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445 Salomon Geßner. 446
tönt jetzt durchs Thal, und frohe Lieder hört Beine. Einer, der neben mir focht, sah rück-man von einem Berge zum andern; Freyheit, wärts, rafft' auf seine Schulter mich, und lief
Freyheit beglückt das ganze Land. Was wir mit mir aus der Schlacht. Ein frommer Or-
schen, Berg und Thal, gehören uns; freudig densmann betete nicht weit auf einem Felsenbauen wir unser Eigenthum, und was wir sam- 5 um unsern Sieg: Pflege diesen, Vater, er hatmein, das sammeln wir mit Jauchzen für uns. gefochten wie ein Mann! Er sprach's, undDer junge Hirte. Der ist nicht werth, lief in die Schlacht zurück. Sie würd' gewon-cin freyer Mann zu seyn, der je vergessen kann, nen. Kinder, sie würd' gewonnen ! Mancherdaß unsre Vater es erfochten. der unsern lag da, über einem Haufen Feinde
Der Alte. Und der's nicht eben so thun >0 ausgestreckt, sagte man nachher, wie ein müderwürde, mein Sohn! Seit jenem blutigen Tag Schnitter auf der Garbe ruht, die er selbstgieng ich alle Jahr' einmal auf diese Höhe aus geschnitten hat. Ich wurde gepflegt, ich wurde
dem Thal herauf: aber ich spür' es, dieß wird geheilt: Aber meinen Retter kannt' ich nicht;
wohl das letztem«! seyn. Von hier seh' ich die nie hab' ich's ihm danken können, daß ich lebe.ganze Ordnung der Schlacht, die wir für unsre 15 Ich hab' ihn umsonst gesucht; umsonst Gelübde,Freyheit gewannen'). Sieh, hier an der Seite umsonst Wallfahrten gethan, daß irgend ein
hervor kam die Schlachtordnung der Feinde; Heiliger oder ein Engel mir's offenbare. Achviele tausend Spieße blitzten daher, und wohl umsonst! Ich soll ihm in diesem Leben nichtzweyhundert Ritter in prächtiger Rüstung; danken.
Federbüsche schwankten auf ihren Helmen, und 2» Der junge Hirte hatte mit Thränen im
unter ihren Pferden zitterte das Land. Schon Auge ihm zugehört, und sprach: Vater, dueinmal war unser kleine Haufe zertrennt; nur kannst's in diesem Leben ihm nicht mehr dan-wenig Hunderte waren wir. Wehklagen war ken! - Erstaunt rief der Alte: Wie, wasweit umher, und der Rauch des brennenden sagst du; weißt du denn, wer er war?
Näfels erfüllte das Thal, und schlich fürchter- 25 Der junge Hirte. Mich müßte Alles
lich an den Gebürgen hin. Aber am Fuß des trügen oder es war mein Vater selbst. Oft hatBerges stund itzt unser Hauplmann; dort stund er mir die Geschichte der Schlacht erzählt, under, wo die beyden Weißtannen auf dem Felsen dann gesagt: Lebt wohl der Mann noch, wel-stehn; nur wenige stunden bey ihm. Mir ist's, cher so tapfer an meiner Seite focht, den ichich seh' ihn noch muthvoll dastehn, wie er die 30 aus dem Schlachtfelde trug?zerstreuten Haufen zusammenruft; wie er das Der Alte. O Gott und ihr Heiligen, der
Panner hoch in die Luft schwingt, daß es rauscht, Redliche sollte dein Vater seyn !wie ein Sturmwind vor einem Gewitter; von Der junge Hirte. Eine Narbe hatt' er
allen Seiten her liefen die Zerstreuten zu. Siehst hier (er wies auf die linke Wange); der Split-du, vom Felsen herunter, jene Quellen? Steine, 35 ter eines Spießes hatt' ihn verwundet, vielleichtFelsen und umgestürzte Bäume mögen sich ihnen eh' er aus der Schlacht dich trug.entgegen setzen; sieh, sie dringen durch; sie stür- Der Alte. Seine Wange blutete, da er
zen sich weiter und sammeln sich dort im Teiche: mich trug. O mein Kind, mein Sohn!
So war's, so eil en die Zerstreuten herbey und Der junge Hirte. Vor zwey Jahren
schlugen durch die Feinde sich durch; stunden 40 starb er; und itzt hüt' ich, denn er war arm,um den Held her und schwuren, wir kleiner um schlechten Lohn hier diese Ziegen.
Haufe, steht Gott uns bey, zu siegen oder doch Der Alte umarmt' ihn. O Gott sey's ge-
zu sterben! In gedrängter Schlachtordnung dankt, so kann ich seine Wohlthat in dir ihm
stürmte der Feind auf uns ein. Eilfmal schon wieder vergelten! Komm', Sohn, komm' in
hatten wir ihn angegriffen, und zogen dann 45 meine Wohnung; ein Andrer kann diese Ziegenwieder an den uns schützenden Berg zurück. hüten. Und sie gicngen hinunter ins Thal,
Ein cngegeschloffcncr Haufe stunden wir wieder nach seiner Wohnung. Reich war der Greis
da, undurchdringlich wie der hinter uns stehende an Feld und an Heerden, und eine einzigeFels: Aber itzt, itzt sielen wir, durch dreißig schöne Tochter war seine Erbin- Kind, so
Tapfere von Schwyz verstärkt, in die'Feinde, 50 sprach er, der mein Leben gerettet, war derwie ein Bergfall oder ein geborstener Fels hoch Vater dieses Knaben. Könntest du ihm guthinunter in einen Wald sich wälzt und vor sich seyn, ich gäb' ihm dich zum Weibe. Schönher die Bäume zersplittert. Die Feinde vor und munter war der Knabe; gelbe Locken kräus-
und um uns her, Ritter und Fußknechte, in ten sich um sein schönes Gesicht, und feuervolle
fürchterliche Unordnung gemengt, stürzten ein- 55 doch bescheidne Augen blinkten draus hervor,ander selbst, indem sie unsrer Wuth wichen. Aus jungfräulicher Auch bedachte sie drey TageSo wütheten wir unter den Feinden, und dran- ' sich; der dritte war ihr schon zu lange. Siegen über Todte und Zerstümmelte vorwärts, gab dem Jüngling ihre Hand, und der Alteum weiter zu tödten. Ich auch; aber im Ge- weinte mit ihm Frcudenthränen und sprach:wühl stürzt' ein feindlicher Reuter mich zu Bo- 60 Seyd mir gesegnet! Itzt, itzt hiii ich derhen, und sein Pferd zertrat das eine meiner glücklichste Mann.
»> Die Schlacht bey Näfels im Kanton Klaras, im Jahr IZb8.