Gvtthold Ephraim Lessing.
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Ich komme auf die ekelhaften Gegenständej„ der Mahlerey. Wenn es auch schon ganzunstreitig wäre, daß es eigentlich gar keine ekel-hafte Gegenstände für das Gesicht gäbe, vonwelchen es sich von sich selbst verstände, daß dieMahlerey, als schöne Kunst, ihrer entsagenwürde: so müßte sie dennoch die ekelhaften Ge-genstände überhaupt vermeiden, weil die Ber-bindung der Begriffe sie auch dem Gesichte ekelmachet. Pardenone läßt in einem Gemähldevon dem Begräbnisse Christi einen von den An-wesenden die Nase sich zuhalten. Richardsonmißbilligt dieses deßwegen, weil Christus nochnicht so lange todt gewesen, daß sein Leichnamin FLulung übergehen können. Bey der Auf-erweckung des Lazarus hingegen glaubt er, seyes dem Mahler erlaubt, von den Umstehendeneinige so zu zeigen, weil es die Geschichte aus-drücklich sage, daß sein Körper schon gerochen
habe. Mich dünket diese Vorstellung auch hierunerträglich; denn nicht bloß der wirkliche Ge-stank, auch schon die Idee des Gestankes erwek-ket Ekel. Wir fliehen stinkende Orte, wenn wir5 schon den Schnupfen haben- Doch die Mahlereywill das Ekelhafte, nicht des Ekelhaften wegen;sie will es, so wie die Poesie, um das Lächer-liche und Schreckliche dadurch zu verstärken.Auf ihre Gefahr! Was ich aber von dem Häß-10 lichcn in diesem Falle angemerkt habe, gilt vondem Ekelhaften um so viel mehr. Es verlieretin einer sichtbaren Nachahmung von seiner Wir-kung ungleich weniger, als in einer hörbaren;es kann sich also auch dort mit den Bestand-15 theilen des Lächerlichen und Schrecklichen weni-ger innig vermischen, als hier; sobald die Ue-berraschung vorbey, sobald der erste gierige Blickgesättiget, trennet es sich wiederum gänzlich,und liegt in seiner eigenen cruden Gestalt da.
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II. Hamburgische Oramatussgic.
Den acht und vierzigsten Abend Mittwochs,den 22 ste» Julius > ward das Trauerspiel desHerrn Weiße, Richard der Dritte, auf- Z0geführt; zum Beschlusse, Herzog Michel.
Dieses Stück ist unstreitig eines vonunseren beträchtlichsten Originalen; reich angroßen Schönheiten, die genugsam zeigen, daß,die Fehler, mit welchen sie verwebt sind, zu :>5vermeiden, im geringsten nicht über die Kräftedes Dichters gewesen wäre, wenn er sich dieseKräfte nur selbst hätte zutrauen wollen.
Schon Shakespeare harre das Leben undden Tod des dritten Richards auf die Bühne 10
gebracht; aber Herr Weiß erinnerte sich dessennicht eher, als bis sein Werk bereits fertig war.„Sollte ich also," sagt er, „bey der Verglei-chung schon viel verlieren: so wird man dochwenigstens finden, daß ich kein Plagium be-gangen habe; - aber vielleicht wäre es einVerdienst gewesen, an dem Shakespeare einPlagium zu begehen."
Vorausgesetzt, daß man eines an ihm be-gehen kann. Aber was man von dem Homergesagt hat: es lasse sich dem Herkules eher seineKeule, als ihm ein Vers abbringen, das läßtsich vollkommen auch vom Shakespeare sagen.
Das wir verschmähten! Lam.: Du sprichst vom Paradies.
Fr.: O nur den Hefen von den FreundschaftSbechcrn,
Die wir zur Nacht aus Ilebcrmuth verschüttet.
Mor.: O, nur die Gläser, um sie abzulecken!"
Doch alles dieses ist noch nichts gegen den folgenden Auftritt, wo der Schiffschirurgus dazu kämmt:Fr.: Hier kommt der Wundarzt, was hast Du entdeckt ?
O lächle, lächl' und tröst' uns. Wundarzt: Ich verschmachte,
Jetzt lächle, wer noch kann! Ich finde Nichts,
Nichts kann uns Nahrung werden ohne Wunder;
O hätt' ich meine Büchsen, meine Leinewand,
Bäblappen, meine Wicken, und die andernWohlthätigen Gehülfen der Natur,
Welch lcck'rcS Mahl wollt' ich daraus bereiten!
Mor.: Hast keinen alten Stuhlzaps? Wund.: Möcht' ich's, HerrL a m.: »Nicht ein Papier, in welchem so ein Labsal,
Wie Pulver, Pillen, eingekerkert lagen ?
Fr.: Die Blase, die ein kühlendes Klystier —
Mor.: Hast Du kein Pflaster, keine» alten Umschlag?
F r.: lins kümmert nicht, wozu es einst gedient.
Wund.: Ich habe Nichts von solchen Leckerbissen,
Ihr Herrn. Fr.: Wo blieb der grosse Wulst, den Du,
Hugh, dem Matrosen von der Schulter schnittest ?
Das wäre setzt ein rechter FürstcnschmauS!
Wund.: Ja, wenn wir den noch hätten, meine Herren!
Ich warf ihn über Bord, ich Eselskoxf!
Lam.: Du unbedachter Schurke! —
Kurz, Pros. Sit.
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