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Gotthold Ephraim Lessing.
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angenommen, und alle Beeiferung der nachfol-genden Dichter mußte sich darauf einschränken,dem einen oder dem andern so ähnlich zu wer-den, als möglich. Hundert Jahre haben sie sich
selbst, und zum Theil ihre Machbaren mit, hin-tergangen: nun komme einer, und sage ihnendas, und höre, was sie antworten!
III. Anti-Goeze.
D- i- Nothgedrungene Beyträge zu den freywilllgen Beyträgen des Herrn Pastor Gocze
Zweyter
„Kriege zu führen gefällt dir, die keiner Siege sich freuen."
L u ca n.
Mein Herr Hauptpastor,
Ich erhielt Ihr Etwas Vorläufigesgegen meine — wenn es nicht Ihre ersteLüge ist— mittelbare und unmittelbarefeindselige Angriffe auf unsere aller- 25heiligste Religion,c. am Abend des Oster-abends; und hatte noch eben Zeit, den herrli-chen Borlauf zu kosten. Der soll mir auf dasFest schmecken! dachte ich. Und er hat mir ge-schmeckt. Gott gebe, daß mir der Nachlauf 3»zu seiner Zeit auch so schmecken, auch so wohlbekommen mag!
Aber was das nun wieder ist! Der HerrHauptpastor verweisen mir in Ihrem EtwasVorläufigen, welches ich, der Geschmeidig- 35keit wegen, lieber das Vorläufige Etwasnennen will, mit so vielem Ernst und Nachdruckmeine Aequivoken und Wortspiele: und den-noch mache ich schon wieder ein so häßlich Ding,und äquivocire und Wortspiele mit vorläufig -iound Verlauf, ohne auch nur im geringstenvorher zu erklären, ob ich den Verlauf vonder Kelter oder von der Blase verstehe.
Doch lieber vergeben Sie mir immer, HerrHauptpastor, eine Schwachheit, die mir zur an- 45dern Natur geworden ist. Jeder Mensch Haiseinen eigenen Styl, so wie seine eigene Nase;und es ist weder artig, noch christlich, einenehrlichen Mann mit seiner Nase zum bestenhaben, wenn sie auch noch so sonderbar ist. 50Was kann ich dafür, daß ich nun einmal keinenandern Styl habe? Daß ich ihn nicht erkünstle,bin ich mir bewußt. Auch bin ich mir bewußt,daß er gerade dann die ungewöhnlichsten Casca-den zu machen geneigt ist, wenn ich der Sache 55am reifsten nachgedacht habe. Er spielt mit derMaterie oft um so muthwilliger, je mehr icherst durch kaltes Nachdenken derselben mächtigzu werden gesucht habe-
Es kömmt wenig darauf an, wie wir schrei- 60ben; aber viel, wie wir denken. Und Sie wol- ,len doch wohl nicht behaupten, daß unter ver-blümten, bilderreichen Worten nothwendig einschwanker, schiefer Sinn liegen muß? daßniemand richtig und bestimmt denken kann, als 65wer sich des eigentlichsten, gemeinsten, plattestenAusdruckes bedienet? daß, den kalten, symboli-schen Ideen auf irgend eine Art etwas von der
Wärme und dem Leben natürlicher Zeichen zugeben suchen, der Wahrheit schlechterdingsschade?
Wie lächerlich, die Tiefe einer Wunde nichtdem scharfen, sondern dem bla nken Schwertezuschreiben! Wie lächerlich also auch, die Ue-berlegenheik, welche die Wahrheit einem Gegnerüber uns giebt, einem blendenden Style desselbenzuschreiben! Ich kenne keinen blendenden Styl,der seinen Glanz nicht von der Wahrheit mehroder weniger entlehnet. Wahrheit allein giebtächten Glanz; und muß auch bey Spötterei undPosse, wenigstens als Folie, unterliegen.
Also von der, von der Wahrheit lassen Sieuns sprechen, und nicht vom Styl. — Ich gebeden meinen aller Welt Prciß; und freylich magihn das Theater ein wenig verdorben haben.Ich kenne den Hauptfehler sehr wohl, der ihnvon so manchen anderen Stylen auszeichnensoll: und alles, was zu merklich auszeichnet,ist Fehler. Aber es fehlt nicht viel, daß ichnicht, wie Ovid, die Kunstrichter, die ihn vonallen seinen Fehlern säubern wollten, geradefür diesen einzigen um Schonung anflehen möchte.Denn er ist nicht sein Fehler, er ist seine Erb-sünde. Nehmlich: er verweilt sich bei seinenMetaphern, spinnt sie häufig zu Gleichnissen,und malt gar zu gern mitunter eine in Alle-gorie aus; wodurch er sich nicht selten in all-zuentfernte und leicht umzuformende tertiacomparativ»!» verwickelt. Diesen Fehler mögenauch gar wohl meine dramatische Arbeiten mitverstärkt haben; denn die Sorge für den Dia-log gewöhnt uns, auf jeden verblümten Aus-druck ein scharfes Auge zu haben, weil es wohlgewiß ist, daß in den wirklichen Gesprächen desUmganges, deren Lauf selten die Vernunft,und fast immer die Einbildung steuert, die meh-resten Uebergänge aus den Metaphern herge-nommen werden, welche der eine oder der an-dere braucht. Diese Erscheinung allein, in derNachahmung gehörig beobachtet, giebt dem Dia-log Geschmeidigkeit und Wahrheit. Aber wielange und genau muß man denn auch eineMetapher oft betrachten, cbe man den Stromin ihr entdecket, der uns am besten weiter brin-gen kann! Und so wäre es ganz natürlich, daßi>as Theater eben nicht den besten prosaischen