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Friedrich Karl Freiherr vvn Moser.
Menschen ist, das ist er gewiß auch bey einemRegenten: und die einmal geflissentlich verlohrncEhre sucht man vergebens wieder zu bekommen.
Der Unterthan darf freylich nicht den Für-sten ins Angesicht Lügen strafen, wann er un- 5tcr dem Lorwand von Römcrmonathcn Geldvorn Land zu erpressen sucht, auf welches, nacheines jeden Wissenschaft, schon seit einigen Mo-nathen die Unterhändler der DurchlauchtigstenAusschweifungen und Ergötzlichkeiten aßignirt INund vertröstet seynd. Soll man lachen oderweinen, soll man sich ärgern oder es mit Ver-achtung ansehen, wann ein dazu gedungenerschlechter Mensch, der es weit genug in derDreistigkeit gebracht hat, einen Minister vor- 15stellen zu wollen, ehrbaren Biedermänner», inderen Herzen und auf deren Miene patriotischeLiebe und Eifer glühet, mit dem ganzen Auf-zug eines unverschämten Lügners einen halbcn-stundcnlangen Vertrag thut, welcher den eini- 2»gen Fehler hat, daß kein wahres Wort bis aufden Schluß der Landesherrlichen Postulatendarinn enthalten ist?
In verschiedenen ProvinzienTeutschlands habeich die Handlungen der Land-Tägc *) in der 25Nähe zu betrachten Gelegenheit gehabt. Es hatmich ein eigenes Bedauren gekostet, zu sehen,wie das Landes-Väterlichc Herz auf denselbenherumgeschleppt worden. Nach der Proposicionder Landesherrlichen Commissaricn brache dem 30theuren Landes-Vater das Herz, daß er mirneuen Anforderungen beschwerlich fallen müsse,
Er, der alsdann erst froh seyn würde, wanner alle seine Unterthanen reich und glücklichmache» könnte. Diß einige tröstet ihn, daß es 35ganz unvermeidliche und unter der Leitung ei-nes höhern Schicksaals stehende Landes - Bedürf-nisse seynd, welche ihn nöthigen, dem Land mitneuen Anforderungen beschwerlich zu fallen "j.
Nach dieser Charlatans-Predigt geht das 40Negotiirc» an. Die Land-Hauptleute, der Erb-Marsctiall, die Ausschüsse von Prälaten, Rit-terschaft und Städten und wie sie nach der ver-schiedenen Lage der Teutschen Provinziell heissen,werden einer nach dem andern besprochen, ga- 45,stirt, belebt, bedroht und gewonnen, die meh-rere Stimmen machen endlich den Schluß undes wird ein abermahliges Aderlässen durchsganze Land resolvirr. Der Landtags-Abschicdist so gelehrt, wie eine Leichenpredigt, und der SOMinister, mit seinen Macklern und Küch- auchKeller-Bedienten kommen im Triumph nachHof zurück, Leben und Wonne breitet sich wie-
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Die Republic des Hofs hat ihre eigene 6»Sprache, Gebräuche, Policic, Sittenlehrc undReligion.
der über die Favoritinnen und Favoriten aus,der Jäger bläßc auf die freudige Nachricht vonden neuen Landtags-Geldern noch einmahl somuthig ins Horn, die Sängerin, die seit 13Monathen nicht bezahlte Sängerin steigt so hochwie eine Lerche, der Parforcc-Hundsstall, demdie Renlh-Cammer und Creditores schon denUntergang decretirt hatten, ertönt von frohemGeheul und alle adelich- und unadeliche Müßig-gänger rechnen bereits auf die neu eröffneteGoldgrube. Don den gethanen Bewilligungensollte den Truppen der rückständige Sold ent-richtet, gewisse aus der Ereculion stehende Lan-desschulden abgetragen und einige mit großemVortheil feil gemachte, dem Land incorporirteRittergüter bezahlet werden. Alles diß ist imAngesichte des Landes mit Hand und Siegel,auf Wort und Treue-vollzogen worden. Allein,daß Gott erbarm! wie wird der theuersten Zu-sage gespottet! Die wichtige Männer, so sichzu Werkzeugen einer heillosen Beredsamkeit vonbeyden Seiten gebrauchen lassen, heischen underhalten zuerst den Lohn der Ungerechtigkeit,die Terminen kan man nicht erwarten, dieGelder werden also auf den Kredit des Landesin voraus anderswo gesucht und erhoben; anstatt die Miliz zu zahlen und den Fuß derTruppen zu erkalten, werde» selbige reduzier,die Creditores werden treuherzig gemacht, ihrevon dem Land nun consenlirle Capitalien zuverlängern, und den Junkern, denen die Gü-ter seil gemacht worden, gibt man etwas aufAbschlag, einen Dienst bey Hof, ihren Kinderneine Fahne; sie mögen sehen, wann sie einstdas übrige bekommen. Das aus den Lebens-säffcen des Staats distillirle Geld aber erhebtder Landesherr durch seine Leute selbst; ihm dißzu versagen, hiesse dem Fürsten nicht getrauet;sich dem Herrn zum Vormünder auszuwerfen,das wäre ein Majestärsverbrechen; wer wird sichdas zu verlangen unterstehen? wo wird derehrliche Minister seyn, der seinem Herrn mirdergleichen Vorstellungen beschwerlich siele? jaseynd nicht leyder! diese oftermalen die erste,welche den Gewinn der Ungerechtigkeit demHerrn zuschanzen, und wo nicht mit ihm thei-len, doch den stummen Mann vorstellen undals einfältige Schlafmützcn ein Elend zu Hausbestufzen, welchem mit männlichem Muth mög-lichst zu steuern sie vor Gott, ihrem Gewissenund ihren Pflichten gegen Herrn und Land aufdas stärkste verbunden stund.
Höfe.
Der große Zweck aller Hofleute ist die Er-werbung der Gnade der Herrschaft. Das istder Erbfeind, auf den alle zielen. Die Favori-
Ein Reichstag ist ein langer Lag und bat, wie die Schrift saget, seine eigene Plage.
»«) „Dieß ist oft das traurige Leos unserer stursten gewesen Die manchmal wirkliche, öfter« scheinbare Roth.wendigkcil hat sie gezwungen, mit einem Theile deS Volke« aus Kosten de« andern Vergleiche zu schließen u nd dereinjährige gute Erfolg ihrer Angelegenheiten ist um den Preis des mehrjährigen öffentlichen Unglück crfäu-t wor-den." lVolingbrokc'S geheime Memoiren I, NK.>
Kurz, Pros. Lit,
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