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Moses Mendelssohn.
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die Folge und Ordnung der Bestandtheile inder Zeit oder im Raume; sodann, die Verbin-dung der ursprünglichen Kräfte, und die Artund Weise, wie sie sich im Zusammengesetztenäussren. Durch die Anordnung und Lage der 5Theile werden zwar die Wirkungen der ein-fachen Kräfte eingeschränkt, bestimmt und ab-geändert: aber niemals kann durch die Zusam-mcnsezung eine Kraft oder Wirksamkeit erhaltenwerden, deren Ursprung nicht in den Grund- INtheilen zu suchen ist. Ich verweile mich hier einwenig bey diesen subtilen Grundbetrachtungen,meine Freunde! wie ein Wettläufer, der zuverschiedenen malen ansetzet, um alsdann mitvermehrtem Triebe fortzueilen, sich um das Ziel 15herum zu schwenken, und, wenn ihm die GötterGlück und Ruhm beschieden, den Sieg davonzu tragen. Erwäge es mit mir, mein lieberSimmias! wen» unser Vermögen zu empfindenund zu denken kein für sich erschaffenes Wesen, 20sondern eine Eigenschaft des Zusammengesetztenseyn soll: muß es nicht entweder, wie Harmo-nie und Ebenmass, aus einer gewissen Lageund Ordnung der Theile erfolgen, oder wiedie Kraft des Zusammengesetzten, seinen Ur- 25sprung in der Wirksamkeit der Bestandtheilehaben? — Allerdings, da, wie wir gesehen,kein Drittes sich gedenken läßt. — In Ansehungder Harmonie haben wir gesehen, daß z. B. je-der einzelne Laut nichts Harmonisches hat, und 5gdie Uebereinstimmung blos in Gegeneinander-haltung und Bergleichung verschiedener Lautebestehe: Richt? — Richtig! — Eine gleicheBewandniß hat es mit der Symmetrie und Re-gelmäßigkeit eines Gebäudes: sie bestehet in der 35Zusammenfassung und Vergleichung vieler ein-zelnen unregelmäßigen Theile. Dieses ist nichtzu leugnen. Aber diese Vergleichung und Ge-geneinanderhaltung, ist sie wohl etwas anders,als die Wirkung des Denkungsvermögens? und 40wird sie, ausser dem denkenden Wesen, irgend-wo in der Natur anzutreffen seyn? — Sim-mias wußte nicht, was er hierauf antwortensollte. —. In der »»denkenden Natur, fuhrSokrates fort, folgen einzelne Laute, einzelne 45Steine auf und neben einander. Wo ist hierHarmonie, Symmetrie, oder Regelmäßigkeit?Wenn kein denkendes Wesen hinzukömmt, dasdie mannigfaltigen Theile zusammennimmt, ge-geneinander hält, und in dieser Vergleichung 50eine Uebereinstimmung wahrnimmt, so weiß ichsie nirgend, zu finden; oder weißt du, mein lie-ber Simmias i in der seelenlosen Natur ihreSpur aufzusuchen? — Ich muß mein Unver-mögen bekennen, war seine Antwort, ob ich 55gleich merke, wohin dieses abzielet. — Eineglückliche Vorbedeutung! rief Sokrates, wenndem Gegner selbst seine Niederlage ahndet. Ant-worte mir indessen unverdrossen, mein Freund!denn du hast keinen geringen Theil an dem 60Siege, den wir über dich selbst zu erhalten hof-fe» : Kann der Ursprung einer Sache aus ihreneigenen Wirkungen erkläret werden? Kannder Schalten, den ein Baum wirft, für dieErzeugungsursachc dieses Baumes, oder der 65wohlriechende Duft für die Ursache der Blumeangegeben werden? - Auf keinerley Weise. —Ordnung, Ebenmass, Harmonie, Regelmäßig-keit, überhaupt alle Verhältnisse, die ein Zu-
Kurz, Pros. j>i,
sammennehmen und Gegeneinanderhalten desMannigfaltigen erfodern, sind Wirkungen desDenkungsvermögens. Ohne Hinzuthun des den-kenden Wesens, ohne Vergleichung und Gegen-einanderhaltung der mannigfaltigen Theile istdas regelmäßigste Gebäude ein bloser Sand-haussen, und die Stimme der Nachtigall nichtharmonischer, als das Aechzen der Rachleule-Ja ohne diese Wirkung giebt es in der Naturkein Ganzes, das aus vielen ausser einanderseyenden Theilen bestehet; denn diese Theilehaben ein jedes sein eigenes Daseyn, und siemüssen gegen einander gehalten, verglichen, undin Verbindung betrachtet werden, wenn sie einGanzes ausmachen sollen. Das denkende Ver-mögen, und dieses allein in der ganzen Natur,ist fähig, durch eine innerliche Thätigkeit, Ver-gleichungcn, Verbindungen und Gegeneinander-haltungen wirklich zu machen: daher der Ur-sprung alles Zusammengesetzten, der Zahlen,Größen, Symmetrie, Harmonie, u. s. w. inso weit sie ein Vergleichen und Gegeneinander-halten erfordern, einzig und allein in dem den-kenden Vermögen zu suchen seyn muß. undda dieses zugegeben wird, so kann ja diesesDenkungsvermdgen selbst, die Ursache aller Ver-gleichung und Gegeneinanderhaltung, unmöglichaus diesen ihren eigenen Verrichtungen ent-springen, unmöglich in einem Verhältniß, Har-monie, Symmetrie, unmöglich in einem Ganzenbestehen, das aus aussereinander seyenden Thei-len zusammengesetzt ist: denn alle diese Dingesezen die Wirkungen und Verrichtungen desdenkenden Wesens voraus, und können nichtanders, als durch dieselben, wirklich werden. —Dieses ist sehr deutlich, versetzte Simmias. —Da ein jedes Ganzes, das aus Theilen, dieausser einander sind, bestehet, ein Zusammen-nehmen und Vergleichen dieser Theile zumvoraus sezet, dieses Zusammennehmen und Ver-gleichen aber die Verrichtung eines Vorstellungs-vermögcns seyn muß: so kann ich den Ursprungdieses Vorstellungsvermögcns selbst nicht in einGanzes sezen, das aus solchen auseinander-setzenden Theilen bestehet, ohne eine Sache durchihre eigenen Verrichtungen entstehen zu lassen.Und eine solche Ungereimtheit haben die Fabel-dichter selbst, so viel ich weiß, noch niemalsgewagt. Niemand hat noch den Ursprung einerFlöte in das Zusammenstimmen ihrer Töne,oder den Ursprung des Sonnenlichts in dxnRegenbogen gesetzt. — Wie ich vermerke, meinlieber Sokrates! ist nunmehro auch der Ueber-rest unsers Zweifels dahin. - Er verdienet in-dessen besonders erwogen zu werden, erwiedertejener, wenn ich anders durch diese dornigtenUntersuchungen eure Geduld nicht ermüde. Wagees immer, Freund! rief ihm Kriro» zu, auchdie Geduld dieser auf die Probe zu sezen. Duhast der meinigen wenigstens nicht geschonet,als ich auf die Ausführung eines Vorschlagsdrang - - Nichts von einer Sache, siel ihm Sa-krales in das Wort, die nunmehr ihre zuver-läßige Richtigkeit hat. Wir haben hier Dingezu untersuchen, die noch dem Zweifel unter-worfen zu sey» scheinen. Zwar dieses nichtmehr, daß unser Vermögen zu empfinden undzu denken in der Lage, Bildung, Ordnung undHarmonie körperlicher Bestandtheile zu suchen22