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Christian Garve.
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hätten, herauszuheben. Wir hätten der Ein-bildungskraft unsrer Leser nur auf die Spurhelfen können. Homer zeichnet ihr die Sachevollständig vor.
Man sehe z. B. die Beschreibung einesSturms beym Homer, Jliad. 4 B. v. 421.
„Wie wenn zum hallenden Felsengestad' her-rollende Meerfluth,
Wog' an Woge, sich stürzt, vom Zefyrosaufgewühlet:
Weit auf der Höhe zuerst erhebt sie sich;aber anjetzo,
Gegen die Beste zerschellt, laut donnert sie,und um den Vorstrand
Hängt sie krumm aufbrandend, und fernhinspeit sie den Salzschaum." .
Man vergleiche sie nur mit der Uebersetzungdes Pope. oder mit der Beschreibung eines spä-tern Dichters und man wird den Vorzug derhomerischen Sprache im Ausdrucke sichtbarerErscheinungen gewahr werden. Zuerst giebt erdie Sache, die er malen will, nur überhaupt an:„Die Meerfluth stürzt sich"; aber er setzt einBeywort hinzu: „Wog' auf Woge", das derImagination schon ein sehr zusammengesetztesBild giebt. Es zeigt das Drängen einer Wellegegen die andre an, die Schnelligkeit, mit derauf jede heranrollende und sich zerschlagendeWelle eine zweyte und eine dritte folgt, die dasAuge beynahe mit der ersten vermischt: Popedrückt dieß einzige Wort durch zwo Zeilen aus.
„Die Wellen fluthen neu geordnet an denStrand,
Die hintre Wog' stürzt auf der vordern sichans Land."
Das Wort: „aufgewühlet" zeigt nicht bloßwie das Englische: „ll'l>o Winds inovo ttio8«<is >die Winde bewegen die Fluthen)", dieBewegung an, sondern es bestimmt auch dieArt der Bewegung: es ist ein, innerer Aufruhr,der das Wasser von der Liefe in die Höhetreibt. Pope scheint dieß durch einen andernBers ausgedrückt zu haben:
„Bis mit des Sturms Anwuchs die Tiefesich erhebt."
Bis so weit hat Pope den Homer zwar um-schrieben, aber doch ausgedrückt; — aber wodieser die Beschreibung der auf einander folgen-den Gestalten des stürmischen Meeres anfängt,da verläßt ihn sein Uebcrsetzer gänzlich. Eineallgemeine Redensart gilt für eine Menge be-stimmter und malerischer. Erstlich wird dasMeer nur noch leicht bewegt, es rüstet sich,noch ist die Bewegung mitten im Meere, dieWellen zerschlagen sich gegen einander, keinereicht bis ans Ufer. — Aber der Sturm wächst,die Wellen werden größer, eine treibt die andrefort, die letzte bricht sich schon mit großemGeräusch am Lande. Der Sturm erreicht seinegrößte Höhe, die Wellen thürmen sich bey denVorgebirgen, wo sie weniger Raum haben, sichauszubreiten, krümmen sich in ihrer größtenErhebung, werfen an ihrer Spitze einen weißenSchaum aus, und stürzen wieder zurück. Dieseauf einander folgenden Erscheinungen wird schwer-lich irgend eine neuere Sprache mit gleicherGenauigkeit und Kürze ausdrücken können.
So werden wir in den meisten Beschreibun-gen Homers immer den Anblick, den die Sachegewährt, die Art und Weise, wie sie sich demAuge darstellt, genau angegeben finden. Wennwir bloß sagen, er hat ihn mit seinem Schwerdtedurchbohrt, so sagt er:
- - — „ Daß ihm die Spitze,
Born die Blase durchbohrend, am Schambeinwieder hervordrang."
Der Spieß ging durch, er kam vorne wiederhervor: die Spitze war auf der entgegenstehen-den Seite von der, wo er sie eingestoßen halte.
Wenn er das Schwärmen der Bienen be-schreibt, so zeigt er uns alles, was das Augedabey vorzüglich rührt; erst das unaufhörlicheHervorkommen eines Schwarms nach dem an-dern aus dem Stocke; dann die zusammenge-drängten Truppe, die nur einen Körper aus-zumachen scheinen; dann die Zertheilung unddie mannichfaltigen Richtungen dieser Haufen(Jlias 2, 87):
„ Wie wen» Schaarey der Bienen daherziehn,dichtes Gewimmels,
Aus dem gehöhlten Fels in beständigemSchwärm sich erneuend;
Jetzt in Trauben gedrängt umfliegen sie Blu-men des Lenzes;
Andere hier unzählbar entflogen sie, anderedorthin."
Hingegen sind wir in Namen abstrakter Be-griffe und in Ausdrücken für die Verhältnissederselben reicher. Wir haben erstlich weit mehrAbstrakt« gemacht, mehr Kräfte der Dinge,mehrere ihrer gemeinschaftlichen Eigenschaften,mehrere Beziehungen derselben auf einanderwahrgenommen, und also auch benannt. Be-sonders haben wir in den Fähigkeiten und Ope-rationen des Geistes eine Menge Unterschiededurch eigne Wörter kenntlich gemacht, die beyden Alten sich unter einem gemeinschaftlichenNamen vermischten. Ueberdieß haben wir Wör-ter, die i>sese abstrakten Begriffe geradezu aus-drücken; die den Verstand unmittelbar daraufführen, und ohne erst den Umweg durch eingewisses Bild zu nehmen, aus dem jeder sichden hiehergehörigen Theil selbst aussuchen muß.Es sind zwar in allen Sprachen die Wörterfür die Dinge aus der unsichtbaren und geisti-gen Welt, ihrem Ursprünge nach Metaphern.Aber dieser Ursprung ist bey uns vergessen, dieMetapher wird nicht mehr bemerkt. Bey denAlten war eben diese Metapher das einzigeMittel sich den Begriff entweder selbst zu bil-den, oder ihn andern verständlich zu machen.Die Etymologie erhält bey uns noch die Denk-mähler dieses Ueberganges von den sichtbarenGegenständen zu den abstrakten. Aber derSprachgebrauch läßt uns nicht mehr an die er-sten gedenken. — Ursprünglich konnte man sichden Begriff eines Worts anders nicht aufklä-ren, als indem man entweder das Ding selbst,oder sonst etwas zeigte, das dem Dinge ähnlichwar. Im letzter» Fall mußten die Verglei-chungsstücke, die die Merkmale des Begriffsausmachten nothwendig nach der verschiednenFähigkeit oder Aufmerksamkeit dessen, der dieVergleichung anstellte, verschieden seyn; und
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