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Christian Garve.
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der Begriff war daher schwankend und wurdeauf sehr ungleichartige Gegenstände angewandt.Jetzt kommen wir freylich ebenfalls zuletzt zudiesem einzigen Hülfsmittel; aber nur erst nacheinem längern Umwege. Wir erhalten die Ideeeines abstrakten Wortes, indem wir es in eineganze Menge andrer verwandeln, die concreterund von den sinnlichen Begriffen so zu sagenweniger entfernt sind. So lösen wir immerfortWörter in Redensarten auf, bis wir endlichauf solche kommen, die nicht anders als durchdie Gegenwart des Objekts oder durch eineMetapher klar werden können; diese Verwand-lung heißen wir Erklären. Wir werden alsoden Ursprung unsrer abstrakten Ideen aus densinnlichen weniger gewahr, weil wir erst nacheiner Succeßion von andern abstrakten Ideendaraus zurückkommen; und gemeiniglich dieseKette nicht bis so weit fortführen. In derältesten Sprache war dieser Ursprung gleichunmittelbar bey jedem Worte sichtbar. EinBild für das Auge oder Ohr war das nächsteGlied, an welches der allgemeine Begriff ge-knüpft war.
Drittens. Die älteste Sprache ist maleri-scher als die unsrige; malerischer in einer dop-pelten Bedeutung. Erstlich: weil sie noch we-niger zusammengesetzte Ideen ausdrückte, sohatte sie auch noch weniger abgeleitete, undmehr Srammwörter; diese Stammwörter, jenäher sie ihrem Ursprünge sind, se weniger sienoch an den ersten Tönen geändert haben, welchedie Menschen bey Erblickung eines gewissen Ge-genstandes ausstießen, und die sie nachher brauch-ten, um ihn andern wieder eingedenk zu ma-chen : desto mehr kommen sie mit der Sacheselbst im Tone oder Accent überein. Das Ma-len der Gegenstände fürs Ohr ist bey einer sol-chen Sprache weniger die Absicht des Dichtersund das Werk seiner Kunst, als eine natürlicheWirkung der Wörter und Ausdrücke, welchedie einzigen waren, die er wählen konnte. Zwei-tens: jedes Wort, das den sinnlichen Anblickder Sache unmittelbar in der Einbildungskraftrege macht, und zu dessen Bezeichnung nurganz allein bestimmt ist, malt die Sache, insofern die Erwcckung des Bildes in der Ima-gination die erste und die einzige Wirkung ist,die es thut. Es giebt in jeder Sprache Wör-ter, die von einer Sache oder Handlung geradenur den sinnlichsten Theil ausdrücken, und den-selben so gerade zu, so ohne allen Nebenbegriffvorstellen, daß man an nichts als an diesensinnlichen Anblick der Sache denken kann. Andrehingegen drücken mehr eine innre Beschaffenheitund Einrichtung des Dinges aus, oder stellenes zugleich mit gewissen Nebenzügen vor, dieden Eindruck des blos sinnlichen Bildes schwä-chen, und die Idee mehr intellektuell machen.Starr ansehen und begaffen, etwas befühlenund betasten, sagt einerley; aber das erstedrückt mehr die Handlung, und das andre mehrdie körperliche Bewegung aus, die dabey vor-geht. Die alten Sprachen hatten einen Ueber-fluß von der ersten Gattung von Wörtern undRedensarten. Die unsrigen haben auch nocheinige. Aber fast die meisten derselben sind indem Munde des Pöbels. Es giebt bey unseine Menge solcher niedrig gewordner Ausdrücke,
isie kein Mann von guter Lebensart, und nochweniger ein Schriftsteller brauchen darf, unddie doch die Sache weit sinnlicher bezeichnen,sie, so zu sagen, weit mehr vor Augen stellen,als die ediern Ausdrücke.
Von allen diesen Verschiedenheiten nun inden Sachen, welche gekannt wurden, in der Me-thode sie ßu erlernen, in den Werkzeugen sieauszudrücken,. was mußten davon die Folgen inAbsicht der Werke selbst seyn, die das Genieaus diesem Stoffe und in einer solchen Sprache,hervorbrachte?
Erstlich muß in den alten Schriftstellernnothwendig mehr Originelles seyn. Wir nennenoriginal, was seine nächste und unmittelbareUrsache in dem Dinge selbst har, an welchemes erscheint. Diejenigen Gedanken sind origi-nal, die dem Menschen der sie hat, ganz eigen,aus der individuellen Natur seines Geistes undseiner Verfassung entsprungen sind, und dieeben deßwegen von keinem andern eben so ge-dacht werden können.
Jeder Mensch hat seine eigenthümliche Formdes Geistes, so wie seine Gestalt. Er ist an-ders organisirt als die übrigen; die Gegenständebringen in seinen Werkzeugen durch dieselbigeEinwirkung doch andre Bewegungen hervor,und malen sich in seiner Seele mit andernSchatkirungen ab. Er hat eine andre Anlageseiner Fähigkeiten, und richtet also seine größteAufmerksamkeit aus andre Gegenstände, oderauf andre Theile derselben. . Die Reihe derDinge selbst, die er sieht, und die Ordnung, inwelcher er sieht, ist verschieden; und seine neuenErfahrungen finden also bey ihm eine andreGrundlage vorher eingesammleter Begriffe, alsbey jedem andern. Er hat andre Veranlaßun-gen, sich an seine gemachten Erfahrungen zuerinnern. Also bleiben bey ihm gewisse Ideenhaften, die den übrigen entwischen, weil geradenur er den Anstoß gehabt hat, sie so oft alsnöthig war, zu erneuern. Dafür werden andreihm dunkel, auf die ihn seine Umstände nichtoft genug wieder zurückgeführt haben. Er hatandre Neigungen, und daher auch andre Be-dürfnisse, die Sachen kennen zu lernen. Erhat endlich andre Beyspiele vor sich; und hatseine einzelnen Begriffe auf eine andre Art zu-sammengesetzt. In allen denen Ideen, die derGeist aus solchen Operationen selbst hervor-bringt, die er aus seinen eignen Erfahrungen,durch seine eigne Art von Abstraktion schöpftmuß jeder Mensch etwas eigenthümliches, odermit einem andern Worte etwas originelles ha-ben. Wir geben aber den Gedanken desselbendiesen Namen nur alsdann, wenn die Unter-schiede merklicher, und die Gedanken selbst vonWichtigkeit sind.
Also nur in denjenigen Begriffen eigentlichkann es eine vollkommene Uebereinstimmung un-ter mehrern Menschen geben, die sie sich einan-der, schon unter einer abstrakten Form mitWörtern ausgedrückt, überliefert haben. DieseWörter und Ausdrücke smx, in unsrer jetzigenWelt für die Bedürfnisse und die Güter desGeistes, das heißt für die Ideen, ungefähr ebendas geworden, was das Geld in Absicht deräußern Güter und Bedürfnisse ist; eine Artvon konventionellen Zeichen, die man im gesell-
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