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Handbuch der deutschen Prosa von Gottsched bis auf die neueste Zeit : historisch geordnete Sammlung von Musterstücken aus den vorzüglichsten Prosaikern unter Berücksichtigung aller Gattungen der prosaischen Schreibart, nebst einem literarisch-ästhetischen Kommentar / von Dr. Heinrich Kurz
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451-452
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Friedrich Karl Freiherr von Moser.

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ten gehen offensiv zu Werk und dirigiren dieBelagerung: sie lassen den Staabspersonen vondem Geheimniß der Methode so viel wissen undvon den Vortheilen, die sie in dem Fortganzcihrer Bemühungen erhalten, so viel zukommen,als sie glauben, ohne schädliche Folgen ihrerEhre, Nutzens und Ansehens entbehren zu kön-nen. Sie haben ihre Subalternen, zu Formi-rung, Ausbesserung und Vollstreckung ihresPlans, welche sie nach Verhältniß ihrer Gabenund Dienste belohnen und unterstützen; unterdenselben seynd einige kühne Partisans, die sichzu den kleinen Stürmen und Streifxreyen ge-bvauchen lassen, und besonders auf die Bewe-gungen der Wahrheit und ihres kleinen, aber 15tapfern Haufens ein wachsames Auge haben;wieder andere geben gute Minirer ab, und nochandere seynd brauchbare Spions und Verräther,und der gemeine Mann an Hof hats gut oderschlecht, nachdem der commandirende Feldherr 20zu seinem Posten mehr oder weniger Geschick-lichkeit besitzt.

So geht es aber nur, wann ein Herr nachden Regeln der Kunst attaquirt wird; vielfäl-tig wird der Krieg gegen ihn auf Croatisch, 25Uhlanisch und Calmuckisch geführt, ein jedergreift an, wo er beyzukommen glaubt, einHaus wird 'oft zwey- dreymahl geplündert, demeinen steht das baare Geld, dem andern dieMeubles, dem.dritten Kleidung und Geräth 5»an; zuletzt kommen noch die Ehrenschänder undMartergeister, die den armen Hausmann kne-beln und foltern, ob er etwa noch einen heim-lichen Schatz wo verborgen habe.

Wieder andere durchstreifen und verheeren 55das platte Land und begnügen sich bey demHauptplatz mit einer blossen Bloquade.

Man hat in der Kriegskunst gewisse zu Eh-ren der Erfinder nach ihrem Nahmen benennteManieren des Angriffs, Befestigung und Ver-

theidigung. Die Hof-Kriegskunst kan gleicheMethoden ausweisen; sie pflanzen sich aber, wiedie Regierungssorm der Jesuiten in Paraguayund das Geheimniß der Freymäurer, nur durch5 die Tradition fort. So viel weiß man nur,daß zu den Waffen in diesem Kriege lauterweiche Materien gebraucht werden; die Haupt-batterien werden von Respect, Unterthä-nigkeit und Submission aufgeführt, dasschwere Geschütz wird mit einer Massa ange-füllt, welche die Hoffeuerwerker sich zu Füs-sen legen nennen, und die Patronen zu demgemeinen Gewehr werden von Complimen-ten gemacht. Alle diese Materien haben einebetäubende, lähmende und nach Beschaffenheitder Personen, welche sie treffen, anziehende undlustig machende Kraft, ungefehr wie die vonTarantuln -gestochene nach einer tiefen Traurig-keit und Angst wider Willen zum Tanzen ge-reizet werden.

In dem ganzen Krieg wird vornehmlich nachden Augen gezielet, und das Bezaubernde die-ser Mittel besteht vornehmlich darinn, daß derblind gemachte keine Schmerzen davon empfin-det und sich einbildet, durch die eingesetzte Glas-augen noch schärfer zu sehen, als er vorher mitseinen natürlichen Augen gesehen hat.

Meine gnädigste Herren werden mir willigvergeben, mich hieroglyphischer Zeichen bedientzu haben, die niemand versteht als wer selbsteine Campagne mitgemacht hat; das übrige,was alle ihre Unterthanen wissen dürfen, willich mit deutlichen Worten sagen.

Ein Herr ist das Haupt seines Hauses undmuß nicht nur Verstand vor sich, sondern zu-gleich vor seinen ganzen Hof habe».

Er muß ihn also zu übersehen, sich in deneinem Hausvater gebührenden Respect und Ge-horsam zu setzen und durch Liebe, Klugheit und4V Ernst darin zu erhalten wissen.

Justus Möser.

I. Etwas zur Verbesserung der Arineiiaiissalteii.

Wie, Sie wollen das Betteln rühmlich ma-chen? ,?n der That, das fehlt den faulenMüßiggänger» noch. Allein herunter mit demSchleier, herunter mir dem Regentuchc, worinsich viele unserer Bettlerinnen verstecken, umihre Ehre nicht zu verlieren. Verdient einearme unglückliche Person so viel Schonung, sosorge man für sie daheim, und setze dieselbenicht der traurigen Nothwendigkeit aus, ihrBrod vor den Thüren zu suchen. Verdienet siees aber nicht, so verfolge Schimpf und Ver-achtung den verschuldeten Bettler. Er gehe,

wenn er ja gehen soll, als ein Scheusal durchdie Gassen, und sey allen jetzt wankenden, jetztUU auf die faule Seite nach und nach sinkenden,jetzt sorglos daraus los zehrende» Einwohnernein so schreckliches Exempel, daß sie sich lieberdas Blut aus den Fingern arbeiten, und Was-ser und Brod genießen, als auf künftige Almo-«>5 sen ihre Zeit und ihren Fleiß ungenutzt ver-schlafen oder verprassen. Eine Bettlerin imRegentuch ist eine Satyre wider die Obrigkeit,die entweder die Unglückliche nicht versorgt oderdie Schuldige nicht strafet. Nirgends giebt es