' Leben bezahlen müssen : unv wr wuroen

gleichsam, von der Seite ihrer Wirkung, Haß- aufhören, über ihn zu lachen- «enn vieleslichkeit zu seyn aufhöret, wird sie dem Dichter 5o Scheusal von einem Menschen ist doch ein Mensch,brauchbar; und was er vor sich selbst nicht nu- dessen Vernichtung uns stets e,n größeres Uebelgen kann nutzt er als ein Ingrediens, um scheinet, als alle seine Gebrechen und Laster. Umgewisse vermischte Empfindungen hervorzubrin- die Erfahrung hiervon zu machen, lese man

gen und ru verstärken mit welchen er u fein Ende bey dem Qulntus Calaber.

Ermangelung rein angenehmer Empfindungen, 55 Achilles belauert, die Penthestlea getödtet zuw,,s baden: die Schönheit m ihrem Blute, so tapser

Diest vmnischte Empfindungen sind das vergoff-n, fordert die Hochachtung und das Mit-

Läckerlicke und das Schreckliche. leid des Helden; und Hochachtung und Mitleid

^ Homer macht den Lhersites häßlich, um werden Liebe Aber der schmahsüchtige Ther-

ihn lächerlich zu machen. Er wird aber nicht 60 sttes macht ihm diese Liebe zu einem Ver-durch Me bloße Häßlichkeit lächerlich: denn brechen. Er eifert wider die Wollust d.-Häßlichkeit ist Unvollkommenheit, und zu dem wackersten Mann zu Unsinn,gkeite

Lächerlichen wird ein Contrast von Dollkom- ,

menheiten und Unvollkommenheiten erfordert. ) — — ^welche thöricht d

Dieses ist die Erklärung meines Freundes, 8" 5«> Ichrn, ^ ^

der ich hinzusetzen mochte, daß dieser Contrast Selbst den weisesten macht.

*l Milowvlnsche Schriften des Herrn Moses Mcndclssoß,, Th- II- S- ys